kurz angerissen*
In seinem Regiedebüt legt Keanu Reeves den Fokus spürbar nicht auf Story, sondern auf Bildgestaltung. Aus Budgetgründen mag zwar einiges gestrichen worden sein, immer noch übertragen die Kämpfe über weite Strecken und trotz unübersehbaren Wireworks aber eine beträchtliche Dynamik. Reeves verknüpft traditionelle Locations mit steriler Hyper-Architektur und lässt die Darsteller praktisch alle Räume nutzen. Zwischen dem dargestellten Alltag, bemüht an die Realität gekoppelt und von schlecht bezahlten Jobs und öffentlichen Kampfsportturnieren dominiert, und der düsteren Geschäftswelt, in der sich der Regisseur selbst als diabolischen Anzugträger inszeniert, wird ein wundersamer Kaninchenbau gepflanzt, dessen Durchschreitung dem Film einen leicht surrealen, fieberhaften Touch gibt. Der als Darsteller noch eher unerfahrene Tiger Chen strahlt die entsprechende Unbefangenheit aus, um gerade die ersten Schritte authentisch umzusetzen; wenn er später wenig überraschend seine dunkle Seite erkundet, helfen ihm immerhin seine Martial-Arts-Kenntnisse über die fehlenden Schauspielfähigkeiten hinweg.
Schade, dass zuerst Iko Uwais’ Cameo und unmittelbar darauf dann ausgerechnet der Finalkampf gegen Reeves’ hölzerne Matrix-Silhouette eine herbe Enttäuschung darstellen, denn ansonsten verströmt „Man Of Tai Chi“ eine beachtliche Wuchtigkeit, die den als Konsens zu begreifenden Plot mitsamt seines fremdkörperartigen Nebenstrangs um die laufenden Polizeiermittlungen vergessen lässt.
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