Gute Spionagethriller kann man immer gebrauchen und das Genre hat sich noch lange nicht totgelaufen. Die reale Welt gibt ja immer wieder genug aktuellen Stoff vor. Leider hat PARANOIA - RISKANTES SPIEL als Verfilmung des Technologiespionage Romans von Joseph Finder ("High Crimes", 2004) trotz sehr erfahrener und arrivierter Filmrecken wie Gary Oldman und Harrison Ford eine Menge formaler und drehbuchtechnischer Schwächen, die den erwarteten Sehgenuss doch sehr schmälerten. PARANOIA, wie er im Original heißt, wirkt sehr austauschbar, die Geschichte ist weder originell, noch wenigstens spannend inszeniert und durch die recht distanzierte Inszenierung waren mir auch sämtliche präsentierten Charaktere irgendwie recht egal.
Dieser Eindruck beginnt schon in einer anfänglichen Szene in einer Disko, in der man sich durch das Zusammenspiel von Bild und Sound glaubt in einem FSK 12 Teeniedrama zu befinden und die billige Plastikmusik gibt einem den Rest. Die Dialoge vor allem in diesem ersten Teil lassen die Nackenhaare von eingefleischten Cineasten vor Schreck aufstehen. PARANOIA versucht sich als technoider Spionagethriller, in dem das filmische Leichtgewicht Liam Hemsworth (als Adam Cassidy) auf die Schwergewichte und feindlichen Unternehmensbosse Gary Oldman (Nicholas Wyatt) und Harrison Ford (Jock Goddard) trifft und in ein Spionagespiel verwickelt wird….
Was sich noch interessant anhört und manchmal vor Großstadtstyle kaum laufen kann, erweißt sich dennoch relativ zäh. Das liegt unter anderem an einer verschleppten Dramaturgie, die auch mal einige Längen aufkommen lässt und auch die diversen Wendungen sind recht vorhersehbar. Logik gehört auch nicht zu den Stärken und PARANOIA fordert die Geduld des Zuschauers in den oft schleppend inszenierten Dialogszenen. Unglaubwürdig ist unter anderem wie scheinbar einfach der junge Adam die zwei Technologie Mogule hinters Licht führt. Oberflächlichkeit beherrscht oft die Szenen wenn Liam Hemsworth richtig schauspielern soll.
Oft fühlt man sich wie in einer mittelmäßigen TV-Serie. Auch Harrison Ford überzieht seine Rolle und wirkt für mich nicht authentisch. Selbst Richard Dreyfuss kann PARANOIA nicht noch eine belebende Wirkung verleihen. Ganz schlimm wird es dann noch, wenn Adams Stimme aus dem off das schon dünne Geschehen mit noch dünneren Kommentaren übersäht und dann sogar feiste Fremdschämgefühle dazukommen. Dazu gesellt sich noch eine bei einigen Figuren relativ suboptimale Synchronisation, die für einen Film mit Staraufgebot und einem Budget von unglaublichen 35 Mio. Dollar nicht angemessen ist.
Man fragt sich angesichts des Gebotenen, wo das Budget geblieben ist und es kann zum großen Teil nur in die Gagen gegangen sein. PARANOIA ist platt gesagt einfach nur langweilig und definitiv kein Thriller, sondern ein lust- und ideenloses laues Drama, welches leider keinerlei eigene Handschrift oder nennenswerte Charakterentwicklung, Überraschungen oder Besonderheiten aufzuweisen hat und das man schnell wieder vergisst. Der australische Regisseur Robert Luketic hat bislang eher Komödien gemacht, dabei soll er bleiben. Der versuchte Ausflug ins Spionagethrillergenre ist ihm leider nicht gelungen.
4,5/10 Punkten