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Thomas Müller (Olli Dittrich) ist der klassische Durchschnittsdeutsche: 46 Jahre alt, seit 18 Jahren mit Sabine (Veronica Ferres) verheiratet, 1 Sohn, eine 3-Zimmer-Wohnung und demnächst ein Eigenheim. Als er urplötzlich seinen Job verliert, erwägt er von einer Brücke zu springen. Doch Sportwagenfahrer Schmidt (Wanja Mues) rettet Müller und bietet ihm einen seltsamen Job an…

Wie der Kinoerfolg „Oh, Boy!“ (2012) ist David Dietls Satire auf deutsches Bürgertum und Demoskopie ein Abschlussfilm an der Filmhochschule. Die Kinoauswertung verdankt der Sohn von Helmut Dietl („Schtonk“ 1992) der großzügigen Unterstützung von ZDF und arte, sowie seiner ehemaligen Stiefmutter Veronica Ferres, die schon früh ihr Mitwirken zusagt. „Der König von Deutschland“ lebt allerdings fast ausschließlich vom großartigen Spiel Olli Dittrichs. Der 1956 in Offenbach geborene Schauspieler und Musiker wird durch sein Mitwirken in der RTL-Show „Samstag Nacht“ als Komödiant bekannt, glänzt neben Anke Engelke in den improvisierten Treffen im „Blind Date“ (TV), feiert mit „Die Doofen“ und „Texas Lightning“ musikalische Erfolge und schreibt mit „Dittsche“ Fernsehgeschichte als „Eppendorfer Pfandflaschen-Orakel“ (cinema). In Dietls Film darf Dittrich endlich zeigen, dass er auch ein hervorragender Charakterdarsteller ist. Mit zurückhaltendem Spiel in Sachen Mimik und Gestik überzeugt er als Durchschnittsdeutscher in komischen, wie tragischen Momenten. Der Zuschauer lacht und leidet gerne mit, schließlich steckt ein großes Stück Thomas Müller in allen von uns. Später wird Müller merken, dass er für politische Meinungsforschung missbraucht wird „Das ist Demokratie“, „Nein, das ist Demagogie!“. Dietls Gesellschaftskritik ist milde und nie verletzend - wie Dittrichs Humor – doch trifft sie den wunden Punkt haargenau. Seine Inszenierung ist für einen Debütfilm ordentlich, allerdings manchmal etwas überambitioniert, wie eine seltsame Kamerafahrt beim Suizidversuch an der Talsperre. Gewisse Anleihen an Peter Weirs „Die Truman Show“ (1998) sind nicht zu übersehen. Trotzdem eine schöne kleine Satire, mit einem großen Olli Dittrich. (7,5/10)

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