Erneut durfte man neues filmisches Futter für TWILIGHT, POTTER, RUBINROT und andere Fantasy-Jünger erwarten und hat es auch mit voller Breitseite bekommen. CHRONIKEN DER UNTERWELT – CITY OF BONES (im Original: "Mortal Instruments: City of Bones") basiert auf dem gleichnamigen 1. Teil der entsprechenden Fantasy-Roman-Serie von Cassandra Clare. Eigentlich wird inhaltlich ein Romantik Drama für junge Zuschauer nur mit so vielen beliebigen und austauschbaren Fantasyfiguren wie Dämonen, Vampire, Werwölfe, Engeln und anderen aufgebauscht, bis eine recht bunte Melange von Zutaten im bekannten Stile von "Teenage -Fantasy" bis "Horror-Light" entsteht, in dem eigentlich nur noch Zombies fehlen. Selbst für inhaltlich Parallelen zu STAR WARS war man sich nicht zu schade und das geht bis hin zu CGI-animierten Kampfschwertern.
Auf eine Kurzinhaltsangabe verzichte ich mal ausnahmsweise völlig, das ist anderswo nachzulesen, dieses Sammelsurium von Beliebigkeiten zu Papier zu bringen alleine verursacht große Schreibhemmungen. Auch wenn ich sicher nicht zu der avisierten Zielgruppe von CHRONIKEN DER UNTERWELT gehöre, kann ich oft dem größten naiven Fantasy-Schwachsinn und -Trash durchaus oft noch etwas abgewinnen und jeder vorhandene Unterhaltungswert soll seine Würdigung finden. Wo TWILIGHT aber seine eigentliche Mission der Romantik nicht verbirgt, wird hier versucht, durch ein weichgespültes Action- und Dämonenaufgebot eine relevante Geschichte zu erzählen was aus meiner Sicht misslingt. Jede Minute wird eine neue Figur eingeführt wenn die Dramaturgie mal wieder durchhängt.
Eine zentrale und nicht enden wollende Romatikszene gegen Mitte des Films zeigt eindeutig, wie sehr es CHRONIKEN DER UNTERWELT nur um die effektvolle Garnierung eine romantischen Geschichte geht, die man auch locker in eine 08/15 Teenage Love Story Dramedy hätte packen können. Gefühle werden nicht langsam erarbeitet, sondern entstehen einfach aus dem Nichts, der Geschichte wegen. Unerheblich ist es festzustellen, dass die Dialoge oft auch in Rosamunde Pilcher Produktionen gut untergebracht wären und oft nur noch durch die Flachheit eines ähnlichen Vertreters namens RUBINROT übertroffen werden. Die junge Clary (Lily Collins) wundert sich nicht eine Sekunde über die Vielzahl und Vielfalt der Wesen auf die sie trifft und gerade deswegen gilt ihr Interesse oft eher der guten Figur ihres Beschützers.
Überflüssig ist zu erwähnen, dass sie auch kampfmäßig gut gestählt ist für eine junge Frau. In aufwendig gestalteten Actionszenen und gut und schnell choreografierten Kampfseinlagen kann man durchaus vorhandene Spannung und Finesse goutieren, auch wenn man doch stets wieder nach einigen Sekunden im Einheitsbrei des epigonenhaften Zitierens aus der relevanten jüngeren Filmgeschichte aufwacht. Die rund 60 Millionen Dollar Budget sind in jeder Hinsicht gut sichtbar. Die FSK 12 (in US: PG-13) verhindert allerdings, dass unsere Helden auch nach langem und lebensgefährlichem Kampf attraktivitätsmindernde Elemente wie Schweißperlen, verrutschte Kleidung oder Frisuren geschweige denn Verletzungen ereilen.
Stets muss trotz dem effektmässigem Tohuwabohu alles wieder clean und sauber, übersichtlich und unkomplex sein, das Idealbild der TWILIGHT- und HARRY POTTER-Generation. Leider übernimmt sich CHRONIKEN DER UNTERWELT auch trotz seiner Überlänge mit der mehr als 500 Seiten starken Buchvorlage und hätte bewusst Kürzungen vornehmen sollen. Die Vielzahl der in jeder neuen Einstellungen präsentierten Charaktere, Fantasyfiguren und dramaturgischen Pirouetten werden ebenfalls dafür sorgen, dass CHRONIKEN DER UNTERWELT nicht einmal starke und wieder erkennbare Frontcharaktere wie die oben genannten Vorbilder in der Vermarktung erhalten wird und so wird er eher in der Lesergemeinde des Buches seine mehr oder weniger große Zustimmung finden. Aus deren Sicht ist sowieso jeder der CHRONIKEN DER UNTERWELT nicht "einfach nur megageil" findet sicherlich eh nur ein BOF (boring old fart)…
3/10 Punkten