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Nach Schwarzenegger-Cameos in beiden „The Expendables“-Filmen sollte nun ein lange gehegter Traum für Actionfans wahr werden: Die beiden Konkurrenten Schwarzenegger und Stallone gemeinsam auf der Leinwand in Hauptrollen – ein Traum der 1980er und 1990er, der heute in erster Linie nur den Schlaf alteingesessener Genreenthusiasten heimsuchen dürfte.
Ray Breslin (Sylvester Stallone) ist Ausbruchsexperte, der Gefängnisse auf Sicherheit testet. Unterstützt wird er von seinem Team, genauer gesagt Hush (50 Cent), Abigail (Amy Ryan) und Lester (Vincent D’Onofrio), doch es ist Ray, der sich einsperren lässt, Sicherheitslücken auskundschaftet und danach ausbricht – so zu sehen auch in der Eingangsszene, welche „Prison Break“ und Co. auf wenige Minuten kondensiert, aber leider in der Luft hängt, da der genaue Hergang des Ausbruchs eben nicht genau erläutert wird und damit die Faszination des Ausbruchsfilms, wenn man von diesem Subgenre sprechen möchte, nicht entfaltet wird.
Kaum zurück vom letzten Job wartet Jessica Miller (Caitriona Balfe) in Rays Büro: Für das Doppelte seines üblichen Honorars soll der Experte, der sogar Bücher mit Richtlinien für Knastsicherheit schreibt, eine neue Einrichtung testen. Wie schon der berühmt-berüchtigte letzte Job eigentlich ein sicheres Zeichen für dunkle Machenschaften und bevorstehendes Scheitern, doch den Genreregeln folgend sagt Ray natürlich zu und staunt nicht schlecht, wenn man ihn bei der Knastüberstellung betäubt und das Ortungsgerät entfernt, mit dem sein Team ihm sonst folgen kann.

Im Gefängnis „The Tomb“ (so auch der ursprünglich geplante Titel des Films) warten noch mehr böse Überraschungen: Gefängnisdirektor Hobbes (Jim Caviezel) akzeptiert das Codewort nicht, mit dem Ray üblicherweise freikommen würde, und will ihn in seiner Zelle versauern lassen. Ray plant den Ausbruch, wobei ihm der örtliche Mann mit den Kontakten, Emil Rottmayer (Arnold Schwarzenegger), eine Hilfe sein könnte…
Wie schon bei „Zimmer 1408“ und „The Rite“ erweist sich Mikael Håfström als fähiger Handwerker, der aber eben nur ein Handwerker ist, der das Drehbuch routiniert, aber ohne große Inspiration umzusetzen weiß. Was angesichts des nicht unbedingt feingeistigen Drehbuchs bedeutet, dass „Escape Plan“ zwar stylisch-schick nach derzeit angesagtem Technothriller aussieht, mit Mätzchen wie gläsernen Zellen und High-Tech-Sicherheitsanlagen, aber auch mit Klischees zugebuttert ist: Neben dem sadistisch-distanzierten Direktor gibt es den brutalen Psycho unter den Wächtern, Drake (Vinnie Jones), mit dem sich Ray alsbald anlegt, die verschiedenen Gangs innerhalb des Gefängnisses (Muslime, White Power und dergleichen), die nachlässigen Wachen, deren Schwächen man ausnutzen kann usw.
Was nicht so tragisch wäre, würde sich „Escape Plan“ für eine klare Linie entscheiden, man denke an „Lock Up“ (ebenfalls mit Stallone in der Hauptrolle). So schwankt Håfströms Film aber zwischen kopflastigem Ausbruchsplanen, unsubtil-unrealistischer Action und Fanservice hin und her. Letzterer ist für die Actionfreunde reichlich vorhanden, wenn sich die beiden Hauptdarsteller Wortgefechte liefern und die (nach dem Film immer noch offen bleibende) Frage klären wollen, wer denn nun die dickeren Eier und die cooleren Sprüche ab. Sly fährt dabei seine Linie alternder Profis, die es immer noch drauf haben und weitermachen, weil sie gar nicht anders können, weiter, Arnie gibt sich als gewohnt lockerer Typ, dem man besser nicht querkommt und der in einer „Phantom Kommando“-Gedächtnisszene mit einem MG aus der Hüfte ballert. Dass bei der Auslöschung des Oberschurken der eine den Pre-, der andere den Postmortem-Oneliner abgibt, versteht sich da von selbst, damit Fans beider Stars auf die Kosten kommen.

