Review

kurz angerissen*

Ohne Rücksicht auf die festgefahrenen Konventionen des Superheldenkinos, allerdings auch ohne Visier mit allzu hoher Sichtweite, fabriziert John Suits mit durchgedrücktem Gaspedal eine Comicverfilmung mit zwei bestimmenden Hauptzutaten, nämlich 1. abgedrehten Jean-Pierre-Jeunet-Charakteren im 2. geschlossen vor sich hinbrütenden Hochaus-Moloch mit den Zügen einer geschlossenen Anstalt, in der sich gesellschaftsunfähige Gestalten gegenseitig auf die Füße treten, so wie man es aus der britischen TV-Serie „Misfits“ kennt.

Probiert wird hier so einiges, nur gelingen will es nicht immer. Die stilisierte Bildsprache möchte meist darauf hinaus, die Metamorphose eines Charakters so cool wie möglich darzustellen, wirkt in den entsprechenden Schlüsselszenen aber ähnlich erzwungen wie diverse „Matrix“-Trittbrettfahrer, die Anfang der 00er Jahre ihr Glück mit der Bullet-Time versuchten. Wenn Regen, Blitz und skurrile Kostüme punktgenau zu einer Graphic-Novel-Pose zusammentreffen, ist ein gewisses Bemühen nicht von der Hand zu weisen. Die Mitbewohner und Kontakte der Hauptfigur definieren sich über ihre Marotten, die im Zusammenspiel ein durchaus faszinierendes, wenngleich ins Leere laufendes Kaleidoskop verrückter Handlungen zum Leuchten bringen. Da möchte man sicher niemandem vorwerfen, mit Einfällen gegeizt zu haben.

Mit seinen experimentellen Regieeinfällen, verwunderlichen Drehbuchmomenten und monologischen, selbstreflexiven Texten wirkt „The Scribbler“ wie eine Absolventen-Abschlussarbeit, die davon ausgeht, dass das grellste Feuerwerk die höchste Relevanz genießt. Dass dem nicht so ist, haben durchwachsene Kritiken nicht ohne Grund wieder richtiggestellt, was aber niemanden von der Sichtung abhalten sollte, der selbst ein wenig experimentierfreudig ist.
(4.5/10)

*weitere Informationen: siehe Profil

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