So manches Videospiel kann nicht nur süchtig machen, sondern auch für langfristige Unproduktivität (am Computer) sorgen. Aber ich will die Schuld nicht bei einem Titel aus dem Hause Blizzard suchen, denn die liegt definitiv und einzig bei mir, ist mein letztes Review doch schon wieder gute 2 Jahre (!) her. Ich habe mir jedoch vorgenommen, demnächst wieder ein wenig öfter was zu schreiben, wenn dann jedoch ausschließlich zu Sachen aus den 70ern, 80ern oder 90ern - danach gab´s meines Erachtens ohnehin nur wenig Nennenswertes (wenig, nicht nichts!).
Hauptanreiz zum Schreiben war bei „Escape Plan" die Tatsache, dass ich ihn bei meinem Urlaub in Los Angeles bereits sehen konnte (Stallone nuschelt im Original ja so furchtbar, war MIR allerdings nicht neu) und wohl noch ein kleines Weilchen exklusiv auf der Hauptseite des Films zu lesen sein werde (hihi) - ich versuche, es weitestgehend spoilerfrei und sachlich zu halten.
Hauptanreiz zum Gucken (und erstem Kino-Besuch seit Äonen) war nicht nur, dass mein Kollege, der das Risiko einging, mit mir in Urlaub zu fliegen, sich dem neuen „Machete Kills" verweigerte, sondern auch, dass hier Stallone und Schwarzenegger in zwei Hauptrollen auftreten, was ja bisher - sieht man von Slys Ensemble-Actiontheater „The Expendables" ab - noch nicht vorgekommen ist.Doch nun zum Film: Inhaltsangabe schenke ich mir, da die hier auf der ofdb Niedergeschriebene bereits hinreichend erläutert, worum es geht - ich finde sie sogar schon zu spoilerhaft, da hätte ich wesentlich weniger zu geschrieben, aber was soll´s. Insgesamt ist „Escape-Plan" ein nett vor sich hinplätschernder Knastfilm im klassischsten Sinne, hat er doch mehr oder weniger alles, was der 08/15-Kinogänger erwartet, wenn er sich einen solchen Streifen ansieht. Der Spannung verleihe ich das Prädikat „ordentlich", man kann den Helden schön beim Planen, Beobachten, Austüfteln und Zusammenbasteln zugucken und wird eine ganze Weile im Ungewissen gelassen, was denn gerade los ist, auch wenn sich diverse geheimnisvolle Facetten der Handlung (deren Niveau kein allzu großes Problem darstellt) doch recht früh auflösen lassen. Wie steht´s mit der Action? Hier liegt der Hauptkritikpunkt: bei den Knastfilmen der alten (und großen!) Schule wie „Escape from Alcatraz" oder „The Shawshank Redemption" (ein direkter Vergleich mit Letztgenanntem verbietet sich eigentlich!) hielt man sich ja eher zurück mit Haudrauf und Geballer, war ja auch wenig nötig, da die Ausbrüche meistens sehr raffiniert von Statten gingen und die Ausbrecher meist recht verblüffte Gesichter auf den bestürzten Direktoren und Wärtern der jeweiligen Anstalt hinterließen, entkamen sie schließlich heimlich und unerkannt. Ich sag´s gleich - wer würde es auch bei diesen Haupthelden anders erwarten - das ist bei „Escape Plan" nicht so. Damit verbindet sich meiner Ansicht nach auch die größte Schwäche des Films, denn der pyrolastige Ausbruch macht sehr viel der vorangegangenen, gar nicht mal so schlecht inszenierten Tüftelei obsolet - mehr will ich aber hierzu nicht verraten. Handwerklich ist alles in Ordnung, gar keine Frage; hätte nach meinem Geschmack da auch durchaus härter zur Sache gehen können - frei nach dem Motto „Wenn schon, denn schon".
Als viel wichtiger bzw. am Wichtigsten befinde ich die Frage, ob Sly und Arnie zusammen was taugen, und daran mache ich auch hauptsächlich meine Wertung des Films fest. Ich fand die Szenen, in denen die beiden zusammen im Bild sind (es sind einige, aber insgesamt gar nicht so wirklich viele, da Arnie erst recht spät erst in den Film kommt), sehr gelungen, echt jetzt. Beide sind bemüht, doch recht unterschiedliche Charaktere abzugeben, Stallone mehr den schweigsamen Filigrantechniker und Schwarzenegger mehr den impulsiven Dampfhammer, und das bisweilen auch recht humorvolle Zusammenspiel der gegensätzlichen Kerle hat was für sich. Ihnen entgegen stehen zwei coole Bösewichte, nämlich Jim „Jesus von Nazareth" Caviezel und Vinnie „Bube, Dame, König, Gras" Jones, deren fieses Spiel durchaus nett anzusehen ist, präsentiert sich Herrr Caviezel doch vorzüglich als neurotisch-pedantischer Direx und Herr Jones als dessen holzklotziger Schläger. Sam Neill geht leider als zwiegespaltener Knastarzt etwas unter, genauso wie Stallones Crewmitglieder (u.a. Amy Ryan und 50 Cent - der Computerhacker, jaja klar!)
Macht aber nichts, geht alles schon in Ordnung, auch wenn - wie gesagt - der Film gegen Ende hin natürlich auf eine Straße gelenkt wird, auf der sich unsere beiden Haupthelden natürlich am Wohlsten fühlen, was dem davor Geschehenen nicht unbedingt gut tut, aber was soll es schon, dafür darf unser Arnie dann auch das MG in die Hand nehmen und ordentlich den „Terminator" geben. Ganz am Ende gibt´s zudem noch eine nette Überraschung bei der Auflösung.Anstatt meiner üblichen DVD-Empfehlung (an dieser Stelle obsolet) folgt am Ende diesmal der Rat, sich den Film durchaus im Originalton anzusehen - zwar nuschelt Stallone bekanntermaßen fürchterlich (nicht oft genug zu erwähnen), aber dafür entschädigt Arnie mit einer ganzen Passage heruntergebetetem Ösi-Deutsch, was sehr lustig herüberkommt - und nein, ich verrat´ nicht, an welcher Stelle des Streifens. Ha!