Inniges und trotzdem auf seine Weise selbständiges Remake des Hongkong - Thrillers Eye in the Sky (2007), welches als damaliges Regiedebüt und Einzelinszenierung des sonstigen Autoren Yau Nai-hoi, Ideenlieferant und Hausschreiber für Johnnie To, im Grunde recht wenig Aufmerksamkeit und Einfluss erregte. Eine theoretisch erneute Bebilderung desselben Geschehens, das hier schon vermehrt Punkt für Punkt mit nur kleineren Abweichungen und in technisch leicht besser gestellten Präzisierung übernommen wurde, erscheint auf den ersten Blick weniger sinnig und kommt von der Auswahl her auch überraschend im Motiv. Die Verlegung der Überwachungssituation vom beengten und verwinkelten HK zum vergleichsweise weiträumig breiten Seoul, passend gestellte Schauspieler und ein wenig mehr Aufwand in den (wenigen) Actionszenen macht die zweite Verfilmung des Skriptes von Yau und gleichst festen Partner Au Kin-yee trotz offenkundiger Treue zu einem weiterhin zugkräftigen, auch weiterhin nicht zum Nachdenken Anlass gebenden Sujet. Inklusive einer weiteren, da amüsanten Verbeugung gegenüber dem Vorbild samt Cameo von Simon Yam und der auch dort vorhandenen Andeutung eines Sequel:
Als November 2012 generalstabsmäßig und trotz schnellen Eintreffens der Polizei die Shinseong Bank inmitten Seoul erfolgreich ausgeraubt wird, wird die Special Crimes Unit Surveillance Squad unter Führung von Hwang Sang-jun [ Seol Gyeong-gu ] und Aufsicht von Lee Yeong-suk [ Jin Kyeong ] mit dem Fall, dem Sichten der Videoaufnahmen und Finden etwaiger Verdächtiger betraut. Das kleine Team, dazu die frisch angelernte Neuling Ha Yun-ju [ Han Hyo-ju ] und die mit jeweiligen Spitznamen ausgestatteten "Squirrel" [ Lee Jun-ho ], "Monkey" [ Son Min-seok ], "Viper" [ Kim Dae-jin ] und "Mole" [ Lee Tae-hyeong ] stossen bald auf einen ersten Kandiaten auf den Bändern, dessen strenge Überwachung sie zu dem Hintermann James [ Jeong U-seong ] und einem baldigen zweiten Raub führt.
Vermochte schon das Original keine Kommentare zu diesem Überwachungsstaat abgeben, auch wenn die Zeit damals noch nicht derart reif für eine (gesellschafts)politische Auseinandersetzung mit dem Thema der eingeschränkten Freiheit und Verletzung der Persönlichkeits- und Privatrechte, so stellt sich die 'Kopie' ähnlich bedeckt dazu dar. Das Ausnutzen des allgegenwärtigen CCTV, die den Menschen in jeder alltäglichen Kleinigkeit auf den Strassen und Geschäften, im Öffentlichen Verkehr beobachtet, abhört, speichert wird hier wie dort konkludent durch die Observation und mögliche Prävention von kriminellen Tätigkeiten und so zum Schutz der Allgemeinheit legitimiert. Die Masse steht hinter gegenüber dem Einzelnen zurück, das Anonyme wird zum Individuum hin aufgelöst; selbst der Ausspruch des "den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen" als Nebensatz der andauernden Ermittlungen hin propagiert. Ebenso wie die Lückenlosigkeit der Aufnahmen, der unterschiedliche Blickwinkel ein großes Ganzes in dichter Natur ergeben, so ist auf die Behandlung des Themas von den fortgeschrittenen Möglichkeiten des Ausspionierens und Verfolgens hin fasziniert; eine Vision umfassender Big Brother - Technokratie, die die Aufmerksamkeit ganzseitig in Anspruch nimmt und nicht deswegen auch fern jeder hiesigen Kritik in Bann schlägt.
War der Erstling schon der Vorläufer der noch in diesem Sinne folgenden und genauso auf trockener Art und Weise mit den Möglichkeiten des Progresses hantierenden Overheard (2009) und Cold War (2012), so passt sich auch der koreanische, seit jeher im Panorama und Kühle und Potenzierung entfachten Vertreter dem nachziehend an. Im Takt eines strengen Uhrwerkes werden die Figuren, allesamt ihren Beruf und Berufung und sonst nichts Privates lebend bei der Ausübung ihres Erlernten begleitet und so wie die Figuren auf einem Schachbrett verfolgt. Mit der Taktik im Blut und dem zumeist unbewegten Gemüt stehen sich zwei perfekt ausgebildete Gruppierungen mit konträren Zielen und dem jeweiligen Willen des unbedingten Siegens gegenüber, was das entsprechende Duell zu einer Abwägung allein des Kalküls hin und nicht des Affektes macht.
Entsprechend unerregbar ist die Szenerie, sind allein durch Überschreitungen des Frischlings im Team nervenschwaches und prompt auch als unwägbar gerügtes Gefühl, und wird sich ansonsten im schmucklosen und zweckbetonten, alle Zusammenhänge durchsichtig machenden Tatsachenbebilderung bemüht. Ein schnörkelloser Trumpf, dem abseits mancher kleiner Auseinandersetzungen um Leben und Tod ein wenig das Quäntchen Provisorium und neue Ideen, die eventuell landestypische Verschiedenheit in seinen bewussten und unbewussten Phänomenen als Abgrenzung fehlt. Theoretisch spritziger in den Verfolgungs- und Fluchtmomenten, gar bravouröser und großflächiger, sei es im Netz- und Flechtwerk der Parteien, sei es im Wissensbedarf, den Ermittlungen und den Auswirkungen selber formuliert, versinkt hier das Heterogene im Vergleich zum fehlerhaften Vorbild noch mehr. Über bleibt neben all der genreaffinen Homogenität die auf Konzentration und Fokus getrimmte detachierte Eleganz, samt zwei, drei größerer Actionszenen, in den die Polizei durch Kollision vom rechten Weg abgebracht oder die Räuberbande mit der späteren Allmacht der Obrigkeit auf dem abgesperrten Highway unter Beschuss genommen wird.