Staffel 1
Die beeindruckendste & beste erste Staffel, die ich je gesehen habe
True Detective zeigt alles, was das hochkarätige Serien-Fernsehen von heute zu bieten hat, beweist wie sehr dem Kino der Rang abgelaufen wurde. 8 Folgen voller Wunder, Spannung, einer Männerfreundschaft & dem Kampf Licht gegen Dunkelheit. Eine Thriller-Serie für Feinschmecker, die viel Aufmerksamkeit vom Seher fordert, alles aber doppelt & dreifach wieder zurückzahlt. Zu viel Action sollte man allerdings nicht erwarten. Seit dem Breaking Bad-Finale hat nichts im TV mehr so vor Qualität & Klasse gestrotzt.
Es geht um zwei Polizei-Detectives, die recht unterschiedlich sind & sich nicht besonders ausstehen können, jedoch im Grunde beides gute Menschen sind. Und da beide genau dieses Gute antreibt, überwinden sie nicht nur die Streitereien & unterschiedlichen Lebensphilosophien, sondern auch alle Hindernisse was ihren längsten Fall betrifft. Fast 2 Jahrzehnte erleben wir innerhalb der 8 Folgen, private Schicksalsschläge, die Entstehung einer seltsamen Freundschaft & natürlich einen verzwickten, verstörenden Mord- & Kinderschändungs-Fall, in den auch angesehene Menschen aus der Gesellschaft verwickelt zu sein scheinen...
Mich erinnerte True Detective nicht wenig an Finchers Meisterwerk Sieben mit einer Prise Twin Peaks - und ein höheres Kompliment kann man wohl kaum verteilen. Der Fall ist grausam, verzwickt, pervers & mitreißend, aber der eigentliche Kern der Geschichte ist die Beziehung zwischen den zwei Polizisten. Unglaublich wie gut die Serie aussieht (schon die Anfangscredits sind künstlerisch wertvoll), wie viele tolle, zu den Südstaaten passenden Songs sie bietet & vor allem eins: wie erstklassig geschauspielert wird. Bis in die kleinsten Nebenrollen absolute Hingabe & Perfektion - aber McConnaughey & Harrelson sind einfach so ein kongeniales Duo, da kommt keiner ran. Kein deutscher Tatort, kein Hollywood-Film, wahrscheinlich auch nicht Staffel 2, bei denen Farrell & Vaughn in riesige Fußstapfen treten müssen. Ob Hass, Freundschaft, Neid & Missverständnisse oder die grundsätzliche Richtung - alles in der Beziehung der beiden ist realistisch & vor allem menschlich. Beide haben Fehler, sind zum Teil schwierige Personen, Männer die für ihren Job leben - und ohne die unsere Welt ein ganzes Stück düsterer wäre. In der Serie gibt es keine Schwarzmalerei, jeder Charakter ist greifbar & nie perfekt, selbst der böseste Mensch kein undefiniertes Monster.
Besonders erwähnen will ich noch die Stürmung des Crack-Lagers mit der Bikergang in der Mitte der Staffel - was hier in fast 10 ungeschnittenen Minuten abgeliefert wird, würden sich 99% der heutigen Kinofilme gerne wünschen. Dass bei solch einer differenzierten Charakterzeichnung natürlich gehörig mitgefiebert wird, wenn es im okkulten Finale nochmal richtig eng wird, ist wohl nicht weiter zu erwähnen. Bei True Detective wird Perfektion ganz nebenbei zu Normalität - was soll man dazu noch sagen. Die 8 Folgen kann man eigentlich an einem Tag (oder Nacht) weg gucken & wird geflasht zurück gelassen. Das Ganze wirkt wie aus einem Stück & selten wurden Zeitsprünge & Zeitebenen so elegant verwebt. Noch dazu regen McConnaugheys selbstgefällige Monologe über das Leben & die Menschheit zum Nachdenken an, egal ob man ihm zustimmt oder nicht. Ganz nebenbei liefert er die beste, unheimlich beeindruckende Performance seiner Karriere - wäre dies ein Film, ein weiterer Oscar wäre unumgänglich.
Fazit: dieses Niveau, wird unglaublich schwer zu wiederholen. 8 Folgen mit mehr Kraft, Spannung, Style & Emotion als andere komplette Serien. Schon jetzt eine der besten Serien aller Zeiten, ganz oben neben Breaking Bad & Game of Thrones!