Seit mehreren Jahrzehnten und dies auch zu schwierigen Zeiten und sich verändernden Situationen für den (österreichisch/) deutschen Film aktiv unterwegs, hat sich mit Beginn der Neunziger Jahre zusätzlich zu dem Begehren des Publikums auch das Angebot der Lisa Film GmbH geändert. Nicht nur, dass man gleich mehrere Erfolgsserien zumeist für die Ausstrahlung in damit auch prosperierenden Privatsendern produzierte, welche sich allesamt eher noch an ältere Zuschauer wandte und die Vergangenheit jetzt im harmlosen Update / Upgrade auferstehen ließ, auch wurde zuweilen (selten) auch das bekannte Genre der Komödie (in all seinen Abarten und Varianten) im gemäßigten Gebrauch ge- und hin zu Abenteuer, Thriller, teilweise auch Action, letzteres gar im Verbund mit Joseph Lais IFD und damit dem zeitgenössischen Hongkong-Film verändert. Herausgekommen sind allesamt viel gesuchte Raritäten und sowieso Klassiker, Der blaue Diamant ganz vorn mit dabei und überhaupt eine cineastische Spezialität:
Die vier abenteuerlustigen (und geldgierigen) Pierre Latouche [ Pierre Brice ], Hans Kroger [ Ernest Borgnine ], Axel Trank [ Barry Newman ] und Jack Di Franco [ Harald Leipnitz ] sind in den Wäldern von Thailand hinter dem sagenumwobenen Blauen Diamanten her, den Jack eines Nachts auch zufällig findet, aber dabei einen Einheimischen tötet und prompt die Polizei hinter ihnen her ist. Jack bleibt in der Jagd auch verletzt zurück und wird in Abwesenheit seiner sich in Sicherheit bringenden Freunde zum Tode verurteilt. Sieben Jahre später bekommt Pierre, der mittlerweile mit Barbara [ Sonja Kirchberger ], Jacks damaliger Freundin verheiratet ist, in Wien in Nachricht ihrer Entführung, als Lösegeld wird der in Thailand bei der 'Abreise' am Strand versteckte Diamant gefordert. Auf der Suche danach schließen sich Pierre schnell die im Flieger 'kennen' gelernten Wendy Hill [ Laura Johnson ] und Birnbaum [ C-Picture Heroe Brent Huff nicht als Actionrecke, sondern angehender Schriftsteller mit Art Sidekickfunktion ] an.
“Na ja, eine sehr merkwürdige Geschichte. Man braucht sehr viel Fantasie, um das zu glauben.“
“Oder sehr viel Liebe.“
RTL Eventmovie mit Action und mit Abenteuer, mit Exotik und Erotik, mit männlichen Stars von international und von früher, die schon einzeln betagt sind und zusammen noch älter als die Steinkohle, wie die Saurier ausgestorben, plus ein, zwei, drei jüngere Frauen für das Auge und für die Liebe, wobei sich Julia Kent natürlich auch eine Rolle zugeschanzt hat, wenn sie schon für das Skript und deren Eskalation — (Eine Mischung aus Klinik unter Palmen und einem schmierlappigen Exploitationstreifen, mit Ausflügen in die Table Dance Bar, einem Anschlag auf einer Krokodilsfarm, einer Beinahe-Massenvergewaltigung auf der Reeperbahn von Bangkok, einem Kung Fu Kampf am Strand und einer geriatrischen Rangelei am Wasserfall) — zuständig ist.
Die Damen der Gesellschaft sind später also auch noch wichtig und entscheidend, erst aber die Herren in der wilden Natur dran, die Jäger und Sammler gesetzten Alters, die kurz vor oder schon lange in der Rente noch am Kraxeln in den Wäldern und auf der Suche nach dem verlorenen Schatz hier sind. Winnetou rettet dabei erst einmal das Leben eines Kameraden, während Petrocelli schon die Schnauze voll von der Hitze und dem Dreck hat und gleich mal die verbale Kündigung des Vorhabens und die Biege zurück in die Heimat, in die gutbetuchte Wiener Anwaltskanzlei macht. Petrocelli ist dabei auch gut beraten, gibt es doch bald Malaise und Schlamassel, erst Blut und Mord und Totschlag, dann 'Gerenne' um das eigene nackte Leben, wird der Dschungel in Hetzjagden durchforstet und die Gewehrkugeln auf tödliche Reise in die grüne Gegend und in die Flüchtigen geschickt.
Sowieso lässt man sich nicht lumpen, geht es bald Schlag auf Schlag, Außendrehs, Innendrehs, Stadtaufnahmen, Landaufnahmen, es gibt Autos, es gibt Boote, es gibt Hubschrauber, es gibt Flugzeuge, und es gibt Bewegungen per pedes, dazu rapide Plotwendungen, die der größte Ratefuchs nicht kommen gesehen hat und die für einen Mehrteiliger reichen täten, der am Ende sogar angeteasert wird; das Ganze oftmals eifrig gespielt, mit vollem grobmotorischen Einsatz und darstellerisch ungenügend. Ein Gerichtsverfahren mit Todesfolge, ein Kidnapping, zuvor ein Auftritt im Straps und danach eine körperliche Drohgebärde auf beengten Raume und in luftigen Höhen; ein Hin und ein Her, bei der die alten Daddies hier um den Alain Delon für Arme sich ordentlich hineinsteigern und die in langer Karriere redlich erworbenen Falten vor schauspielerischer Leistung und aufgrund der Tropenfeuchte glühen. Das Drehbuch tut dabei gut daran, auch auf Tempo zu gehen und die Katzen früh aus dem Sack zu lassen, die Produktion sieht abseits der Tourismusbilder im Grunde aus wie alles damals um '93 herum aus dem Dunstkreis der Lisa Film GmbH, also die dicken und schlecht sitzenden Anzüge von der Stange für die Männer, für die Frauen ein gleichsam unvorteilhaftes, aber meist enges und knappes Kostüm. Die Haare jeweils ein Deut zu lang, die Zimmer seltsam antik, obwohl man sich den Anschein einer besser betuchten Umgebung geben will, verbal teils mit 'Hure!' und 'Miststück!' erstaunlich aggressiv und ansonsten wie ein verschwitzter Reißer aufgemacht, der gleichzeitig billig, bieder und brutal ausdünstend wirkt.