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Ila (Nimrat Kaur) wird von ihrem Ehemann vernachlässigt und kocht ihm deshalb ein besonders schönes Mittagessen. Doch die Lunchbox wird versehentlich zu Saajan (Irrfan Kahn) geliefert, einem verwitweten Büroangestellten, der demnächst in den Ruhestand geht. Als Ilas Mann abends nichts über das Essen erwähnt, legt sie am nächsten Tag einen kleinen Zettel in die Lunchbox…

Die Dabbawallas beliefern seit über 100 Jahren in Mumbai (ehem. Bombay) die Büroangestellten mit dem von ihren Frauen gekochten Mittagessen und bringen abends auch die Lunchboxen wieder zurück. Obwohl die Essenbehälter auf dem Weg mehrmals anderen Boten übergeben werden, gilt das System als extrem zuverlässig mit nur einer Fehllieferung auf 16.000.000 (Wiki). Und genau um die geht es in der Tragikkomödie des jungen indischen Regisseurs Ritesh Batra, die für den europäischen Zuschauer ein liebevolles Sittenbild aus einem für die meisten auch heute noch fernen und unbekannten Land ist. Hier geht der Mann arbeiten und Ehefrau Ila gibt sich alle Mühe ihn zufrieden zu stellen. Running gag ist dabei ihre ältere Nachbarin Anti, mit der sich Ila ständig durchs Küchenfenster unterhält, die aber nie im Bild zu sehen ist. Ebenso amüsant, wie dieser ständige Dialog sind die Gespräche zwischen Saajan (Irrfan Kahn aus „Life of Pi“ 2012) und seinem designierten Nachfolger im Büro. Zwei Männer, die unterschiedliche Generationen verkörpern und einige Zeit brauchen miteinander klar zu kommen. Irgendwann wird Saajan dann als einziger Angehöriger des Bräutigams auf dem Hochzeitsfoto des Vollwaisen präsent sein.
Die Dreiecks-Konstellation ist für das indische Kino genauso typisch, wie die bunten Bilder in realistischen Farben und die langen Einstellungen. Vor allem aber ist „Lunchbox“ ein sehr warmherziger Film, der neben den schönen, die traurigen Momente des Lebens nicht auslässt. Auch wenn ein philosophische Ansatz nicht fortgeführt wird, ist die Botschaft klar: Im Leben geht es immer weiter! (8/10)

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