Review

Anno 1990 kam dieses kultige B-Movie im Hollywood-Gewand in die Kinos, das noch drei nette, aber immer schwächer werdende Sequels für den Videomarkt nach sich zog.
Hauptaustragungsort des bald folgenden Duells Mensch vs. Monsterwurm ist das Wüstenkaff Perfection, in dem die Rumtreiber Earl Bassett (Fred Ward) und Valentine ’Val’ McKee (Kevin Bacon) ihr Dasein fristen. Die beiden halten sich nur mit Gelegenheitsjobs über Wasser und ihre größte Freude ist das Feierabendbier. Quasi der Gegenentwurf zum klassischen Helden, denn „Im Land der Raketenwürmer“ macht sich auf amüsante Weise über Actioner, Monsterfilme und Horrorstreifen lustig.
Schon allein die Entdeckung des Raketenwurmphänomens ist auf sehr lustige Weise inszeniert: Earl und Val wollen endlich aus Perfection verschwinden und ein neues Leben anfangen, doch dabei stoßen sie immer wieder auf Opfer der Viecher und zum Schluss haben die Biester bei einem Überfall auf Bauarbeiter die einzige Straße blockiert. Um das Ganze noch humoristisch zu krönen gehen die beiden erstmal von einem Massenmörder aus, denn noch ist von den Raketenwürmern nichts zu sehen.

Doch gerade während man mit der kleinen, aber schrägen Einwohnerschaft von Perfection über das Problem berät, zeigt sich der erste Raketenwurm. Doch wie soll man mit der unbekannten Plage umgehen, zumal alle Telefonleitungen auch kaputt sind…
Ron Underwoods kultige Hommage an den trashigen Monsterfilm der 50er Jahre ist von der Story her nicht sonderlich ausgefallen, doch hier zählt allein der Funfaktor. Da verzeiht man auch gerne, dass es schon extrem vorhersehbar ist, wer gefressen wird und wer nicht und das Happy End nicht so recht in Frage steht. Einziger etwas größerer Fehler ist die Tatsache, dass „Im Land der Raketenwürmer“ im Showdown etwas mehr vorlegen müsste, denn das letzte Vieh wird etwas unspektakulär ohne rechten Knalleffekt umgebracht, sodass der Schluss dann doch etwas abrupt kommt.
Doch davon abgesehen bekommt man hier ein tolles Funmovie. Bereits die Einleitung ist wie bereits erwähnt humorvoll gehalten und so geht es weiter. Die Hauptfiguren sind alle etwas simpel gestrickt, liefern sich aber amüsante Wortgefechte und lassen einige coole Oneliner ab. Zudem hat man die Charaktere so gestaltet, dass ein paar witzige Überzeichnungen für Erheiterung sorgen: Walter Chang (Victor Wong) versucht selbst aus der Raketenwurmplage Knete zu schlagen und das Ehepaar Heather (Reba McEntire) und Burt Gummer (Michael Gross) besteht aus zwei Waffenfreaks, die stets die dicksten Kaliber mitschleppen und zuhause auf den dritten Weltkrieg vorbereitet sind, was nebenbei noch eine nette Parodie auf den Actionhelden der 80er ist. Derartige Anspielungen auf verschiedene Genres und ihre Mechanismen finden sich zuhauf in „Im Land der Raketenwürmer“ und sorgen für Erheiterung. So fragt ein Einwohner Perfections z.B. ob die Telefongesellschaft nicht wegen der Leitung kommen müsse und in der nächsten Szene sieht man einen Reparaturwagen der Telefongesellschaft, dessen Insassen gerade von den Würmern verfrühstückt worden sind.

Doch nicht nur durch Witz überzeugt der erste „Tremors“-Film, sondern auch der Überlebenskampf ist unterhaltsam geraten. Die Biester erweisen sich als intelligent, sodass Verschanzen oder diverse Tricks zur Wurmbekämpfung nur eine kurze Zeit helfen, danach sind die Viecher dann dahinter gekommen. So bleibt das Duell der beiden lernfähigen Spezies recht spannend, da beide Seiten taktieren und die Bewohner Perfections auf ungewöhnliche Mittel wie selbstgebaute Bomben oder zweckentfremdete Bagger zurückgreifen müssen. Action gibt es nur selten und dann nicht übermäßig spektakuläre, doch dafür entschädigen schicke, handgemachte Effekte (vor allem bei der Darstellung der Raketenwürmer) sowie ein paar nette optische Ideen (z.B. die subjektive Sicht eines grabenden Raketenwurms). Ein paar nette Splattereffekte, meist bei zerplatzendem Gewürm, sorgen auch für Erheiterung.
Kevin Bacon und Fred Ward spielen das Herumtreiberduo dann auch mit der nötigen Laune, um für lockeres B-Flair zu sorgen und Michael Gross, der auch in jedem Sequel mitspielte, hat den kultigen Part des Waffenfetischisten inne. Victor Wong macht ebenfalls einen amüsanten Job, Finn Carter als Love Interest ist ganz OK, kann aber kaum Akzente setzen.

Originell ist „Im Land der Raketenwürmer“ allenfalls in seiner ganz netten Parodie des Monstergenres, doch der Start in die „Tremors“-Saga bietet einen dank cooler Effekte, einigem Witz und eines recht spannenden Überlebenskampfes einen hohen Funfaktor. Leider fällt der Showdown mit seiner unspektakulären Art etwas arg ab, weshalb „Im Land der Raketenwürmer“ nur sehr gute 7,5 Punkte meinerseits abstauben kann.

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