Review

"Ich habe einen Plan!"

So in etwa könnte der Alternativtitel zur Horrorkomödie "Tremors" lauten. Ein Satz, der sämtliche Naivität, Simplizität und aus sich selbst sprechende Logik des Monster-Trash-Genres in sich vereint. Wer kennt sie nicht, die klassischen Horrorfilme mit einer (den Körpermaßen zufolge) riesigen Bedrohung, der ein kleiner Bund von Nichtsnutzen aus einem rückständigen Kaff entgegensteht, das es zu verteidigen gilt.

Lange vor Elkayems "Arac Attack" schuf Regisseur Ron Underwood im Jahre 1989 eine wundervolle Hommage an die glorreiche Zeit der 50er, als sich wahre Bedrohung noch über den Gigantismus definierte.
Um sich trotzdem nicht zu wiederholen, schickte man keine Riesenspinnen, Gorillas oder Godzillas ins Rennen, sondern etwas ganz Neues. Dieses Neue entstand dadurch, dass man nach einem Element suchte, in dem sich das Monster aufhalten sollte und das noch niemand zuvor verwendet hat. Hmm, da böte sich doch die Erde an. Der Angriff von unten. Ein Tier, das aus der Erde bricht und sich die leckeren Menschlein schnappt. Wie wär`s mit einem Maulwurf? Nee, nicht bösartig genug. Aber die Idee mit der Blindheit ist gut, die übernehmen wir vom Maulwurf. Was ist mit Käfern? Nee, die sind zu spinnenartig. Aber die Grabwerkzeuge und die Chitinpanzer könnte man verwenden.
Gut, wie wär`s dann mit einem gigantischen Wurm? Tolle Idee! Ein riesiger, blinder Wurm, der sich mit Hilfe seiner Grabwerkzeuge und seinem massiven Außenpanzer durch das Erdreich gräbt und anhand von akustischen Sensoren an der Oberfläche seine Nahrung ortet.
Und schon ist der Raketenwurm geboren.

Gehen wir auf die andere Seite. Es ist klar, dass es nicht reicht, ein solches Urvieh ins Rennen zu schicken. Nein, es braucht schon ein paar ordentliche Gegenspieler. Da bietet sich doch das Buddy-Konstrukt an. Wir nehmen den populären Kevin Bacon, dem sowieso schon die ländliche Rotznäsigkeit ins Gesicht geschrieben steht, und Fred Ward, weniger bekannt, dafür aber als komplementäres Gegenstück zu Bacon besonders geeignet.
Sympathische Figuren müssen im Film das tun, was uns in der Wirklichkeit verwehrt bleibt. Also spielen Bacon und Ward die beiden Faulenzer Val und Earl, die scheinbar dazu in der Lage sind, die Welt zu retten, ohne einen Finger dabei zu rühren. Keinen Bock auf Arbeit, aber es ist beruhigend zu wissen, dass sie sich wehren können, wenn es sein muß.
Während die beiden sich nur aufgrund ihrer Auftragsarbeiten in das Wüstenkaff "Perfection" begeben haben, schillert die Ortschaft mit nur wenigen, aber dafür umso schrilleren Charakteren, die den beiden Helden von nun an zur Seite stehen.

Schön. Die Karten sind gemischt, und schon kann`s losgehen.
Der Drehort passt optimal ins Geschehen und verstärkt den leicht ironischen Unterton, der den gesamten Film durchzieht. Es ist wie im Katastrophenfilm: erst wird der beiläufige, routinierte Alltag gezeigt, bevor dann die Katastrophe in Form von riesigen, urzeitlichen Würmern hereinbricht. Deswegen haben sich ländliche Settings für dieses Genre schon immer besser geeignet. Fragt man Stephen King, warum seine Monster ihre Konzerte immer nur in Maine spielen, wird er sicherlich eine ähnliche Begründung geben.


Dann geht es fast schon in Akte X-Manier weiter. Bevor man irgend etwas von den ungebetenen Gästen gesehen hat, machen sich erste Anzeichen breit. Val und Earl treffen einen Bekannten, der auf einem Strommast sitzt. Klar, das ist sein Job. Aber bei näherer Betrachtung stellt sich heraus, dass er schon zwei, drei Tage da sitzt und inzwischen verdurstet ist. Die Frage kommt auf, was zum Teufel einen Menschen dazu verleitet, einfach da oben sitzenzubleiben und mal eben so vor sich hin zu verdursten.
Weitere Leichen werden gefunden, dann finden Val und Earl eine Art tote Schlange, und mit einem Mal sind sie da: die riesigen Raketenwürmer.

Ab hier geht dann richtig die Post ab. Geschickt spielt Underwood mit der Umgebung und seinen Schauspielern, stets stimmt die Mischung zwischen Horror und Komödie. Die Sprüche sitzen bombig. Ständig hat irgendwer einen Plan (dieser Satz wird betont oft gebraucht) oder lässt sonstige klugen Sprüche ab, bei denen eines schnell deutlich wird: die naiven Dialoge der alten Monsterschinken werden auf beste Manier auf den Arm genommen.

Derweil haben die Akteure herausgefunden, dass sich die Monster nicht durch Stein fressen können und außerdem auf Geräusche reagieren. Diese Erkenntnisse werden klug gegen die Würmer eingesetzt. So lässt man einen Wurm etwa gegen ein Betonaquädukt rasen oder ein paar andere ferngesteuerte Autos mit Bomben schlucken.

Und an dieser Stelle gibt`s sogar ein bisschen (jugendfreien) Splatter zu bestaunen. Wenn die Viecher auseinanderplatzen, folgt kurz darauf ein warmer Regen aus Eingeweiden. Herrlich trashig!

Überraschungen gibt es keine. So soll das auch sein, denn das ist ja schließlich eine Parodie. Manche werden gefressen, manche nicht. Und das Ende ist natürlich schön happy. Der gelungene Abschluß einer wundervollen Reise in die nostalgischen Untergründe der Filmwelt.

Wem "Arac Attack" gefallen hat, der sollte sich diesen hier mal geben. Ohne Hänger inszenierte Ron Underwood einen Film, der über volle 90 Minuten unterhält und durch seine ironischen Untertöne begeistert. Wiedererkennungswert wechselt sich ab mit innovativem Monsterdesign und ebensolchen Plotideen. Spontaneität und Frische in einem Film vereint - was will man mehr?
8/10

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