Ländlich geschmückter und auch provinziell angehauchter Actiofilm als Frühwerk von Augusto Salvador; die zweite Regiearbeit eines bis dahin profilierten Editor, die knapp vor dem Durchbruch Joe Pring: Homicide Manila Police (1989) auch das komplette Gegenstück zu den späteren Großstadtthrillern über heroische Polizisten oder deren Gegenparts darstellt. Hier ist das Gute und das Böse noch im eher kleinen Kreise einer so auch überschaubaren und einseitig eingestellten Gesellschaft zu finden, in der das Reiche schändlich und schädlich und die Unterdrückung und Ausbeutung der armen Bevölkerung wie von der Geburt an vorgegeben ist. Die Natur am Rande einer Kleinstadt wird zum Schlachtfeld eines verspäteten Rachefeldzuges, guns-a-blazing, der eigentlich auch nur deswegen entsteht, weil man die Betroffenen partout nicht in Ruhe lässt:
Früh seiner Mutter und der Schwester beraubt, schlägt sich Geron [ Ronnie Ricketts ] als angeheuerter Kämpfer von Don Luis [ Eddie Arenas ] und für eine geifernde Meute dieser Art von 'Mandingo' - Show durch die Existenz. Eines Tages genug von bezahlter Knochenbrecherei verlässt er die Villa seines Herren, und rettet mehr zufällig bei einem verhinderten Attentat das Leben von Henry [ Efren Reyes Jr. ], Sohn des schwerreichen Don Marion [ Eddie Garcia ], der sich alsbald als Vergewaltiger und Mörder von Gerons Mutter entpuppt. Zusammen mit seiner dabei auch wiedergefundenen Schwester Lorina [ Jaclyn Jose ], sich als gleichsam als Opfer des sexuellen Missbrauchs und quasi als Leibeigene gefangen erniedrigen lassen muss, flieht er nach einem offenen Widerstand gegen die Provinzherren in die Natur. In freier Wildbahn kommt es zur Hetzjagd gegen die Verfolger und den Kampf um Leben und Tod, mobilisieren die Grundstücksbesitzer doch mit De Lara [ Zandro Zamora ] und seiner Truppe die örtliche Polizei. Während dem flüchtigen Paar nur die Krankenschwester Mercy [ Aurora Sevilla ] beisteht.
Geschrieben ist das wie so vieles und gefühlt im Grunde Alles an philippinischen Actionfilmen aus der Ära von Humilde 'Meek' Roxas, der vergleichbar wie sein früherer kantonesischer Kollege Ni Kuang im scheinbaren Alleingang dem Genre seinen Stempel aufdrückte und mit den Ideen und Umsetzungen von über Hundert Arbeiten in drei Jahrzehnten hausieren ging. Roxas ist ebenso wie sein Regisseur Salvador dabei nicht um den gewissen Anteil an Naivität, einer unfreiwilligen Lustigkeit und dem hehren Ernst um die dann nicht mehr so wahren Gefühle verlegen, suhlt sich dabei auch genüsslich in Exploitation und Spekulation und Trash, was sich hier durchgängig durch das Skript und seine Bebilderung zieht.
So richtig für heilig und erwachsen nehmen kann man die Geschichte um den (Einzel)Kämpfer wider willen, der doch nur ein friedliches Leben leben will, aber nicht darf nämlich nicht. Da helfen auch keine Sonnenauf- und untergänge, die zahllos addiert und wie als Füllmaterial zwischen Dialog und Klopperei addiert sind, kein Austausch von Gefühlen, die mal brüderlich und mal als Mann der Stunde vorgetragen sind. Die Handlung als Abgleich von Kitsch und Klischee, mit leider ein wenig Verlust von Druck und Dynamik, die so wirklich nicht aufgebaut werden und so auch zum bleihaltigen Showdown hin nicht mehr präsent existieren. Denn im Grunde ist man nicht auf Rache aus, sondern auf der Flucht, strebt nicht zu einem Ziel hin, sondern von der Gefahr hinweg, wird sich gleich drei Mal die Auszeit gesucht und genommen, was einer Tension nicht gerade förderlich, sondern das Gegenteil, die Besinnung ist.
So steht auch hier die Gewalt – vor allem gegen Frauen, die von dem perversen Vater & Sohn - Paar wohl nur gefesselt und misshandelt zu genießen sind – zwar an erster Stelle, aber gleichzeitig nicht an vorderster, wird zwar der Akt erst mit einem Ausbruch an Niederträchtigkeit - Martino entführt Mutter und Kinder und quält und erschießt die Frau vor den Augen der Minderjährigen - und dem Ausdruck von Brutalität, dem um Geld kämpfenden und tötenden Geron eröffnet, ist das aber nur der Aufhänger und nicht der Mittelpunkt des Geschehens. Das Drama eines früh gestohlenen, ja vernichteten Lebens, dass auch später nicht mehr zu wiederholen und nur kurz für den Augenblick zu schmecken und genießen ist, wird alsbald in die Szenerie einer abgeschiedenen, hinterwäldlerischen Idylle initiiert, und sorgt für emotionale Pausen und Aussetzer im erzählerischen Fluss. Dabei ist auch die Hauptfigur des Geron im Grunde fehlbesetzt, bräuchte es in den Fällen von Dramatik und Dramaturgie einen gewissenhafteren Darsteller als Ronnie Ricketts, der immer etwas hölzern, schwerfällig und auch optisch nicht gerade greifbar agiert. [Dass Salvador später zumeist auf Namensvetter Phillip Salvador als Protagonist zurückgreift, ist oft schon die halbe Miete und Wohltat an sich.]
Ricketts, der hier wohl für den Actionfilm aufgebaut und mit so manchen Beintechniken auch anders als seine einheimischen Mitstreiter wenigstens ein bißchen in der Materie von Kampf und Kampfkunst ausgestattet ist, ist auch leider der Schwachpunkt des personellen Geschehens. Die Karriere funktionierte dessen zum Trotz, vor allem für westliche Zuschauer, die generell mehr dem Hongkong-Kino zugewandert sind, dürfte er ausnahmsweise und hervorstechend vor Anderen ein Begriff und durch die Kollaborationen (bzw. Originalfilme von) Fatal Chase (1992), Angel on Fire (1995) und Ultimate Revenge (1995) ein Begriff des preiswerten, leicht dümmlich wirkenden Reißers in niederer Umgebung sein. Passend dazu wird auch hier schon die Simplizität gepredigt und das Auge nicht gerade mit Wohlstand und Anmut verwöhnt, die Szenerien wie auch die filmischen Mittel und narrativen Einfälle auf eine kleine Handvoll begrenzt und so auf Arglosigkeit bis hin zur offenen Schlichtheit beengt. Auch die Actionszenen bleiben relativ einsam im Geschäft, stehen zuerst die Kämpfe im Vordergrund der Choreographie, ein wildes, wüstes Geprügel, in dem hier und da die Ursprünglichkeit der Verrohung und ab und an inszenatorische Schmankerl mit Ansätzen zu Mehr, und gen Ende auch schon die ersten Einsätze von Schusswaffe und Handgranate im rigorosen Gebrauch zu erkennen sind.