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Wie so viele Gegebenheiten im WWW bilden auch offene Online-Petitionen ein zweischneidiges Schwert: Wird etwa für den Erhalt einer Sache eingetreten oder sich für eine Minderheit stark gemacht, ist durchaus etwas zu bewegen, doch sobald eine Petition gegen eine bestimmte Person gerichtet ist, kann das schnell nach hinten losgehen und im Zweifel auch Anfeindungen und Denunzierungen auf beiden Seiten mit sich bringen. Wie dies in einem größeren Rahmen ablaufen könnte, versucht der deutsche Autor und Regisseur Klaus Hüttmann mit seinem britischen Debüt zu veranschaulichen, nur leider driftet die gute Grundidee ab Mitte der Geschichte völlig ab.

Christopher hat eine Webseite ins Leben gerufen, auf der Benutzer Namen dubioser Persönlichkeiten wie Politiker oder Konzernchefs nennen können, welche dann per Voting in einem Ranking auftauchen. Als die Exekution der Nr. 1 jener Liste per Video im Netz auftaucht, avanciert Chris selbst zur unbeliebten Persönlichkeit und gerät zudem ins Visier von Geheimagenten...

Die Kernidee ist recht zeitgemäß und gleichermaßen brisant, denn grundlegend könnten korrupte Menschen im öffentlichen Leben durchaus den Mittelfinger der breiten Masse zu spüren bekommen, wobei eben immer die Gefahr besteht, das dies jemand als Anlass für reine Selbstjustiz nimmt, - quasi ein Todesurteil vom Volk gewählt. Von dieser spannenden Prämisse weicht die Erzählung jedoch im Verlauf immer ein Stückchen weiter ab und verstrickt sich dabei in unzählige Logiklöcher und eine ungünstige Gewichtung der Erzählelemente.

Die Zwickmühle in der sich Chris befindet, wird zwar mithilfe einige düsterer Landschaftsaufnahmen treffend bebildert und der Background seines familiären Traumas erscheint nachvollziehbar, doch sein Verhalten wird zunehmend irrationaler, spätestens als er dem Killer begegnet und daraufhin auf eigene Faust zu ermitteln versucht.
Demgegenüber hinkt jene Todesliste gewaltig, denn merkwürdigerweise sind die ersten der Liste jeweils problemlos privat zu ermitteln und trotz Personenschutzes von nur einem Täter zu überwältigen, welcher darüber hinaus bereits das mittlere Alter überschritten hat und trotzdem cleverer handelt, als zwanzig Computerexperten zusammen. Das wäre dann so, als würde ein etwa 55jähriger Nobody den Innenminister entführen, das Exekutionsvideo ins Netz stellen und daraufhin alle digitalen Spuren so verwischen, dass selbst das BKA im Trüben fischen würde.

Neben diversen narrativen Unzulänglichkeiten krankt die Geschichte jedoch primär an der viel zu unaufgeregten Vorgehensweise. Wird Chris anfangs noch von einem Unbekannten auf nächtlicher Straße drangsaliert und die anonyme Bedrohung spürbar gemacht, gerät diese im Verlauf weitgehend in den Hintergrund, während kleine Familienanekdoten komplett vom Thema abweichen und vollends Drive herausnehmen. Der beinahe meditative Score unterstreicht jene Ausflüge in die inneren Welten der Antagonisten, nur dass diese jeweils viel zu oberflächlich gezeichnet sind, um überhaupt größeres Interesse an deren Innenleben zu wecken.

So mutiert die passable Grundidee zu einem müde vorgetragenen Thriller ohne Rasanz, dem es fast gänzlich an Tempo und Action mangelt und der mit dem laschen Twist gegen Showdown kaum mehr zu überzeugen weiß. Es wird zwar halbwegs solide performt und auch sonst ist technisch nicht viel anzukreiden, doch bei einer Geschichte mit solch einem brisanten Thema hätte man deutlich mehr Spannung erwarten dürfen. Nach Sichtung des Streifens dürfte jener bei einigen Genrefans wohl auch auf der Liste landen...
4 von 10

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