„Thriller-Killer"
„To thrill" bedeutet bedeutet: begeistern, erregen, fesseln, in Spannung versetzen. Was guten Filmen generell nicht schadet, ist für den „Thriller" quasi Pflichtprogramm. Hier sind das Mitfiebern, die Ungewissheit über den Her- und Ausgang der Geschichte sowie die Beunruhigung ob einer bedrohlichen Situation bzw. Konstellation für den/die Protagonisten dramaturgische Eckpfeiler, deren Fehlen oder Vernachlässigung das Gebäude sehr schnell zum Einsturz bringt. Anders als im Action-, Science-Fiction- ,Fantasy - oder Comic-Genre kann man sich hier nicht mit spektakulären Schauwerten über Wasser halten. Versagt der Autor, dann säuft auch der Thriller gnadenlos ab. Das gilt auch dann, wenn dem Skript erst auf der Zielgeraden die Puste ausgeht.
Peter A. Dowling hat bereis so einige Erfahrungen mit diesem Problem. Sowohl der von ihm geschriebene und inszenierte B-Shocker „Stag Night" (2008) wie auch der Jodie Foster-Hochglanz-Thriller „Flightplan" (2005) verstrickten sich nach starkem Beginn und allerlei Unglaubwürdigkeiten und konnten die so entstehenden Plot-Löcher auch mit atmosphärischer Dichte nicht mehr stopfen.
Da kommen natürlich langsam berechtigte Zweifel auf, ob Dowling im Spannungskino weiterhin sein Glück suchen sollte. Dass sein neuester Versuch ausgerechnet mit „Reasonable Doubt" betitelt ist, entbehrt damit nicht einer gewissen Ironie.
Zunächst aber macht er mal wieder vieles richtig: Der aufstrebende Staatsanwalt Mitch Brockden (Dominic Cooper) fährt unter Alkoholeinfluss einen Passanten an. Nachdem er anonym den Notruf verständigt hat, flieht er vom Tatort. Als tags das blutverschmierte Opfer tot im Wagen des Mechanikers Clinton Davis (Samuel L. Jackson) gefunden wird, bemüht sich Mitch um den Fall. In der anschließenden Verhandlung tritt er offiziell als Ankläger auf, arbeitet aber aus Gewissensgründen heimlich an der Entlastung des verdächtigen Automechanikers. Eine Strategie, die ihn schnell noch noch ärger Bedrängnis bringt ...
Dowling entwickelt dieses klassische Zwickmühlen-Szenario geschickt als eine unglückselige Mischung aus Zufällen und Fehlentscheidungen - so Mitch will eigentlich ein Taxi nehmen, sieht aber Jugendliche um seinen Wagen herumlungern und fährt dann doch selbst; weil er einer Polizeistreife ausweichen will, biegt er plötzlich ab und fährt den aus einer Gasse heraus laufenden Passanten um - die sich gegenseitig bedingen und sukzessive in den Abgrund führen.
Nach dieser clever arrangierten Grundkonstellation wartet Dowling allerdings unvermittelt mit einem vermeintlichen Paukenschlag auf, der dem Film jegliche Spannung absaugt und zudem auch noch in eine andere Richtung lenkt, die letztlich in der dramaturgischen Sackgasse endet. Die ebenso plötzliche wie an dieser Stelle völlig unnötige und planlose Enthüllung von Clinton Davis wahrer Rolle in der Geschichte ist damit der entscheidende Knackpunkt für die ungleich schwächere zweite Hälfte.
Erschwerend hinzu kommt die Fehlbesetzung der beiden Protagonisten. Cooper wirkt deutlich zu jung für den bereits mit allen Wassern gewaschenen Staatsanwalt und Samuel L. Jackson stapft auf Autopilot durch sein altbekanntes Bad-Guy-Repertoire. Wenigstens gelingt Regisseur Peter Howitt (der hier bezeichnenderweise unter dem Pseudonym Peter P. Crowdings arbeitet) eine zumindest optisch adäquate Düster-Stimmung, die im Verbund mit dem ebenfalls stimmigen Score zumindest für etwas „Thrill" sorgt.
Dennoch bestätigt sich auch hier leider wieder die alte Thriller-Regel: laues Skript, lauer Film. Vorhersehbare Plot-Twists, die obendrein auch noch allerlei Logiklöcher anhäufen und an der Glaubwürdigkeit rütteln, sind eine Todsünde im Spannungskino. Peter A. Dowling ist jedenfalls auf dem besten Weg, als „Thriller-Killer" abgestempelt zu werden. Eine weder erregende, noch begeisternde, oder gar fesselnde Aussicht.