Das aufregende an Heist-Movies sind die ausgeklügelten Einbruchspläne. Die oftmals gleichermaßen raffinierten wie komplexen Sicherheitsvorkehrungen werden in einer Art sportlichem Wettstreit clever ausgetrickst. Meist fiebert man mit den Gangstern mit, da diese im Unterschied zu den schablonenhaft als tumb, spießig und humorlos gezeichneten Wachleuten, Polizisten etc. mit Esprit, Leidenschaft und Witz zu Werke gehen. Heist-Filme sind Aktions-Filme, bei denen das jeweilige Handeln den Spannungsgrad und Unterhaltungswert bestimmt.
Das klassische Drama setzt andere Schwerpunkte. Hier stehen weniger die intellektuelle Fähigkeit bzw. Unfähigkeit der handelnden Personen im Focus, sondern vielmehr Gefühle, charakterliche (Un-)Tiefen sowie oftmals schwierige Lebensumstände oder -situationen. Auch das kann im Idealfall durchaus sehr spannend und überaus unterhaltsam sein.
Eine Kombination dieser beiden Genres klingt daher so interessant wie vielversprechend, schließlich wird hier der Spagat zwischen leichter und schwerer Kost, zwischen Mitdenken und Mitfühlen, zwischen Aktion und Reaktion versucht.
Die Vorfreude wird allerdings sehr schnell getrübt, wenn man den zuständigen Regisseur erfährt. Dito Montiel hat das bestenfalls mittelprächtige Streetfighter-Drama „Fighter" und vor allem den völlig missglückten Post 9/11-Cop-Thriller „The Son of no one" zu verantworten. Und leider wird Montiel seinem Ruf wieder mehr als gerecht.
„Empire State" ist ein zwar gedanklich ambitioniertes, im Endresultat aber in jeder Hinsicht unausgegorenes Heist-Drama, das letztlich auf ganzer Linie scheitert. Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte um den verhinderten Cop und Geldräuber Chris Potamitis krankt an oberflächlichen Figurenzeichnungen, einer strafbar eklatanten Abwesenheit von Spannung und Tempo sowie einer Höhepunktlosen Inszenierung die den in dieser Hinsicht erschreckend schwachen „The son of no one" fast noch unterbietet.
Schon das Setting wirkt alles andere als stimmig. Zu keinem Zeitpunkt fühlt man sich in das New York der frühen 1980er Jahre versetzt, sondern wähnt sich auf einem laienhaften Lookalike-Contest. Sämtliche Handlungsrelevanten Personen wirken weder durch Kleidung, noch durch Frisuren auch nur ansatzweise authentisch.
Diese rein technische Schlamperei harmoniert wunderbar mit dem schwachbrüstigen Drehbuch und der uninspirierten Inszenierung. Dass bei einer Hauptfigur wie bei dem vom Leben gebeutelten Chris Potamitis (abgelehnt vom NYPD wegen einer lapalienhaften Jugendsünde, ein kurz vor der Pension ohne jegliche Altersabsicherung entlassener Vater und ein kleinkrimineller, Schwierigkeiten magnetisch anziehender bester Freund) sämtliche Empathieversuche schon im Ansatz stecken bleiben, ist ein künstlerischer Offenbarungseid. Zumal Liam Hemsworth („Thors" kleiner Bruder) sein Bestes gibt, um der von Regisseur und Autor so schnöde im Stich gelassenen Figur Leben einzuhauchen.
Wie ein Fremdkörper wirkt auch Dwayne „The Rock" Johnson. Warum man den durchaus auch mimisch begabten Actionstar für eine völlig unterentwickelte Nebenrolle als ermittelnder Cop haben wollte (er ist zusammen gerechnet kaum länger als 10 Minuten zu sehen), wird wohl für immer ein Geheimnis der Verantwortlichen bleiben. Dazu wirkt er selbst in dem wenig überzeugenden 80er-Ambiente wie ein Zeitreisender aus der Gegenwart.
Bleibt noch die Hoffnung auf den Heist-Faktor. Da es sich aber bei „Empire State" ja um ein Drama handelt, haben wir es hier mit einem völlig unspektakulären „Anti-Heist" zu tun. Dementsprechend öde und kurz ist dann auch der Millionenraub aus einem mit lächerlichsten Sicherheitsmaßnahmen ausgestatteten Lagerraum einer Geldtransportfirma.
Das von Chris Potamtis erbeutete Geld ist bis heute nicht aufgetaucht. Ein ähnliches Schicksal hätte man dem dazu entstandenen Spielfilm gewünscht. Schließlich liegt auch hier ein Verbrechen vor, wenn auch nur ein künstlerisches. So ist „Empire State" ein dramatisch undramatisches Drama und ein spektakulär unspektakulärer Heist-Thriller in einem. Ein äußerst schmerzhafter Genre-Spagat.
Da hat man dann doch lieber wieder Einbruchsspezialisten wie Danny Ocean oder Ethan Hunt. In deren Privatleben spielen sich zwar keine relevanten Dramen ab, dafür bietet ihr Arbeitsalltag wenigstens ordentlich Aufregung, Spannung und Kurzweil.