Helge Schneider ist und bleibt ein Phänomen, denn er spaltet sogar die eigene Fangemeinde.
Beispielsweise gibt es eine Menge Leute, die bei seinen Erzählungen auf der Bühne vor Lachen unterm Stuhl liegen, seine Filme jedoch hassen, weil sie oftmals schwer bis gar nicht zugänglich sind. Seine mittlerweile fünfte Regiearbeit fällt für seine Verhältnisse fast schon konventionell aus, man merkt jedoch auch, dass zusehends etwas Melancholie mitschwingt.
Helge ermittelt als Roy Schneider und kann einen Sittenstrolch dingfest machen, so dass noch genügend Zeit bleibt, an den Memoiren zu arbeiten. Doch dann wird ein Tabakladen überfallen und ein Huhn geklaut. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft, denn die Eidechse (Rocko Schamoni) macht die Gegend unsicher...
Wer mit Helge Schneiders Filmen in Ansätzen vertraut ist, der weiß, auf was er sich einlässt, denn eine schlüssige Handlung mit rotem Faden oder gar einem Spannungsaufbau ist bei dem Mann aus Mühlheim an der Ruhr nicht zu erwarten. Vielmehr pendelt die Geschichte zwischen Parodie und Alltagsabsurditäten, wobei Letztgenannte oftmals ein paar Lacher zutage fördern. So läuft der Kommissar daheim mit Mantel und Sonnenbrille herum, eine völlig verdreckte Herdplatte und ein Rinnsal auf dem Fußboden stören nicht, stattdessen gibt man sich genüsslich einem Apfel hin, um gleich danach eine Bockwurst zu verspeisen, natürlich direkt aus dem Glas. Ein Stück Helge, wie man es kennt und mag.
Ohnehin führt uns der Musiker und Komiker in eine eigene Welt, die irgendwo in den 60ern stehen geblieben zu sein scheint. Schreibmaschine, Telefon mit Wählscheibe, ein Polizeirevier ganz international besetzt und alle rauchen ohne Unterlass, während ein Verkehrspolizist scheinbar Tag und Nacht den Verkehr leitet. Diese Reliquien längst vergangener Tage sind es letztlich auch, die eine sehr spezielle Atmosphäre schüren. Hinzu kommt der von Helge komponierte Score, was zu der oben genannten Melancholie führt.
Das Sammelsurium lebt im Endeffekt mehr von der Grundstimmung als von seinen Gags, von denen leider nicht allzu viele zünden. Auch gibt es zu viele Einschübe, die bewusst unpointiert enden, was im Falle einiger Sequenzen ein paar Durchhänger beschert. Wenn Helge, so ziemlich in den letzten Filmminuten, im Parkhaus tanzt und sein Spitz Zorro nur noch sporadisch im Bild zu sehen ist, dann ist das keineswegs witzig, jedoch unterstreicht das die angesprochene Atmosphäre.
Ansonsten werden die Kuriositäten durch eine falsche Tante aus Amerika (mit zwei Kokosnusshälften vor der Brust und natürlich von einem Mann gespielt) angereichert, auf dem Lottoschein wird selbstverständlich 123456 angekreuzt und Mühlheim wird mal eben ein wenig südländisch, denn Almeria in Südspanien befindet sich ja nur einen Katzensprung entfernt. Anbei sind Hommagen an den Film noir erkennbar, einem Dr. Phibes wird beim Orgelspiel ebenfalls gehuldigt und es gibt ein Wiedersehen mit dem Pflasterverkäufer ("Zwei Meter, Zwei Mark").
Helges Filme sind und bleiben so eine Sache, denn auch wenn ein Briefkasten inmitten einer totalen Einöde im Gedächtnis haften bleibt, so wirkt das Tanzen in einem Jazzclub lediglich wie der Ausdruck eines Lebensgefühls, was beim Zuschauer für kleine Längen sorgen kann.
Der Humor ist deutlich leiser geworden, beinahe gebrüllte Sätze wie "Die Skulptur ist kaputt!" aus dem ersten "00 Schneider" wird man hier vergebens suchen, stattdessen konzentriert sich die Angelegenheit auf eine ruhige Mischung aus Reminiszenzen und abstrusen Nonsens, was eben nur jenen Betrachtern ans Herz gelegt werden kann, die auch die vier Vorgänger von Helge mochten.
6,5 von 10