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Carlo Collodis "Pinocchio" gehört, ohne Frage, zu den bekanntesten Märchen weltweit. Nahezu jedes Kind dürfte sie wohl kennen, die lebendige Holzpuppe, die sich nichts sehnlicher wünscht, als ein richtiger Junge zu werden. Herzerwärmend und mit viel Fantasie geschrieben, gehört "Pinocchio" wohl mit zu den schönsten Kinder-Märchen überhaupt. Klar, dass solch eine Geschichte auch verfilmt werden muss. Neben der bekannten Verfilmung "Die Abenteuer von Pinocchio" dürfte wohl, vor allem, der Zeichentrick-Klassiker aus dem Hause Disney, zu den schönsten Verfilmungen überhaupt zählen. Im Jahre 2001 hat sich nun Italiens Vorzeige-Regisseur Nr. 1, Roberto Bengini, an die Verfilmung des Stoffes gemacht. Schade nur, dass er ihn in seiner Version völlig versemmelt hat.

"Roberto Benigni's Pinocchio" stimmt leider in kaum einen Punkt. Denn Begnini hat viel zu viele Fehler begangen, um überhaupt einen akzeptablen Film abzuliefern. Das fängt schon bei dem hanebüchenen Drehbuch an. Bei der Adaption beging Benigni den Fehler, aus den prachtvollen Fantasien des Buches, ein verkitschtes und unerträglich kindisches Pillepalle-Szenario zu erstellen, dass maximal Kleinstkindern gefallen dürfte. Von dem märchenhaften Charme des Buches ist nichts mehr übrig geblieben, alles bewegt sich auf Kleinkindst-Niveau. Durchgehend quengelt Pinocchio herum, macht Blödsinn oder lässt dusselige Kommentare von sich, die an Infantilität kaum noch zu überbieten sind. Und dazu kommt dann noch, dass die tierischen Figuren, wie die Diebe "Kater und Fuchs" oder die sprechende Grille, allesamt von Menschen in dämlichen Masken dargestellt werden, was ebenfalls keinerlei Charme erzeugen kann. Und Pinocchio-Vater Gepetto ist hier so etwas von kreuz-dämlich geraten, dass es einem um diese, sonst so sympathische, Figur, nur noch leid tun kann. Sicher, ein Märchen für Kinder sollte auch Kindergerecht verfilmt werden, aber man kann es auch mächtig übertreiben, so wie eben hier.

Dazu kommen dann noch die gar grausigen Dialoge, die so gar nicht passen wollen und, wie schon erwähnt, an grenzdebilem Stuss kaum noch zu überbieten ist. Dialoge wie "Fünf Jahre - wie lange dauert das?" - "Das dauert Jahre" - "Wie viele?" - "Fünf" - "Ach du liebe Grille" gibt es hier wirklich andauernd zu hören. Man mag manchmal glatt in den Film springen, um Pinocchio durchzuschütteln, wenn er wieder einen seiner höchstdämlichen Dialoge von sich gibt. So einen Schwachsinn geben doch nicht einmal 5-Jährige von sich! Also wirklich!

Des weiteren dann noch ein minimalistischer (aber um so nerviger) Score, der Begnini wohl so gut gefallen hat, dass er den ganzen Film über nichts Anderes zu spielen vermag, als die selben fünf Takte. Und wenn der Abspann abläuft, singt Begnini sogar noch dazu. Wer sich das dann noch bis zum Ende antut, ist wirklich selber schuld.

Doch der größte Fehler, den Benigni nicht nur hier, sondern je in seiner Karriere gemacht haben dürfte, ist die Besetzung der Hauptrolle durch sich selbst. Pinocchio ist ein kleiner Junge (bzw. eine Holzpuppe) und sieht hier aus wie ein 50-Jähriger, in einem albernen Kostüm und mit Falten im Gesicht (man beachte vor allem die Stirn). Dadurch wirkt diese Figur nur noch mehr als lächerlich und in keinster Weise kann sich irgend ein Kind damit identifizieren. Und auf Erwachsene wirkt sie einfach nur noch albern und unerträglich!

Das Einzige, was den Streifen vor dem absoluten Bodensatz retten kann, ist die Ausstattung des Ganzen. Begnini hat wirklich keinerlei Kosten und Mühen gescheut und lässt seine Geschichte vor wirklich wunderbar märchenhaften Kulissen geschehen. Vor allem die Spielzeug-Stadt sprüht nur so vor Detailreichtum. Aufwändig und wirklich prachtvoll, wenn man sich mal die davor abspielende Handlung wegdenkt!

Fazit: Roberto Benignis Traum, vom perfekten Pinocchio-Film, ging gründlich in die Hose. Ein überdimensional albernes und (selbst für ein Kinder-Märchen) viel zu infantil ausgefallenes Drehbuch, grausige Dialoge, nervtötende Musik und ein derart unpassender und albern wirkender Hauptdarsteller, machen aus dem wunderbaren Märchen-Buch, eine kitschige und Quatsch-getränkte Tour, die nur Kleinstkinder wirklich mögen können. Wirklich schade, zumal man sich in die prachtvolle Ausstattung fast hätte verlieben können!

Roberto, ich bin enttäuscht von Dir!

Wertung: 3/10 Punkte

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