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„Heiliger Bim...“

Nach einigen Kurzfilmen drehte US-Regisseur Ron Underwood („Mein großer Freund Joe“) im Jahre 1990 mit „Im Land der Raketenwürmer“ seinen ersten Film in Spielfilmlänge und landete mit seiner ca. elf Millionen Dollar teuren B-Movie-Hommage einen respektablen Überraschungserfolg.

Im Wüstendörfchen Perfection in Nevada schlagen sich Val McKee (Kevin Bacon) und Earl (Fred Ward) mit Gelegenheitsarbeiten durch. Eines Tages treffen sie auf die Geologin Rhonda LeBeck (Finn Carter, „Unsichtbare Bedrohung“), die seismographische Aktivitäten untersucht und eben jene in verstärktem Maße in und um Perfection feststellte. Bald trifft man auf abgeschlachtete Tiere und menschliche Leichen und wird schließlich mit den Verursachern des Spuks konfrontiert: urzeitlichen Riesenwürmern, die unter dem sandigen Wüstenboden leben und blitzschnell mit ihren krallenbesetzten Tentakeln und gierigen Riesenschlünden hervorpreschen, um sich ihre Opfer zu greifen. Zusammen mit den wenigen Bewohnern Perfections versucht man, sich in einer schier ausweglosen Situation der Angreifer zu erwehren...

Der zu seinem Entstehungszeitpunkt anachronistisch anmutende Monster-Horrorflick „Im Land der Raketenwürmer“, besser bekannt unter seinem Originaltitel „Tremors“, orientiert sich stark an klassischen B-Movies, die gefährliche Riesenkreaturen in ihren Mittelpunkt stellten. Dabei bedienen sich Underwood und seine Co-Autoren einer augenzwinkernden Ironie und leicht komödiantischen Note, statt sich bzw. den Film bierernst zu nehmen, wohlweislich ohne ihn bis in Absurde zu veralbern. In Bezug auf seine klassischen Elemente macht „Im Land der Raketenwürmer“ alles richtig, indem er sein Hauptaugenmerk sowohl auf grandios gestaltete, in Handarbeit entstandene, faszinierende Kreaturen voll bedrohlichen Potentials als auch auf eine hochspannende Dramaturgie richtete, die arglose und bisher wenig heldenhaft in Erscheinung getretene, verschlafene Wüstenkaffbewohner in den verlustreichen Kampf gegen eine unbekannte, unberechenbare Gefahr schickt. Doch Underwood geht noch einen Schritt weiter und veredelt seine Monsterparty mit einer herausragenden Kameraarbeit, die beispielsweise rasante subjektive Kamerafahrten aus Sicht der „Tremors“ bietet und das karge Wüstenambiente als lebensfeindlichen Ort zielführend einfängt. Die Schauspielerriege wurde handverlesen und ideal besetzt. Mit dem bereits damals nicht unpopulären Kevin Bacon in der schelmischen Hauptrolle, der zehn Jahre zuvor in „Freitag, der 13.“ seinen Horrorfilm-Einstand gab, im „Tremors“-Erscheinungsjahr auch in „Flatliners“ zu sehen sein sollte und später in anspruchsvolleren Filmen wie „Eine Frage der Ehre“ und „Sleepers“ überzeugte, verfügte man über einen zugkräftigen Namen; ihm zur Seite steht Fred Ward („Die letzten Amerikaner“), der mit Bacon ein ungleiches, sich gegenseitig die Bälle zuspielendes Duo bildet. In weiteren Rollen glänzen u.a. Michael Gross („Manchmal kommen sie wieder 2“) als den typischen amerikanischen Waffennarr karikierenden Burt Gummer und Victor Wong („Die Fürsten der Dunkelheit“) als Ladenbesitzer ostasiatischer Herkunft Walter Chang. Nicht fehlen dürfen sich und andere unüberlegt in Gefahr bringende Arschlochkinder, die an den Nerven der Zuschauer zerren.

Wie ein beliebtes Kinderspiel erscheint dann auch die Belagerungssituation, auf die die Konfrontation mit den „Raketenwürmern“ (ein Hoch auf die deutsche Titelgebungskreativität!) hinausläuft, jedenfalls dann, wenn man partout nicht den Boden berühren darf und sich von Hausdach zu Anhöhe oder umgekehrt rettet. Doch das nur am Rande, denn es überwiegt der Actionanteil: Burt Gummer und seine Frau, die über ein beachtliches Waffenarsenal verfügen, eröffnen ein wahres Schützenfest auf die schleimigen Wüstenbewohner und auch anschließend wird viel geballert und in die Luft gesprengt, vornehmlich natürlich die Riesenwürmer, was recht unappetitliche Folgen hat. Auch hier macht es sich das Drehbuch nicht allzu einfach und verlangt seinen Protagonisten die eine oder andere überlebenswichtige List ab, denn so plump die Viecher auch aussehen, ganz doof sind sie nicht. Nun mag man dabei evtl. ein Plädoyer für Waffenbesitz und Bombenbasteleien erkennen, wahrscheinlicher aber ist die karikierende Intention in Anbetracht der unwahrscheinlichen Übertreibungen, die aus „Im Land der Raketenwürmer“ ein sehr unterhaltsames, kurzweiliges Kreaturen-Action-Spektakel machen. In eine ähnliche Kerbe schlagen sollte eventuell der heroische Orchester-Soundtrack, der mir persönlich aber weniger passend erscheint und einen individuelleren Score mit Wiedererkennungswert vermissen lässt. Schon besser ins Ambiente ordnet sich da die hin und wieder erklingende Country-Musik ein.

Unterm Strich ist „Im Land der Raketenwürmer“ ein überraschend gut funktionierender Film nicht nur für Genrefreunde geworden, der in vielerlei Hinsicht sehr sorgfältig geplant und umgesetzt wurde und auch heute noch den Beweis antritt, dass diese naheliegenden Ideen, die auch schon Jahrzehnte zuvor funktionierten, in einer Variante irgendwo zwischen Konservatismus, Selbstironie und zeitgemäßem Handwerk durchaus noch immer neue Generationen von Filmfreunden begeistern können. Auf der anderen Seite ging man schon sehr auf Nummer sicher und ließ ungenutzten Raum übrig, den andere womöglich mit noch einigen kruderen und abgefahreneren Ideen ausgefüllt hätten. Doch wie dem auch sei, in jedem Falle bieten sich Underwoods Wüstenwürmer hervorragend als ein schöner Eröffnungsfilm für ein zünftiges Kreaturen-Special an, zu dem Knabbergebäck und Bierchen noch mal so gut munden.

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