Stallone sitzt schon wieder im Knast. Und schon wieder völlig unschuldig. So viel Pech kann man doch eigentlich gar nicht haben. Bereits 1989 wurde die Ein-Mann-Armee von einem rachsüchtigen Donald Sutherland aus den Armen der Geliebten gerissen und in die Obhut von Schwerverbrechern gegeben. Damals hat sich Sly noch mit Bravour geschlagen, seine weiße Weste unter Beweis gestellt und den Spitzbuben zur Strafe fast auf dem elektrischen Stuhl geröstet. Und heute, im Jahre 2013, vierundzwanzig Jahre später, muss sich der Mann mit dem gnadenlos eingefrorenen Gesicht erneut den Weg in die Freiheit prügeln. Und ein weiteres Mal ist sein Widersacher in Form des Gefängnisdirektors (Jim Caviezel) schlimmer als alle Insassen. Klar muss auch der bald durch Stallones Fegefeuer. Die Frage ist nun aber, schlägt sich der betagte Recke auch heute noch meisterlich? Entfacht er einen Feuersturm oder kocht er auf Sparflamme? Die gute Nachricht ist, die Feuerwehr muss hier sicher hinterher gerufen werden und der Heilige Florian bekommt was zu tun. Die schlechte ist, Arni wird alt.
Ray Breslin (Sylvester Stallone) hat einen ausgefallenen Job. Er überprüft die Sicherheit staatlicher Gefängnisse. Und das tut er, indem er als Insasse unter fremder Identität aus den Strafvollzugsanstalten flüchtet und so auf unkonventionelle Weise Sicherheitslücken aufzeigt. Dass er damit den Großteil seines Daseins freiwillig im Knast sitzt, mutet übrigens nicht nur dem Kinobesucher gleich befremdlich an, es wird auch im Film selbst glücklicherweise als Gegenstand der Komik inszeniert. Breslin jedenfalls nimmt wieder einmal wie gewohnt einen neuen Auftrag an, nur hat der es diesmal in sich. Denn ein gewinnorientiertes Haftunternehmen möchte die perfekte Überwachung seines Gefängnisses unter Beweis stellen, indem es den Meisterausbrecher Breslin auf Nimmerwiedersehen hinter seinen Gittern verschwinden lässt. Entkommt er doch, stehen Millionenaufträge auf dem Spiel. Eigentlich ein ultimativer Alptraum an denkbar schlimmer Lage. Zumindest wenn man Müller oder Meier heißt. Aber der hier so mies Behandelte hört auf den Namen Sylvester Stallone. Die zu lösenden Probleme sind also überschaubar. Noch dazu, wenn der dauereinsitzende Gelegenheitsboxer im Kittchen Arnold Schwarzenegger trifft. Der gibt hier weniger überzeugend ein mit österreichischem Akzent ausgestattetes Computer- und Netzwerkgenie namens Emil Rottmayer, das dem neuen Kumpel helfen will, aus dem Loch zu entkommen. Dass dabei der ein oder andere Zahn ausgeschlagen und das ein oder andere Auge für immer geschlossen wird, ist bei dem Cast wohl selbstredend. Dass Ray mehr Muskeln auf dem Buckel hat als Emil hingegen nicht unbedingt.
