Review

Carpenters langerwünschtes Remake eines größten der "kleinen" SF-Klassiker gerät unglücklicherweise nicht zu einer filmischen Offenbarung.
Obschon im Ganzen genießbar, fällt er gegenüber dem kompakten Original deutlich ab und wirkt wie eine gedehnte Neuauflage. So kommt es zu dem zweitschwächsten Carpenterfilm der 90er, der jedoch noch ausreichend Qualitäten vorzuweisen hat (im Gegensatz zu "Vampires").
Carpenters Drehbuch, daß auf der 60er Vorlage basiert, integriert sämtliche wesentlichen Elemente dieses Films und fügt einige neue Elemente hinzu, die jedoch nicht alle ziehen.
Als positiv kann Einteilung der Kinder in Pärchen gewertet werden, die durch die Abtrennung eines von ihnen, ihre Perfektion verlieren und für Gefühle zugänglich werden. Auch die körperliche Verkümmerung (langsameres Wachstum) paßt sich gut in dieses Gefüge ein.
Leider sind die Kinder nicht so überzeugend, denn gerade die Mädchen tragen unübersehbar schlechte Perücken und der halb gewanderte Stechschritt wirkt auch eher gewollt. Dafür hat man die Augen-Effekte deutlich verbessert, die gerade bei einer ärztlichen Untersuchung hervorragend wirken.
Darüber hinaus ordnet Carpenter die Kinder eindeutig als Aliensprößlinge ein (was im Original in aller Deutlichkeit vermieden wurde), was noch akzeptabel ist, versaut sich jedoch einiges mit einer schlechten Klischee-Alien-Puppe als Totgeburt.
Wie wenig er jedoch überhaupt zum bereits bestehenden Stoff hinzufügen kann, zeigt sich in der Tatsache, daß eigentlich sonst nur noch Streckszenen und Extragewalt auffallen.
Zu viele Familienszenen während der Schwangerschaft (langatmig und undramatisch inszeniert und mit einer furchtbaren Musik unterlegt) machen den Ohnmachtseffekt fast vergessen, bis erst die Geburt das Interesse am Geschehen wieder weckt.
Später kommt der Film auch selten richtig in Gang, denn neben schönen Bildern kann Carpenter nichts tun, als in regelmäßigen Abständen einen Charaktere nach dem anderen den Kindern zum Opfer fallen zu lassen. So müssen denn auch beinahe alle Hauptdarsteller ihr Leben lassen, einige davon auf äußerst dämliche Weise.
Mark Hamill zum Beispiel, der schon früh Widerstand predigt, geht tatsächlich mit einem Gewehr auf die Kinder los, obwohl diese Gedanken lesen können. Der Angriff des versoffenen Hausmeisters ist ebenso dumm unmotiviert wie der des sonst widerstrebenden Vaters mit dem Vollbart, während die Tode von Reeves Frau und dem Charakter Michael Pares verschenkt sind. Immerhin ist die Hand im kochenden Suppentopf ein echt intensiver Effekt.
Zu schauspielerischen Leistungen kann hier niemand auflaufen, denn sämtliche Figuren haben miteinander kaum etwas zu tun, interagieren also so gut wie nicht.
Christopher Reeve selbst war nie ein ausdrucksstarker Darsteller und wirkt im Gegensatz zu George Sanders (dessen Rolle er sich hier allerdings mit Kirstie Alley teilen muß) hier denn auch blaß, bis ihm gegen Ende die aufkeimende Verzweiflung ein paar gute Szenen gelingen läßt. Kirstie Alley wiederum wiederkäut nur Wissenschaftlerklischees, raucht Kette und ist auch noch so blöd, das präparierte Alienkind im selben Ort wie die Kinder aufzubewahren. Ein schlecht geschriebener Charakter, blaß und schematisch wie viele.
Ihr Tod ist jedoch recht einfallsreich, wenn uns auch im Anschluß wieder einmal bewiesen wird, daß mehr nicht immer besser ist, denn der fehlschlagende Army/Polizeiangriff auf die Kinder ist nur ein unnötiger Strecker, der nicht hätte sein müssen und der auch nur langweilt.
Schließlich mündet alles in der aus dem Original bekannten Bombenszene, die wieder ordentlich unheimliche Effekte auffährt (die Transparenz der Kinderköpfe), die jedoch durch die Entführung des entarteten Kindes ein wenig verwässert wird.
Überhaupt ist das offene Ende diesmal ein eklatanter Schwachpunkt, der nicht hätte sein müssen. Das Original endete fulminant, aber mit erleichternder Erlösung, während hier ungeklärt bleibt, wie es mit "David" weitergeht, der ja schon deutlich rebellische Züge gezeigt hat.
Carpenter hat (wenn ich mich nicht irre) ein kurzes Cameo am Anfang; als Pare das Helium kauft, steht er am Bildrand und telefoniert an einem öffentlichen Fernsprecher.
So bleibt denn nur ein schön fotografierter und an beeindruckenden Locations gedrehter Film, der einmal mehr beweist, daß Hollywoods Regisseure von heute die Finger von alten Klassikern lassen sollte.
Zumindest wenn sie keine wesentlich neuen Einfälle hinzufügen können, wie es Carpenter schon einmal bei "The Thing" geschafft hat.
An der Kasse gefloppt, steht er im Oeuvre Carpenters eher auf den hinteren Plätzen, obwohl auch hier ein totales Versagen zum Glück umgangen wird.
Hätte besser sein können : 5,5/10.

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