Review
von Leimbacher-Mario
Solides Remake, schwacher Carpenter, guter Film... ?
John Carpenter hat sich allein durch sein „Ding“ als ein exzellenter „Remaker“ bewiesen, als absoluten Filmfan würde ich ihn eh einschätzen. Und so kann man ihm auch nicht verübeln, dass er in den für ihn eher nicht mehr ganz so erfolgreichen 90ern das Angebot von Universal dankend annahm, ein Update von „Village of the Damned“ abzuliefern. Denn die platinblond-gelockten „Monster“ haben schon in den 60ern für puren Terror gesorgt. Damals noch etwas züchtiger und farblos, aber definitiv empfehlenswert und ein Horrorklassiker aus der zweiten Reihe, für Fans von Howard Hawks bis zur Twilight Zone. Also war hier schon der richtige am Werk, könnte man meinen... Aber was kann denn nun die Neuinterpretation meines Lieblingsregisseurs, aus einer Zeit, in der er zwar ein paar Monate vorher noch überraschend den genialen „In The Mouth of Madness“ abgeliefert hatte, er aber bei weitem keine sichere Bank mehr war, was Horrorhits und Qualitätsfilme betraf...
„Das Dorf der Verdammten“ von 1995 ist besser als sein miserabler Ruf. Klar, wenn man zu gierig mit Carpenters Höhepunkten vergleicht, zeigt das hier eher den Daumen runter. Wenn man jedoch ein Faible für seinen Stil hat und mit sonstiger Konkurrenz aus jener Zeit vergleicht, dann kann man diese teuflische Alieninvasion schon gut weggucken. Erzählt wird von einem Dorf im mittleren Westen der USA, in dem plötzlich alle Bewohner in einem gewissen Umkreis für einige Stunden in Ohnmacht fallen. Als sie aufwachen, auf den ersten Blick ohne Kratzer oder Beschwerden, sind einige Frauen schwanger und gebären seltsame, super intelligente und weißhaarige Kinder, die schnell zu einer echten Gefahr heranwachsen... Carpenter hält sich hier recht nah an die Vorlage, mutig ist anders, doch ein Kind seines Regisseurs und seiner Zeit ist das stimmige Ding dennoch. Es gibt viele Tote, westernartige Shootouts und Computereffekte, die sich nicht alle top gehalten haben, es gibt einen feinen Score, etliche atmosphärische Bilder und mit Hamill, Alley und Reeve (im letzten Film vor seiner Querschnittslähmung!) sind mehr als nur bekannte Gesichter dabei. Und wann sieht man mal den nicht mehr ganz so jungen Luke Skywalker und Superman Seite an Seite gegen seltsame Grundschüler kämpfen?! Die Laufzeit ist knackig, die Kinder können einem schon Angst einjagen (erst recht, wenn man ihnen selbst das erste Mal noch in einem recht jungen Alter über'n Weg läuft!) und die Grundidee ist einfach purer Alptraum- wie Carpenter-Stoff - selbst wenn er sicher schon bei Filmen kreativer wurde und mehr Spaß, Freiheit hatte.
Fazit: ich würde, trotz carpenter'schem Fansein, das Original recht deutlich vorziehen. Und dennoch: auch dieses Version der gewieften Horrorkinder kann fesseln, faszinieren, flirten mit Grossartigkeit. Oder zumindest handfest unterhalten. Oder um es mit meinen Worten zu sagen: ein suboptimaler Carpenter ist immer noch ein Schnitt über viel vom Rest!