Das erste Buch des US-Erfolgsautors David Balducci "Absolute Power" wurde kurz nach der Veröffentlichung von Clint Eastwood verfilmt, die Reihe um "King & Maxwell" zur Serie umfunktioniert, während er für "Wish You Well" auch das Drehbuch verfasste.
Der Stoff bietet zwar weitaus mehr, um daraus einen abendfüllenden Streifen zu basteln, doch die ruhige Erzählweise und der figurenbezogene Aufbau zieht rasch die volle Aufmerksamkeit auf sich.
1940 stirbt der Vater der zwölfjährigen Lou (Mackenzie Foy) und ihres jüngeren Bruders Oz. Gemeinsam mit ihrer Mutter Amanda, welche sich seit dem Unfall in einem katatonischen Zustand befindet, ziehen sie von New York in die Berge Virginias zu ihrer Urgroßmutter Louisa May (Ellen Burstyn) auf die Farm. Nach einigen Umgewöhnungsproblemen arrangieren sich die Geschwister mit dem Landleben, bis die Betreiber einer Bergbaugesellschaft auf Erdgas stoßen...
Um einige Nebenaspekte tiefgehender zu behandeln, hätte der Stoff im Endeffekt die doppelte Laufzeit der rund 100 Minuten benötigt, was im Grunde für die Umsetzung durch Regisseur Darnell Martin spricht, dem es schnell gelingt mithilfe toller Herbstimpressionen, einem sensiblen Score und einer versierten Kamera für Stimmung zu sorgen.
Eingebettet ist die Geschichte in eine kleine Rahmenhandlung, in der die mittlerweile alte Lou von ihren Kindheitserlebnissen bereichtet, welche mit der Ankunft der Geschwister am kleinen Bahnhof einsteigt.
Binnen kurzer Zeit werden Sympathiepunkte verteilt, da Louisa May stets ein paar Weißheiten parat hat, ein hilfsbereiter Anwalt der Familie der apathischen Mutter vorliest, ein unerschrockener Waisenjunge in der Nachbarschaft von lokalen Gegebenheiten zu berichten weiß und der fiese Nachbar George (Ned Bellamy) dermaßen negativ überzeichnet ist, dass ein Mitfiebern auf simplen, jedoch effektiven Niveau erfolgt. Der Kerl braut heimlich Schnaps, schlägt seinen Sohn, vernachlässigt seine Töchter und als seine kaum beachtete Frau von Louisa May Geburtshilfe erfährt, äußert er nur knapp: "Wenn es ein Mädchen wird, lässt du es sterben." Wahrlich ein Knabe mit Reibungspotenzial.
Doch allzu brutal geht es hier nicht zur Sache, obgleich auch mal Waffen erhoben werden oder sich kurz geprügelt wird. Die Konzentration liegt auf den kleinen und großen Tragödien, mit denen die junge Lou konfrontiert wird. Im Gegensatz zu ihrem hoffnungsvollen Bruder glaubt sie kaum mehr an eine Genesung ihrer Mutter und beschäftigt sich häufig mit dem Unfall, wie auch ihr Vater versucht sie sich als Autorin und hinterfragt viele Dinge, wodurch kleine und etwas größere Twists zutage gefördert werden.
Die Nähe zu den Charakteren ist ein deutliches Plus, ebenso die durchweg überzeugenden darstellerischen Leistungen, wobei Ellen Burstyn sehr stark und mit unglaublich viel Charisma performt, wogegen ihre viel zu junge und einfach nur unpassend eingesetzte Synchro eher ärgert, was den positiven Gesamteindruck jedoch kaum beeinträchtigt.
Denn dieser rührt aus den emotional ansprechenden Momenten, angereichert mit einigen spannenden Szenen wie etwa einer Gerichtsverhandlung oder einem Überfall in einer Scheune, während es besonders die stillen Momente sind, mit denen der Streifen punkten kann.
"Das Versprechen" bietet keinen übermäßig anspruchsvollen Stoff, er bleibt in einigen Belangen ein wenig vorhersehbar und schwarzweißmalerisch, doch sorgt er zwischenzeitlich für herzerwärmendes Material, ein paar goldige Ereignisse und tolle Momentaufnahmen.
Knapp
8 von 10