Wenn RTL zu Budenzauber mit Hollywoodambitionen lädt und mal eben acht Millionen Euro verpulvert werden, könnte das zumindest in Ansätzen in Richtung Roland Emmerich tendieren. Ernst nehmen sollte man die Sache allerdings nicht, denn die Chose ist genauso hanebüchen wie die Theorie, ein schwarzes Loch künstlich zu erzeugen.
Die Forschungsstation "Collider" in Genf: Eine Gruppe von Kindern ist gerade zu Besuch, als ein Experiment mit einem Teilchenbeschleuniger aus den Fugen gerät. Zunächst stürzen Satelliten ab und zerstören weite Teile Deutschlands, es folgen Beben und tiefe Erdrisse. Forscherin Sophie (Christiane Paul) und ihr Ex Marc (Hannes Jaenicke) müssen die Maschinerie mithilfe des Laptops eines Nerds stoppen, bevor halb Europa zugrunde geht...
Immerhin haben sich die Macher nah an bekannten Vorbildern des Genres orientiert und werfen innerhalb der ersten Minuten einige parallel ablaufende Handlungsstränge ins Spiel, bevor einer der Satelliten das Reichstaggebäude zertrümmert.
In Brandenburg werden gerade Gurken geerntet, in Gelsenkirchen rufen die Prolls zur Vereinssitzung, in einem Seniorenheim im Salzburger Land wird erst gemeckert und dann heimlich gebechert, während die Leute im Genfer Forschungsgebäude 17 Stockwerke unter der Erde festsitzen und zu erfrieren drohen.
Das Ganze läuft zunächst mit einigem Drive und raschen Szenenwechseln ab, wobei die Effekte für gehobenen deutschen Standard fast schon gut sind. Zumindest gehen die CGI in Ordnung und ein Erdriss aus der Vogelperspektive, sowie eine einstürzende Brücke sehen sogar fast schon überzeugend aus. Auch der Reichstag in Trümmern und ein Triebwerk, welches ein Auto plättet können sich sehen lassen, doch mit der Reduzierung der Action ab Mitte der Geschichte offenbaren sich immer mehr Mängel im Drehbuch.
Besonders einige Soldaten handeln irrational, indem sie einerseits zum "Schutz" auf Leute ballern (und eine Hundertschaft nicht einen Treffer landet) und andererseits wird augenscheinlichen Zivilisten geglaubt, auf dass diese mal eben eine Sperrzone passieren können. Hinzu gesellen sich eklatante physikalische Mankos, von irrationalen Verhaltensweisen mal ganz zu schweigen. Besonders blöd sind die Szenen mit dem Kellner eines Gourmetrestaurants, der plötzlich seine Meinung ändert und dem Obdachlosen mit Hund ein 5-Gänge-Menü auftischt.
Zudem sickert zusehends mehr Pathos durch, was darin gipfelt, als sich ein Priester und ein Moslem mit ihrem Gefolge einen Raum teilen und sich nahezu in die Arme fallen, während die Helden den obligatorischen Wettlauf gegen die Zeit antreten müssen, weil ansonsten die ebenso obligate Bombe abgeworfen wird. Die Familienzusammenkunft muss natürlich auch noch sein und am Ende darf Kanzler Heiner Lauterbach das Volk zur neuen Einigkeit aufrufen.
Es ist ein Stelldichein deutscher TV-Gesichter, da fehlt eigentlich nur die Ochsenknecht-Sippe. Armin Rohde spielt den Schalke-Proll mit sichtlicher Spielfreude, Christine Neubauer gibt die aufopfernde Krankenschwester, Yvonne Catterfeld darf die Kinder behüten, Emilia Schüle mimt die rotzige Göre, Steffen Wink gibt den wortkargen Soldaten und Grit Boettcher reichert die Seniorenrunde an. Von den Hauptakteuren tanzt niemand aus der Reihe, nur einigen Laien hätte man vorher mitteilen sollen, dass man besser nicht direkt in die Kamera sieht.
Mit rund 140 Minuten ist das RTL-Epos natürlich reichlich lang und aufgeblasen ausgefallen, einige banale Lückenfüller hätte man sich schenken können und auch eine erotisch gemeinte Szene ist innerhalb einer Weltuntergangsstimmung nicht gerade sinnvoll platziert. Die Action und die Effekte können hingegen weitgehend überzeugen, das Erzähltempo ist ebenfalls überwiegend flott und auch wenn es nicht allzu viele spannende Momente gibt, ist das Gesamtbild nicht halb so trashig ausgefallen wie befürchtet.
Knapp
6 von 10