Stallone meets Schwarzenegger
Ganz so fulminant wie dies klingen mag, ist Escape Plan zwar nicht geworden, dennoch macht das Aufeinandertreffen der beiden Actionstars durchaus Spaß. Auch wenn der Actionteil deutlich geringer als gewünscht ist. Dies liegt nicht zuletzt auch an Schwarzenegger, der nun doch ziemlich in die Jahre gekommen ist. Er wirkt oft gebückt, langsam und naja, eben alt. In The Last Stand war dies noch deutlich weniger auffällig, aber das jahrelange Training und die vielen Muckimittelchen fordern irgendwann ihren Tribut. Dennoch: Seine 1. Szene im Film und sein "Back off" haben mir ein sattes Schmunzeln ins Gesicht getrieben. Ich mag seinen Umgang mit sich, seinen Rollen und seiner Karriere, da steckt doch immer ein Fünkchen Ironie drin, die bei weitem nicht so aufgesetzt wirkt wie bei Stallone. Sly wirkt zwar auch etwas müder in Escape Plan als etwa in The Expendables, dennoch strahlt er mehr Power aus als Arnie. Aber auch das Drehbuch legt zumindest im ersten Teil viel Wert auf langsames Kino, da wird getüftelt und mit Finesse ausgebrochen, erst am Ende, wenn aller MacGyver-Witz nichts mehr nützt, gibt es ordentlich auf die Mütze.
Das Drehbuch bringt einen eher schwachen Spannungsbogen mit, dafür umso größere Logiklöcher. Die Kombi Drehbuch/Besetzung funktioniert auch nicht ganz: Der Haudrauftyp (Schwarzenegger) kann nicht mehr so richtig und dem Tüftler (Stallone) nehme ich die Rolle nicht so richtig ab. Irgendwie hätte es anders herum vielleicht besser funktioniert, zumal ich das Gefühl hatte, dass Schwarzenegger besser spielt als Stallone. Denn Arnies Rolle wirkt geheimnisvoller und mehrdimensionaler, was auch das Ende des Filmes zeigen wird. Man sollte sich den Film auf jeden Fall im Original anschauen. Zwar ist Stallones Genuschel kaum zu entschlüsseln, aber seine Rolle ist eh recht eindimensional, da muss man nicht alles wortwörtlich verstehen. Wenn aber Arnie in der Einzelzelle plötzlich auf Österreichisch das Vater Unser runterbetet und rumschreit "Ich reiß Euch die Eier ab" (oder so ähnlich), als würde er jeden Moment ein psychischen Kollaps erleiden, ist das schon ziemlich klasse. Ansonsten fungiert Arnie aber eher als Sidekick für Stallone, der sich etwas zu ernst in seiner Rolle nimmt, was er aber schauspielerisch nicht füllen kann. Nun könnte man sagen, was solls. In den Old-School-Actionern war das nie nötig. Stimmt. Man schaue sich nur die Szene Arnies mit seiner Filmtochter zu Beginn von Commando an. Dass das Reh nicht kotzen musste, naja vielleicht der einzige CGI-Effekt des Films. Zurück zu Escape Plan. Wäre er mehr Old-School, könnte man Defizite in Drehbuch und Schauspiel verzeihen oder sich vielleicht sogar wünschen, aber der Film möchte zu sehr anders sein, zu schick, zu modern, zu steril.
Zu den Nebenrollen: Jim Caviezels psychotischer Gefängnisdirektor bietet zwar wenig Neues (klar präpariert er Schmetterlinge), aber er spielt ihn verdammt gemein. Das hat mir sehr gefallen. Sam Neill als Arzt mit Gewissen wird hingegen "geopfert", hat zu wenig Screentime und auch zu wenig zu sagen. Einen Totalausfall gab es in der Besetzung nicht.
Fazit:
Escape Plan kommt bei weitem nicht an Expandables 1 oder The Last Stand heran. Das Drehbuch versucht mehr als es kann, es tauchen einige Längen auf, dafür wird am Ende zu viel in die Luft gejagt. Ganz passt das nicht zusammen. Arnie und Sly machen ihre Sache gut, wobei mir Schwarzenegger besser gefallen hat. Inszenatorisch ist alles im grünen Bereich (bis auf das hässliche CGI-Schiff), aber leider auch wenig innovativ. Die Mischung aus Old-School-Stars und modernem Setting und häufig raschen Schnitten mag nicht so ganz passen. Es wirkt zudem schon etwas albern, wenn Arnie am Ende in Commando-Manier mir der für ihn zu schwer wirkenden Wumme die Bösewichter platt macht. Was hier wie eine Referenz wirken möchte, klappte in The Last Stand (im Schulbus) mit viel Ironie besser. Dennoch: (Leider nur) ein solider Spaß, für das Aufeinandertreffen der beiden Actionstars hätte ich mir mehr gewünscht.
Solide 5/10 inklusive Nostalgiebonus