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Wofür der hochbegabte Ingenieur in "Prison break" eine komplette Season benötigte und was Burt Lancaster in "Der Gefangene von Alcatraz" nie gelang, erledigt Sly Stallone in wenigen Tagen. Erst lässt er sich als Langzeit-Knacki einbuchten, dann teilt er kräftig aus, um in die Einzelzelle verfrachtet zu werden, aus der er mit der Zuhilfenahme eines feuchten Papierkügelchens entkommt - darauf wäre selbst ein McGyver eifersüchtig gewesen. Doch damit noch nicht genug - nachdem er sich dem Großeinsatz der Polizei freiwillig ergeben hat, erscheint ein staatlicher Mitarbeiter, der dem Gefängnisdirektor zu verstehen gibt, dass Sly (hier unter dem Tarnnamen "Ray Breslin" tätig, der nach Romanheftchen aus den 50er Jahren klingt) gar kein Verbrecher ist, sondern im Auftrag handelte, um die Sicherheit der us-amerikanischen Gefängnisse zu untersuchen.

Eine sinnvolle Beschäftigung angesichts der Tatsache, dass 20% aller Strafgefangenen weltweit in den USA einsitzen (bei 5% Anteil an der Weltbevölkerung), aber natürlich macht sich Sly damit nicht nur Freunde, wenn er nach seinen Aktionen den Direktoren erklären muss, dass sich ein Wachhabender im falschen Moment am Kinn kratzte oder in der Einzelzelle in der rechten hinteren Ecke ein Schräubchen lose war, weshalb es einem Spaziergang glich, daraus abzuhauen. Wer lässt sich schon gerne solch grobe Sicherheitslücken vorhalten? - Dem Genre-vertrauten Beobachter (im Prinzip also Jeder, der schon einmal im Kino war) ist daraufhin sofort klar, dass mit Sly's nächstem Auftrag irgendetwas nicht stimmen kann, da der Meister selbst schon misstraurisch reagiert, seine Crew auch, nur der sinistre Vincent D'Onofrio (hier als Lester Clark unterwegs) nicht, der mit viel Kohle argumentiert.

Sly, ganz scharf darauf, möglichst schnell wieder hinter schwedischen Gardinen sitzen zu dürfen, begibt sich daraufhin nach New Orleans, woraus kein langer Aufenthalt wird, da man ihn von der Straße weg entführt und per Flugzeug an einen unbekannten Ort transportiert - er bekommt nur mit, dass ein anderer Gefangener gequält und ermordet wird. Auch die sonstigen Neu-Erfahrungen entwickeln sich eher unerfreulich. Er wacht in einer gläsernen Zelle innerhalb eines Hightech-Gefängnisses auf, wo die Wachen Masken tragen, damit sie sich nicht am Kinn kratzen können. Denn der Gefängnisdirektor (Jim Caviezel) ist nicht nur ein Sadist, der in dem einschlägig bekannten Winnie Jones gleich zwei verlängerte Arme besitzt, sondern hat Sly's Fibel für den sicheren Gefängnisbau in seiner Bibliothek stehen - und erweist sich unangenehmerweise als strebsamer Schüler.

Klingt spannend? - Sicher, so lange man noch an den Weihnachtsmann glaubt, denn wo Sly drauf steht, ist auch Sly drin, was Stallone nicht nur mit seinem unnachahmlichen Gang beweist, sondern mit der Fähigkeit, auch Strebern klar machen zu können, dass Fleiß allein nicht ausreicht. Irgendein loses Schräubchen findet der Mann immer. Zudem hat sich noch ein alter Kumpel in den Sicherheitsknast (der ein wenig auf Guantanamo macht) verirrt, mit dem die Sause erst richtig losgeht. Arnie, unter dem Pseudonym Emil Rottmayer in Aktion, der mit englischem Akzent ausgesprochen, herrlich verwegen klingt, beweist an der Seite von Sly nicht zum ersten Mal, dass Großväter mit dicken Muskeln von nichts aufzuhalten sind - schon gar nicht von naseweisen Schlaubergern, die aus purem Vergnügen ein Millionen schweres Gefängnis betreiben.

Gut, die letzte Bemerkung ist nicht ganz korrekt. Natürlich verfolgen der Direktor und die über ihm stehende, nicht näher genannte Behörde wichtige Ziele, weshalb sie Rottmayer foltern, um an weltbewegende Informationen zu gelangen, aber von Bedeutung für die Story sind diese Hintergründe genauso wenig, wie die sonstigen inneren Zusammenhänge bis zum konstruierten "überraschenden" Ende. Das ließe sich leicht verschmerzen, wenn Stallone und Schwarzenegger die hier geschaffene Welt eines Super-Gefängnisses mit Super-Wachdienst und Super-Direktor auch nur einen Moment selbst ernst nähmen. Da wird zwar der eine oder andere Cliff-Hanger aufgeboten, aber immer wenn sich die Lage mal ein wenig zuspitzt, taucht gleich die Lösung auf - im Notfall gibt es einen Arzt des Vertrauens, der sich auch nur versehentlich in den Sadisten-Verein verirrte, oder eine schwerbewaffnete Armee trifft das sprichwörtliche Scheunentor aus ein paar Metern Entfernung nicht.

Außer mit Ironie kann man sich einem kalkulierten, jeden Moment vorhersehbaren Produkt wie "Escape Plan" nicht nähern, dass 80er Jahre Action-Kino verspricht, aber nur eine glattgebügelte Kopie davon abliefert - für ein an das heutige Hightech-Kino gewöhntes Publikum. Das einzige, was bei der Verdauung einer solchen Chose noch hilft, ist Liebe - zu Arnie, Sly und den langen gemeinsamen Zeiten, die sich in ihren Gesichtern spiegeln. Damit lassen sich dem Film noch ein paar vertraute Momente abringen, werden alte Erinnerungen geweckt, aber allzu viele Filme dieser Art können Gefühle auch erkalten lassen (4/10).

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