Die Action-Titanen der Achtziger schlagen wieder zu. Und das ist wörtlich zu nehmen. Nur tun sie das heute mit unterschiedlicher Intensität. Zwar hantiert auch Stallone, wie allgemein bekannt, viel mit Maske, doch ist der Kerl mit Mitte Sechzig noch ungleich mehr in Schuss als sein damaliger Rivale und heutiger Freund. Arnolds Herzoperation aus dem Jahre 1997 verbietet ihm, das zu tun, was der verkappte Italiener seit Jahren tut, nämlich, sich den Bizeps seines Lebens auf den Oberarm zu heben. Schwarzeneggers flotte Tage sind hingegen endgültig vorüber. So schade das ist. Wenn der österreichische Wahlamerikaner sich da auf der Kinoleinwand gerade seinen Weg durch die Mengen an Gegnern turnt und ballert, wird dem Fan inzwischen fast mulmig: Er wird sich doch hoffentlich nichts tun. Die Befürchtung stellt sich bei Stallone (noch) nicht ein. Der wirkt durchaus noch recht gefährlich agil. Aber sei's drum. Wir genießen bei „Escape Plan" keinen Körperfilm, sondern eine dem geneigten Fan wohlgesonnene Gefängnisactionstory, die, wie in letzter Zeit so oft, in bester 80er Manier inszeniert wird. Dazu gehört auch, dass wir keine mimischen Glanzleistungen erleben, sondern einer recht realitätsverlorenen Story folgen, die angenehm daran erinnert, wie unkompliziert damals alles war.
Dass sich zu den beiden hier darstellerisch doch etwas gehandicapten Hauptcharakteren weitere bekannte Gesichter, wie Vinnie Jones, Sam Neill, Vincent D'Onofrio und eben Jim Caviezel gesellen, macht die Sache übrigens nicht unangenehmer. Vinnie Jones, der ebenfalls nicht gerade für die Rolle des Hamlet vorsprechen sollte, muss den sadistischen Aufseher gar nicht erst versuchen zu spielen, sondern irgendwie einfach er selbst sein. Sam Neill überzeugt hingegen mal wieder in seiner Rolle als gutmütiger Bedenkenträger mit langer Leitung. Und Jim Caviezel hackt hier als nazimäßig unterkühlter Machtmensch so richtig hundsgemein auf dem Muskelmann mit Dackelblick und dessen als Genie nicht so recht überzeugenden, stets nur hinterherzottelnden Gefährten rum. Da wir gerade dabei sind. Den zentralen Part füllt hier klar der eigentlich Kleinere der beiden aus. „Escape Plan" ist vor allem auf Stallone ausgelegt und erstaunlich wenig auf Schwarzenegger. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass der Film funktioniert. Der ehemals bestverdienende Schauspieler trägt nicht nur keine schweren Gewichte, sondern leider eigentlich auch keine Hauptrollen mehr. Aber da es bekannterweise nichts Schöneres auf der Welt gibt als einen guten Freund, wird ihm hier unter die Arme gegriffen. Und so erledigt auch Arnold seinen Job letztendlich zufriedenstellend.
Die Action lässt zwar etwas auf sich warten, stellt sich aber standesgemäß noch beizeiten ein. Es wird zwar unnötigerweise kein Blutbad angerichtet, doch werden quasi im Vorbeigehen Dutzende an maskierten Wachleuten recht unsanft über den Jordan geschickt. Dass die ja eigentlich gar nicht die Bösen, sondern nichts ahnend einem fiesen Direktor unterstellt sind, wird von den beiden Veteranen noch nicht einmal mit einem Achselzucken quittiert. So kennen und schätzen wir das. Schön übrigens auch, dass die komödiantischen Einlagen diesmal funktionieren und nicht wie zuletzt noch bei Schwarzeneggers „Last Stand" (2013) zu oft im Rohr krepieren. Natürlich ist „Escape Plan" ganz auf seine zwei Hauptdarsteller zugeschnitten. Die Frage, ob der Film denn - bei aller Nostalgie - wirklich als gut bezeichnet werden kann, sprich, auch ohne die Beiden in der Lage ist, auf eigenen Beinen zu stehen, wäre nicht nur rein rhetorischer Natur, sondern so gestellt, genau genommen, nicht berechtigt. Der von Mikael Hafström („Zimmer 1408", 2007) inszenierte Fluchtplan ist authentisch. Er ist Schwarzenegger. Und er ist sogar noch mehr Stallone. Und das ist durchaus ein Prädikat.