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Als 00 Schneider (Helge Schneider) gerade zu seiner Arbeit aufbrechen will, steht seine Tante vor der Tür, die ihn nach langer Zeit überraschend besucht. 00 Schneider, der gerade auf der Spur eines Schwerverbrechers ist, reagiert überrascht, hat aber nichts dagegen, dass es sich seine Tante in seiner Wohnung gemütlich macht. Er steigt in seinen Citroen DS und fährt auf kürzestem Weg zur Arbeit...

Gut, bei der Tante handelt es sich um einen kräftigen, untersetzten, dunkelhäutigen Mann mit Bart, der sich zwei Halbschalen an einer Schnur um den Hals gehängt hat, die in Brusthöhe vor ihm baumeln. 00 Schneider kennt ihn/sie auch gar nicht, aber da es sich um seine Tante handeln soll, wird die Sache schon in Ordnung gehen. Bei dem gesuchten Verbrecher, den er mit einem Undercover-Agenten auf frischer Tat erwischen will, handelt es sich um einen Mann, der Frauen auf den Po klatscht, und der kürzeste Weg zum Kommissariat führt direkt über die spanische Südküste, die bekanntlich unmittelbar bei Mülheim/Ruhr liegt - zumindest nach Aussage des Regisseurs, Drehbuchautors, Hauptdarstellers, Komponisten und Musikers in Personalunion - Helge Schneider.

Einen Helge Schneider-Film nach üblichen Kriterien zu beurteilen ist unmöglich - es stecken unglaublich viele künstlerische, wie idiotische Ideen dahinter (was kein Widerspruch ist), Anspielungen, Improvisationen, Spaß, Freude, Verstöße gegen filmische Regeln, aber auch exakt getimte Sequenzen darin, die sich jeder Einordnung entziehen. So trashig und bekloppt manche Szenen sind, so verzichten sie gleichzeitig auf jede Art von Brüll-Witz und erheben sich nicht über menschliche Verhaltensmuster - in Helge Schneiders Film existieren viele Randfiguren der Gesellschaft, aber er belustigt sich nicht über sie.

Im Gegenteil ist "00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse" keine Komödie, die vordergründige Lacher erzeugen will, sondern verlangt vom Betrachter trotz des scheinbar irrsinnigen Geschehens Konzentration und Kenntnisse, denn Schneider spielt hier mit den Insignien des Polizeifilms der 60er/70er Jahre und seinen eigenen Erinnerungen und Vorlieben. Sein Film spiegelt die Freiheit wider, die er sich bei seiner künstlerischen Arbeit ebenso nimmt, wie er sie seinem Betrachter bei dessen Urteil belässt. Entsprechend versagen hier normale Empfehlungen oder Ablehnungen der Filmkritik, weshalb es eine große Freude war, Helge Schneider persönlich nach seinen Intentionen, aber auch nach den ganz pragmatischen Hintergründen befragen zu können. Darum verweise ich hier auf mein Interview mit ihm, dass ich von der Übersichtsseite aus verlinkt habe. (8/10)

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