Review

Weichzeichner, einmal die volle Dosis.
David Hamilton, seines Zeichens gefeierter Fotograf bekam ab der zweiten Hälfte der 70er mehrfach Gelegenheit, seine perfekt gemalten Aufnahmen junger Mädchen während des Aufblühens ihrer Sexualität auch auf Film abzulichten und war damit Gegenstand zahlreicher pornographischer Diskussionen und latenter Pädophilievorwürfe.
Nach einem Skandalstart wie „Bilitis“ war „Zärtliche Cousinen“ ein weiteres Werk aus dieser Reihe, in der sich junge Mädchen reihenweise entblättern, der Sex aber eigentlich kein Rolle spielt, weil die Kamera im Wesentlichen lieber fasziniert deren scheinbar noch in der Entwicklung befindliche Körper umschmeichelt.

Das kann man als gefährlich ansetzen, aber auch als harmlose Nackedeiphantasien abtun – die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Wer also bei „Zärtliche Cousinen“ leise mitlechzen möchte, darf das tun, richtiggehend graphisch wird die Erotik jedoch nie, sondern Hamilton achtet darauf, daß alles relativ verspielt und ansatzweise unschuldig rüberkommt.

Dennoch funktionieren sie als spielfilmlange Werke leider überhaupt nicht, was um so trauriger ist, weil das Grundthema durchaus als Basis für einen interessanten Film hergehalten hätte. Ein Mann erinnert sich an seine Jugend und das eigene Erwachen der Sexualität, das in einer Zeit des Umbruchs stattfindet, kurz vor dem 2.Weltkrieg, im Sommer, in einer Landpension irgendwo im naturverbundenen Nirgendwo der Provence. Hier kommt es zu einer Implosion im Gefühlsreigen, wenn der pubertierende Julien seiner etwas älteren und reiferen Schwester Julia nacheifert, die folgerichtig an ihm nun gar kein Interesse hat, sondern sich ihrer fraulichen Entwicklung widmet und sich Männern nähert, die hier jedoch mehr als spinnerte Trottel oder sexbesessene Tölpel herüberkommen. Alles spielt ineinander, die Knechte stellen den Mägden nach, die Tochter des verrückten Erfinders wirft schüchterne Blicke in die Runde, die älteste Schwester produziert Oberflächlichkeiten und hält ihren albernen Galan sexuell so kurz, daß der sich zum Affen macht.
Da können Vater und Mutter nicht mithalten: die Dame des Hauses ist überbeschäftigt und in Geldnöten, der Vater hat sich aus dem Familienverbund beinahe verabschiedet und wirkt wie eine Traumgestalt, die mental an anderen Orten weilt.
Und als der Krieg dann da ist, wird Julien unversehens in die Rolle des einzigen vorhandenen und virilen Mannsbilds gedrängt, der seine Sexualität mit zunehmendem Spaß mit den Bediensteten auslebt, was wiederum bei der zurückgebliebenen Julia Eifersüchteleien auslöst.

Da ist jede Menge inzestuöser Quark im Ansatz dabei, wenn Thierry Tevini seine Schwester beim Baden betrachtet oder beide am Ende nackt im Feld liegen, aber vor der letzten Konsequenz schreckt man hier zurück – Liebe ist hier nur ein Spiel Unschuldiger.

Leider muß man hart leiden für so eine Erkenntnis, denn so richtig passieren tut hier über weite Strecken nichts.
Die Charaktere (darunter ein deutscher Erfinder, der Seelen auffangen will und eine lebensmüde alternde Schauspielerin) werden nicht richtig ausgelotet, Handlungsstränge angerissen und wieder fallen gelassen und die vielen kleinen Gesten unter den Figuren wiegen nicht endlosen sinnfreien Gespräche auf, die man ertragen muß, bis die Handlung wieder Fahrt aufnimmt, was sie genau genommen eigentlich nie tut.
Viel Blabla, slapstickhafte Ansätze und die offensichtliche Selbstverliebtheit Hamilton in die eigenen schönen Aufnahmen lassen alles wie ein eitles Panoptikum mit Brustwarzen wirken, in dem die damals vielgescholtene Anja Schüte ihre Nippel übrigens kaum zur Schau stellen kann, sie hat eine fast vergessenswerte Nebenrolle bis kurz vor Schluß.

Die Untergangsatmosphäre, die alles wie das Ende eines endlosen heißen Sommertags kurz vor dem Wetterwechsel wirken läßt, kann zwar als Metapher für versonnene und idealisierte Erinnerungen an die Jugend durchgereicht werden, aber so unspannend war es selten. Kein Wunder, daß die Teenager hier brustfixiert sind, wenn sich in der freien Natur sonst so wenig ereignet.
Schöne Bilder sicherlich, aber nicht mal ein Hauch von Substanz. (3/10)

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