Nur sind diese nicht mehr so zahlreich gesät wie damals und so macht der Film lieber einen auf Nummer sicher, weiß nicht genau ob er ein Actionvehikel für die alten Fans sein oder sich doch an den modernen Markt anpassen soll. So kommt es dann zum Bruch, wenn nach all dem Planen und Vorbereiten im letzten Drittel auf einmal die Actionkeule rausgeholt wird, man die Bewacher nicht mehr Köpfchen und Planung, sondern mit Faust und Wumme dezimiert. Das Gebotene hat dank der Håfströms Regie durchaus Bumms und in den Nahkämpfen eine erfreuliche Körperlichkeit, aber macht den Film noch nicht zum reinrassigen Actionvehikel, will aber auch nicht zum vorigen Thrillerkonstrukt passen.
Dieses ist freilich nicht ganz sattelfest, denn manchmal wird von den sonst so peniblen Bewachern eine minutenlang ausgefallene Überwachungskamera aus kaum plausiblen Gründen mehr oder weniger ignoriert, Breslin ist für einen Ausbruchsspezialisten überraschend planlos und der Ausbruch wirkt dann doch etwas wenig durchorganisiert für einen Film mit dem Titel „Escape Plan“. Was nicht bedeutet, dass der Film als Thriller vollends versagen würde: Die scheinbar ausweglose Situation stellt der Film beklemmend dar, die Beschaffung zum Entkommen nötiger Gegenstände sorgt für das Ausbruchsfilmfeeling und wenn man sich mit früheren Gegnern verbünden muss um gegen den großen Feind zu bestehen, dann transportiert das sympathisch-raues Männerkodex-Männerfilmfeeling. Nur wäre das alles besser zu genießen, wenn der Film logisch durchdachter wäre. Und über die Tatsache, dass in den letzten Minuten die derzeit anscheinend unausweichlichen Last-Minute-Plottwists noch mal abgefeuert werden müssen, die hier zwar immerhin nicht unsinnig, aber auch wenig nötig sind, breitet man lieber den Mantel des Schweigens.
Großen Spaß bereiten immerhin die Leistungen der Hauptdarsteller: Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger spielen sich die Bälle zu, ersterer als Mann mit Prinzipien, der andere als (verhältnismäßig) gut gelaunter Langzeitgefangener mit Nehmerqualitäten, der im Film Deutscher ist und in einer Sequenz auch in ebenjener Sprache redet. Jim Caviezel ist ein vom Drehbuch wenig facettierter, aber doch sehr charismatischer Schurke, während Vinnie Jones als dessen rechte Hand nur sehr eindimensional den Sadisten gibt. Faran Tahir kann Akzente setzen, ebenso Sam Neill in der Rolle des reuigen Knastarztes, der die Prinzipien seiner Institution nicht ganz teilt. Vincent D’Onofrio legt seine Rolle leider etwas zu deutlich als Schmierlappen an, Amy Ryan und 50 Cent bleiben pure Stichwortgeber, doch der Film dreht sich eh in erster Linie um Arnie und Sly.

Für deren Anhänger gibt es durchaus was zu sehen, auch wenn die beiden nicht mehr die Kassenmagneten von früher sind. Hinzu kommen das Budget der Mid-Price-Klasse und die Schwächen des Films, vor allem in Sachen Logik und uneinheitlicher Ton, die schon klar machen, warum „Escape Plan“ in den USA nicht zum Hit wurde. Denn es ist ein Geschenk an die Fans, eines mit Macken noch dazu, da helfen auch die interessante Prämisse, ein paar knallige Szenen und die routinierte Umsetzung des Ganzen nur knapp über die Durchschnittsmarke. 5,5 Punkte meinerseits.

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