Review

Kurze Auszeit des zuletzt als gegeben angenommenen Weges von Dante Lam, der seit 2008 unverändert die Geschicke des urbanen Polizei-/Actionthrillers in Gemeinschaftsformen und dramaturgischen Interessen zwischen den Gesetzeshütern und den Kriminellen und so zwischen Weiß und Schwarz in Augenschein nahm. Nach ganzen vier, oft rational wirkenden Genrearbeiten in Folge und mindestens zwei hiernach, That Demon Within a.k.a. Demon Cop (2014) und der geplante Moscow Mission im nahen Blick, die die scheinbare Präferenz des damit auch seine Karriere begonnenen Lam wieder erstarkt und für empfangsbereites Publikum präsentierten, wird mit Unbeatable zu einem nicht unbedingt stilleren, aber auch jeden Fall persönlicher wirkenden Film eingekehrt. Ein fierce fighting Actiondrama mit dem Schwerpunkt auf dem Letzteren und vielen verschiedenen in Augenschein genommenen Beziehungen im fokussierten Sinn, dass überraschenderweise trotz routinierter Geschichte und manchen Gefühlserlebnissen zuviel und zu aufgesetzt eben doch funktioniert:

Der frühere Boxchampion Ching Fai [ Nick Cheung ] hat Hong Kong auf der Flucht vor Schuldnern verlassen und sich nach Macao als Mädchen für Alles in der Trainingsstätte seines alten Freundes Tai-sui [ Philip Keung ] niedergelassen. Die Wohnunterkunft zur Untermiete teilt er sich dabei mit der nach zwei schweren Verlusten traumatisierten Chinesin Gwen Wong Ming-kwun [ Mei Ting ] und deren zehnjährigen Tochter Dani [ Crystal Lee ], dessen gemeinsam füreinander sorgendes Leben auch Ihm als Dritten im Bunde bald sehr gut tut. Zudem wird Ching Fai von dem jungen Mixed Martial Arts - Aspiranten Lin Si-qi [ Eddie Peng ] um Hilfe bei der Vorbereitung zum gerade auch für Amateure zugelassenen 'Golden Rumble' Turnier gebeten, dessen Teilnahme den ehemals schwerreichen, mittlerweile pleite gegangenen und dem Alkohol verfallenen Vater [ Jack Kao ] beeindrucken und wieder auf die Beine helfen soll. Als Lin auf den bisher unbesiegten und auch wenig skrupellosen Lee Chi-tin [ Andy On ] im Ring trifft, brechen folgenschwere Auswirkungen und weitere Entscheidungen an...

Ein Neuanfang, oder doch nur der letzte verzweifelte Schritt wieder in das Nichts.
Ortssprünge zu Beginn und so in Zeit und Raum stellen die drei Personen in einer knappen spezifizierten Richtung vor; ein gestandener Mann, ein noch, aber nicht mehr ganz Junger und eine verzweifele Frau, die zu unterschiedlichen Momenten alle ihr bisheriges Leben verloren und sich mehr oder minder notgedrungen auf dem Weg zu einer neuen Existenz aufgemacht haben. Die Hauptperson, obwohl der letzte Vorgestellte ist eindeutig Fai, der das Dreieck und alle Anderen darum auch als Einziger verbindet, was die Vergemeinschaftung der Umwelt direkt auf Ihn monopolisiert. Eine Vaterfigur für die Einen, ein Lehrmeister zudem und auch eine Art platonischer Ehemann oder auch Patenonkel in der Not, der, wenn er könnte und obwohl er dies nicht allein aus hehren Motiven tut, Alle und Alles in der Geschichte zusammenhält.

Erstaunlicherweise sind die Beziehungen von Fai zu Lin und die von Fai zu Gwen dabei geschlossen; die anderen Beiden werden einander nicht vorgestellt und treten so nie in Kontakt, wissen nicht einmal von dem jeweiligen Leben und der Bedeutung für die erst verlorene und nun tatsächlich mühsam zurückerkämpfte Existenz. Der scheinbare Rahmen des Mixed Martial Arts Turniers, welches auch in der Promotion den Aufhänger des ehemals MMA betitelten und so mit entsprechenden Erwartungen bestückten Projektes ganz in den Vordergrund gestellt und vermeintlich eng umschlossen beibehalten wird, wandert nach dem ersten Training alsbald als reiner intermittierender Showeffekt, wie als tragfähiger Hebel zum Zugang einer breiter gestreuten Zuschauerschaft zurück. Eine tatsächliche Nemesis für den antriebsstarken Spross wird erst ganz gegen Ende und dann auch ruckzuck instruiert, Runden im Tournament zuweilen gar nicht gezeigt, sondern nur verbal in Ergebnissen und Durchsagen der Reporter komplettiert.

Ähneln tut man in dieser Weise der Betrachtung auf den Motiven und Zweifeln und so der Füllung von Gedanken und Taten ein wenig dem koreanischen Fists of Legend (2013); auch hier wird wie dort der Faktor des Virilen und Akrobatischen und die Kondition und Technik der Kombattanten, gerade die Bodenkämpfe in Halte- und Hebelgriff zwar in entsprechenden Szenen eingefangen, aber weniger als Aktion und Aufsehen als vielmehr dem emotionalen Spannungsmoment, der Aufregung und dem Bangen um die Personen dienend. Stand und Status, dass nichts mit Gut und Böse oder Ritterlichkeit und Ideal, sondern nur der Auswahl von Erwägung und der Bekehrung bisheriger Interessen zu tun hat; und auch wenn das Geschehen in der Glücks- und Spielstadt Macao geortet ist, die Motive und Probleme nicht das Geld sind, sondern Enttäuschung in andere Menschen und oft auch in sich. Beide Männer tun letztlich das, was sie im Moment als Bestes oder auch als Einziges können, um zu sich selbst oder wieder auf den etwaig richtigen Pfad zurückzufinden; eine komplette Abkehr zu den letzten scheinbar ähnlichen Filmen der ehemaligen Kronkolonie, die ein ganzes Jahrzehnt zuvor eine Reihe plötzlich auftauchender Konkurrenten in Form von Xanda, Star Runner, Ultimate Fight und Boxing Hero und seiner mehr oder minder geringbudgetierten Dutzendgeschichte spendiert bekam.

Hier wird sich Zeit für seine Versuche genommen, von der Regie und der Inszenierung her vergleichsweise gar in sich geruht und Emotion und Klischee wie auch das Schwelgen der eigentlich traumhaften Umgebung, der Hoffnung auf eine zweite Chance und dem Mitteilen von Wünschen und Träumen nicht gescheut. Das Glück wird nicht speziell gesucht, aber gerade dann gefunden und manchmal auch gerade dann wieder gestört, Banden geknüpft und mit viel Ausdruck an darstellerischen Spiel, zuweilen auch eine Spur darüber und der Schicksalsfügung zuviel um ein Halten all der Brüchigkeit im Leben gerungen und verzweifelt auf ein Mehr an Zukunft erwehrt.

Details
Ähnliche Filme