Review

kurz angerissen*

Der Typ dieser spanischen Produktion ist einfach zu ermitteln. „Nicht auflegen“, „Spiel auf Zeit“ und ähnliche Thriller auf engem Raum, bei dem unsichtbare oder unerreichbare Erpresser im Hintergrund operieren, sind die Gleichgesinnten. „Grand Piano“ nimmt den Kniff hinzu, dass das Opfer zu einer unmöglich erscheinenden Aufgabe live vor großem Publikum gezwungen wird und dichtet ihm, einem einstmals erfolgreichen Pianisten, noch Lampenfieber aufgrund einer traumatischen Erfahrung hinzu, damit es auch so richtig knistert.

Sobald sich Elijah Wood in einer Limousine zum Konzertsaal aufmacht, sich dort gleichzeitig umzieht und ein Telefoninterview gibt, vermittelt Eugenio Miras Regie den Eindruck, fortwährend sich ablösende Konzept- und Planszenen zu inszenieren, die mit dem Echtzeitelement spielen. In der Hektik des Moments darf er sich auch die ein oder andere Unglaubwürdigkeit oder Schwarzweißzeichnung leisten. Wie es im Film so schön heißt: „Der Zuschauer bekommt es sowieso nie mit“. So müssen zwei Freunde des Pianisten und seiner schauspielernden Freundin schon als absolute Kulturbanausen gezeichnet werden („gibt’s denn hier keine Vorband?“), damit sie als weißer Hase über das Feld hüpfen und den Fuchs ablenken dürfen.

Natürlich wächst der Pianist am Flügel über sich hinaus und hat gleichzeitig noch die Muße, gegen seinen Widersacher (nur gefühlte drei Minuten im Bild: John Cusack) anzutreten und seine beschränkten Mittel auf der Bühne so gut auszunutzen wie es nur geht. Das mag alles realitätsfern sein, ist aber hochgradig spannend und erfreut als Schmankerl auch noch mit musikalischer Virtuosität, die im spürbar komplexesten finalen Stück ihr Grande Finale erlebt. Mag die Motivation des Gegners auch bis zum Abspann vernebelt bleiben und sich das Drehbuch etwas zu sehr auf generische Muster verlassen, so ist „Grand Piano“ doch ein schwer unterhaltsames Vergnügen, von dem man den Blick nur schwer abwenden kann.
(6.5/10)

*weitere Informationen: siehe Profil

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