Seit einiger Zeit hört man verstärkt die Meinung, dass TV Serien der legitime Nachfolger des Kinos seien. Zumal immer mehr Schauspieler aus Hollywoods erster Liga offensichtlich Gefallen an dieser Art des Storytelling finden. Kevin Spacey in " House of Cards" sei an dieser Stelle genannt, oder Billy Bob Thornton in der TV Neuverfilmung des Coen Klassikers "Fargo".
Mit "True Detective" hatten nun auch Matthew McConaughey und Woody Harrelson ihren Einstand in einer höchst anspruchvollen TV Produktion.
In Rückblenden, welche sich auf unterschiedlichen Zeitebenen bewegen, wird ein Mordfall aus dem Jahr 1995 nachträglich aufgearbeitet, da sich deutliche Parallelen zu einem aktuellen Fall zeigen. In getrennten Befragungen schildern die beiden Ex - Detectives Rustin Cohle und Martin Hart, die den damaligen Fall bearbeitet haben, ihre Sicht der Ereignisse, deren Anfang mittlerweile mehr als 15 Jahre zurückliegt.
Über eine Gesamtlaufzeit von knapp 7 1/2 Stunden entwickelt sich ein komplexes aber dennoch auf der erzählerischen Ebene nachvollziehbares Drama, das ohne jeden Zweifel an ähnlich gelagerte Kino Meisterwerke wie "SE7EN" oder "Das Schweigen der Lämmer" heranreicht.
Das Gesamtpaket überzeugt auf ganzer Linie. Die Schwüle der Louisiana Sümpfe, die wohl weitverbreitete leichte Zurückgebliebenheit der dort heimischen Bewohner.Alles das wirkt sehr authentisch. Die in der Landschaft völlig deplaziert wirkenden Fabriken mit dem obligatorischen Rauch aus hässlichen Schornsteinen.
Ebenso die schon als deprimierend zu bezeichnende Ermittlungsarbeit der Detectives, die quasi nebenbei so viel Resignation und Ausweglosigkeit bei so vielen Beteiligten offenlegt.
Ein Setdesign das bis ins kleinste Detail stimmig ist. Bildkompositionen in meist blassen Farben, teils nah am Schwarz / Weiß, welche die Tristesse und die Abgründigkeit des Geschehens kongenial unterstreicht.
Über jeder Einstellung, über jeder Kamerafahrt liegt Schwermut wie Blei. Eine Schwermut, die, so scheint es, auch den Bewegungstrieb der Protagonisten während ihrer Ermittlungen merklich ausbremst.
Ganz zu oberst in dieser Reihe exquisiter Zutaten stehen allerdings die beiden Hauptdarsteller. Und auch wenn es vielleicht nicht ganz fair sein mag - aber Woody Harrelson muss sich gaaaaanz weit strecken, um nicht von McConaughey an die Wand gespielt zu werden. Der bereits erwähnten Fairness halber sei gesagt, dass der von M.M. gespielte Charakter des gebrochenen Rustin Cohle auch einige Facetten mehr aufweißt, als Harrelsons "Durchschnitts - Familien - Daddy " Typ.
Speziell in den Befragungsszenen packt McConaughey ein ums andere mal eine Leistung aus, die er mit einer Leichtigkeit spielt, als wäre ER SELBST eben dieser Rustin Cohle in Person.
Ich habe ihn in "Dallas Buyers Club" (noch) nicht gesehen, aber ich denke, seine Performance in dieser Serie stellt vielleicht das Highlight seiner bisherigen Karriere dar.
An dieser Stelle sei aber auch die deutsche Synchro mal lobend erwähnt, die eine ebenso tadellose Leistung abliefert.
Als Fazit sei gesagt: Bis dato mit das Beste was ich an amerikanischen TV Produktionen gesehen habe. In allen Belangen weit über dem Durchschnitt und auch wenn es paradox klingt; das ist ganz großes Kino !!
9,5 Punkte