Underdogtruppe, angeführt von einem heruntergekommenen Oberunderdog, wird von niemanden respektiert, findet durch Teamgeist, unbedingten Willen und einem Trainer, der an sie glaubt zu ungeahnter Stärke und schafft es trotz intriganter Widrigkeiten am Ende die arrogante Übertruppe zu besiegen. Die Welt der amerikanischen Sportfilme, inzwischen auch hierzulande durch „Das Wunder von Bern“ (2002) kopiert, spielt sich stets in diesen eng umrissenen Genreregeln ab. Regisseur Howard Deutch scheint diese Gesetze aber besonders genau studiert zu haben und liefert mit „Helden aus der zweiten Reihe“ eine besonders schablonenhafte Variante dieses Genres. Im Fußball hätte es an dieser Stelle wahrscheinlich „Wie aus dem Lehrbuch“ geheißen.
Edward O’Neil (Jack Warden), Besitzer des Football-Teams Washington Sentinels hat ein Problem: Aufgrund eines Spielerstreiks droht der Einzug in die Playoffs zu platzen. Er beauftragt seinen Coach Jimmy McGinty (Gene Hackman) einen Haufen billiger No-Names zu engagieren, um jedenfalls den Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können. Unter der Führung des ehemals erfolgreichen Quarterback Shane Falco (Keanu Reeves) zimmert er eine bunte Truppe zusammen, die sich nach anfänglichen Querelen zu einer mehr als würdigen Ersatztruppe mausert.
Standard Repoirtoi
Neben zahllosen Klischees widmet mit sich dieser Streifen dem des Underdogaspekt also in erster Linie. Was anschließend folgt, enstammt dem Bauskastenprinzip eines Standardsportfilms. Neben dem obligatorischen Aufspüren und Vorstellen der Helden aus der zweiten Reihe durch den alternden Haudegen-Trainer, der seinen Zenit scheinbar schon überschritten hat, aber sowieso schon immer an unseren Ober-Underdog geglaubt hat, über anfangs desolate Trainingsleistungen, die den komischen Co-Trainer natürlich völlig verzweifeln lassen, über das erste Spiel, das natürlich mit dem ersten Rückschlag verbunden ist, hält sich Howard Deutch eisernst (Achtung Superlativ) an alles was sich in den letzten 20 Jahren so bewährt hat. Dazu bevölkern die üblichen skurrilen Nebendarsteller, der intriganten Star in Lauerstellung, eine fesche Cheerleadertruppe, deren Anführerin natürlich bin dem Quarterback anbandelt und schlagfertige Sportkommentatoren, die nie um einen witzigen Spruch verlegen sind die Leinwand. Zudem wird nach anfänglichem Misstrauen im Team ca. ab Minute 40 kräftig füreinander eingestanden, versöhnen sich Schwarz mit Weiß und Gelb und andersrum und auch der geldgierige Präsident darf seinen Trainer irgendwann anerkennend auf die Schulter klopfen „Die Jungs sind besser als ich gedacht habe“. Immerhin ist es am Ende keine ganze Meisterschaft, die unsere Helden aus der zweiten Reihe gewinnen müssen, es geht „lediglich“ um den Einzug in die Endausscheidungsrunde. Alles andere wäre dann auch zuviel des Guten gewesen.
Die Schauspieler können dieser Klischeesuppe keine entsprechende Würze verleihen.
Wäre da zunächst einmal der Hauptdarsteller Keanu Reeves, bei dem man attestieren könnte, dass er mit seinen feinen Gesichtszügen und zarten Statur eindeutig gegen den Strich besetzt wurde. Dieses „Experiment“ schlägt aber absolut fehl, da unser geschätzter Ex-Neo im Film überhaupt keine Präsens aufweist, langweilige Dialoge aufsagen muss und –um mal wieder im Fußballjargon zu verfallen- einfach keine Bindung zu Mannschaft hat. Authentischer kommt da schon eher der bullige Gene Hackmann rüber, dessen physisches Präsens allerdings nicht darüber hinwegtäuscht, dass jeder halbwegs begabte Schauspieler (aus der zweiten Reihe höhö) diesen langweiligen formelhaften Part nicht mindestens genauso gut hinbekommen hätte. Immerhin ist Gene Hackmann eine Bank, seine Performance geht absolut in Ordnung, er schöpft das geringe Potential seiner Rolle vollkommen aus.
Daneben chargieren unter anderem Job Favreau (Bad Things) und Rhys Ifans (Notting Hill) als lustige eindimensionale Nebendarstellerschablonen. Unterhaltsam wie die Elche in Disney’s Bärenbrüder (2003), aber eben auch genauso berechnend eingesetzt.
Die gezeigten Spielszenen würden soweit in Ordnung gehen, hätte Oliver Stone im selben Jahr mit „An jedem verdammten Sonntag“ (2000) nicht demonstriert, was auf diesem Gebiet möglich ist. Gegen dessen kinetischen Inszenierungsstil, bei dem die Auseinandersetzungen eher an Gladiatorenkämpfe, denn Sportveranstaltungen erinnern, wirken die Spielsequenzen in „Helden aus der zweiten Reihe“ eher wie eine Partie Federball. Fairerweise muss man sagen, dass hier der Spaß und nicht die Härte des Sports im Vordergrund Steht. Die Kameraarbeit ist solide, erlaubt sich keine bösen Schnitzer, das Bild ist stets schön quietschbunt und farbenfroh und unterstreicht so wunderbar die Grundstimmung dieses Streifens. Etwas routiniert runtergekurbelt wirkt das alles trotzdem.
Wo bei „Das Wunder von Bern“ eine Situationsbeschreibung des traumatisierten Nachkriegsdeutschland als gelungener emotionaler Unterbau etabliert wird und „Gegen jede Regel“ (2002) den offenen Rassismus der 60er Jahre thematisiert, bleibt „Helden aus der zweiten Reihe“ einen Subkontext schuldig und reiht einfach gnadenlos und ausschließlich jedes erdenkliche Sportlerfilmklischee aneinander und feiert fröhlich seine Helden. Das ist über die gesamte Distanz zwar an keiner Stelle langweilig, aber insofern ärgerlich, da die Geschichte substanzlos und er Film damit völlig wertlos bleibt.
Daran werde ich mich noch lang erinnern:
Die mit zunehmenden Verlauf immer unerträglicher werdende Klischeeorgie.