In den 90ern hat sich Carpenter wieder etwas auf seine Tugenden besonnen, aber was dabei im Falle von Village of the Damned herauskam, ist eher eine schmerzhafte Erinnerung and das, was einmal war denn eine Rückkehr zum knallharten Spannungsfilm, für den Carpenter zu Recht seinen Ruf genießt - oder zumindest genoß.
Carpenter beweist zwar, daß er noch straff inszenieren kann, aber nur in wenigen Momenten kann er das durchgehende Gefühl des Unheimlichen, das den ersten Teil zu einem wenn schon nicht Überklassiker so doch passablen Thriller werden ließ, nur in wenigen Momenten nachkreieren. Der Rest verkommt zur TV-Soap. Insofern ist es konsequent von RTL2, diesen Film auszustrahlen (nur, was sie geritten hat eine verhächselte "12"er Version um 20.15 Uhr zu spielen, wird ihr Geheimnis bleiben; ob die Wiederholung in der Nacht dann die ganze "16" war, kann ich nicht sagen. Immerhin ist es aufschlußreich, den Film ohne die Ablenkung durch den Bodycount, der hier unpassende Deko ist, zu sehen).
08/15 US-Nichtsgesicht Christopher Reeves, hier gerade noch auf zwei Beinen zu sehen, geht vielleicht gerade mal als Superman durch, als Arzt und Kleinstadt-Held ist er aber schnell überfordert. Mark Hammill, aufgedunsen als Schreckbild für Star Wars-Fans, kann als jenseitiger Dorfpfarrer auch keinen Punkt machen und Kirstie Alley als rauchende (!) Gesundheitsbeamtin (!!) der US-Regierung, rettet sich ins Stereotyp. Der Rest fällt immerhin nicht aus dem TV-Rahmen. Nein, so stellt man ein Ensemble nicht zusammen.
Bleiben also nur noch die "creative deaths" (die so kreativ dann auch nicht sind), wobei die Auto-Sezierszene mit der eben erwähnten Alley als besonders gemein Erwähnung finden muß. Genau diese (sonst eher moderaten) Splatter-Effekte sind es aber, die zur Fallgrube des Films werden. Die Story von John Wyndham ist ein nicht untypisches Produkt in der Schnittmenge vom Ende des Zweiten Weltkriegs und Kaltem Krieg danach. Sie bewegt sich im Rahmen der bekannten Sujets: Angst vor Invasion, Infiltration und der Auslöschung der westlichen Lebensweise (Kleinstadt als "Insel der Seligen") und ist noch von der Bedrohung durch das 3. Reich beeinflußt (die Kinder sind alle blond und blauäugig). Während die Erstverfilmung des (interessanterweise) Deutschen Wolf Rilla 1960 noch fast gänzlich ohne special effects auskam und die Kinder daher eher unterschwellig bedrohlich wirkten, bis sie begannen, die Kontrolle über das Dorf zu übernehmen, so sehen sie hier von Anfang an so aus, als ob sie einem amoklaufenden Maskenbildner in die Hände gefallen wären: die "blonde Perücke!!"-schreienden blonden Perücken markieren sie schon im Kleinkindalter als Außerirdische und wenn sie ihre PSI-Macht über die Menschen ausüben, freut sich die Kontaktlinsencrew. Allein wenn die Kinder im Gleichschritt durch's Dorf marschieren (wie Kinder eben "betont" marschieren), ist das so komisch, daß der intendierte (unterstelle ich mal) Effekt der Bedrohlichkeit verpufft.
Auch sonst scheut Mr. Carpenter nicht vor Platitüden zurück. Wenn die Anführerin der Gruppe versucht, seine Gedanken unseres Helden zu lesen, um an den korrekt vermuteten Vernichtungsplan der inzwischen aufgebrachten Dorfbewohner zu kommen, wird eine Mauer zwischengeblendet. Aua! Im Chaos der Ereignisse findet auch das über die Maßen schnelle Heranwachsen der Kinder (es muß sich um Wochen handeln), keine besondere Aufmerksamkeit, dafür aber die erwähnten Tode. Das Problem hierbei ist, daß sie nicht nur inszenatorisch aufgesetzt wirken, sondern auch inhaltlich nicht durch die Logik des Plots gerechtfertigt werden können. Die lieben Kleinen sind ja Außerirdische, denen menschliche Empfindungen fremd sind, doch Sadismus gehört genau zu solchen. Warum lassen sie Alley also sich selbst sezieren? Naja, ist auch schon egal.
Der Subplot des einen Jungen, der durch eine Fehlgeburt (da hat es auch mit der menschlichen Gestalt nicht so hingehauen, zugunsten eines äußerst lächerlichen Gummi-Alien-Fötus) seinen weiblichen Widerpart verloren hat - es sind immer Paare, die geboren wurden - und somit, aus welchen Gründen immer, menschlichen Gefühlen zugänglicher erscheint, verläuft im nichts, außer, daß er in einem entscheidenden Moment die Aufmerksamkeit der anderen ablenkt. Ebenso bleibt das Zugeständnis an die moderne Welt, insofern als ein Mädchen diesmal die Anführerin der Bande ist, als Bonmot irgendwo hängen.
Ärgerlich an der Sache ist, daß John Carpenter ein Fan des 50er Jahre Kinos ist und mit "The Thing" auch schon bewiesen hat, daß er den Filmen aus dieser Zeit durchaus noch einen Pep zu geben vermag, der sie nicht nur reibungsfrei in die heutige Filmwahrnehmung übersetzen, sondern ihnen sogar noch zusätzlich Aspekte abgewinnen kann. Im Fall von "Village of the Damned" wäre da durchaus auch noch mehr dringewesen. Die technische Umsetzung ist eigentlich nicht schlecht: Carpenters traditionell selbstkomponierte Musik ist düster (erinnert wohl auch nicht zufällig an Morricones Score für "The Thing"), die Kamera ist sehr stimmungsvoll und eigentlich sind die Soap-Klischeecharaktere bis zu einem gewissen Grad passend, denn sie sollen ja naive Durchschnittsamerikaner darstellen. So merkt man, was es hätte werden können, aber leider nicht geworden ist.
Ich versuche schon seit Jahren das Phänomen zu ergründen, warum manche Regisseure ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr an ihre frühe Genialität anknüpfen können. Ein gewichtiger Grund scheint die Macht Mammons zu sein. In den Zeiten als Carpenter mehr oder weniger alles selber organisieren mußte, war viel mehr Herzblut dahinter als nun, wo er zwar keine Riesenbudgets bekommt, er sich aber auf einen Namen (deshalb haben die Titel seiner Filme in den USA auch immer das Präfix "John Carpenter's") und Mindesteinspielergebnisse verlassen kann. Diese gut eingerichtete Trägheit dessen, der es "geschafft" hat, merkt man allen späteren Filmen an. Trotzdem soll man die Hoffnung nicht aufgeben, denn wie gesagt, der alte Geist schimmert schon noch durch, allerdings viel zu schwach, John, viel zu schwach!