Essie Davis spielt die alleinerziehende Mutter Amelia, deren einziger Sohn sie permanent unweigerlich an den Tod ihres Mannes erinnert, weil dieser vor dessen Geburt bei der Autofahrt in die Klinik ums Leben kam. Außerdem macht der Siebenjährige gerade eine ziemlich schwierige Phase durch, bei der es regelmäßig zu Panikattacken oder zu Wutausbrüchen kommt. Nachdem seine Mutter ihm aus dem gruseligen Kinderbuch „Der Babadook“ vorgelesen hat, werden die Angstzustände noch schlimmer. Doch dann muss die Mutter zunehmend feststellen, dass sich ihr Sohn die Anwesenheit des Babadooks im Haus vielleicht doch nicht nur einbildet.
Dass ein australischer Horrorfilm in den deutschen Lichtspielhäusern läuft und nicht nur eine DVD-Premiere feiert, ist eher ungewöhnlich, zumal „Der Babadook“ nicht gerade namenhaft besetzt ist, während Drehbuch und Regie von Jennifer Kent übernommen wurden. Diese hatte bisher bei „Schweinchen Babe in der großen Stadt“ mitgespielt und feiert mit „Der Babadook“ ihre Spielfilmpremiere als Autorin und Regisseurin. Dass dieser Horrorfilm ein für seine Verhältnisse beachtliches Aufsehen erregen konnte, dürfte neben den guten Kritiken auch einiger prominenter Empfehlungen geschuldet sein, so wurde er etwa von William Friedkin höchstpersönlich in allerhöchsten Tönen gelobt. Letztendlich ist das dann aber doch zu viel der Ehre.
Dabei beginnt „Der Babadook“ zunächst viel versprechend. Der Zuschauer lernt Amelia als eine zurückgezogen lebende Frau kennen, die sich schwer damit tut, ihr Kind zu lieben, weil dessen Existenz untrennbar mit dem Tod ihres Mannes verknüpft ist. Zudem macht das Kind viele Schwierigkeiten. Sonst werden Kinder in Horrorfilmen ja meistens eher sympathisch gestrickt, als unschuldige potentielle Opfer diverser Geister, Monster und Dämonen, als Kinder zum Lieb haben eben. Was man vom kleinen Samuel mit seinem anstrengenden Verhalten eben nicht behaupten kann. Von daher ist die Mutter-Kind-Beziehung von Anfang an etwas unkonventionell gestrickt, was dem Film durchaus gut tut. Die Figurenkonstellation macht den Film reizvoll, schon bevor der eigentliche Horror aufzieht.
Und dann kommt der Babadook ins Spiel, worunter die Bindung der Mutter zu ihrem Sohn noch stärker leidet. Die Angstzustände des Jungen nehmen Überhand, bis auch die Mutter zunehmend die Geduld mit ihrem Sprössling verliert. Der Horror besteht auch darin, dass es der Mutter immer schwerer fällt, ihr eigenes Kind zu lieben, das ihr nun endgültig zur Last wird. Eine düstere Atmosphäre kreiert Kent dabei mit konventionellen Mitteln, mit zerspringenden Glühbirnen, mit knarzenden Türen, offenen Fenstern und natürlich dem Schauplatz, einem alten, dunklen und etwas gespenstischem Bau. Lobend sei aber noch erwähnt, dass Kent sehr geschickt mit diversen Horrorklassikern aus der Stummfilmzeit und den ersten Dekaden danach spielt. Sie blendet immer wieder düstere Szenen und Bilder aus den Klassikern des Genres ein, die quasi permanent im Fernsehen der Familie laufen und ebenfalls eine dichte Atmosphäre aufkommen lassen.
Doch dann wird es immer kruder. Dass sich die Mutter zunehmend vom Sohn distanziert und schließlich, unter dem Einfluss des Babadooks stehend, ihrem Sohn immer feindseliger begegnet, bis sie sich mit ihm im Haus verbarrikadiert und sein Leben bedroht, ist noch eine gelungene Wendung. Flint fährt neben der Besessenheit der Mutter aber auch weitere Geschütze auf, so manifestiert sich die Figur aus dem Kinderbuch, sehr dürftig animiert, schließlich auch physisch und bedroht die Protagonisten, teils in sichtbarer Form, aber auch in unsichtbarer. Das führt zu einem überfrachteten Showdown, bei dem es sekündlich zu neuen Schockeffekten kommt und bei dem auch nie ganz klar ist, was der Babadook mit seinem Spuk eigentlich bezweckt. Flint hätte sich besser entscheiden sollen, ob der Babadook nun physisch in Erscheinung treten soll oder ob er Besitz von der Mutter ergreift, denn beides verträgt sich nicht. So wird der Film leider immer langweiliger und belangloser, je mehr sich Flint bemüht, mit dem vollen Repertoire des Horrorgenres ihren Showdown auf die Spitze zu treiben. Auch das Ende enttäuscht dann maßlos, während die Versuche des Jungen, sich seiner besessenen Mutter mit seinen ulkigen, selbstgebauten Waffen zu erwehren zu allem Überfluss für unpassenden Slapstick sorgen. Da nützt es wenig, dass darstellerisch vor allem von Hauptdarstellerin Essie Davis bis zum Ende gute Arbeit geleistet wird.
Fazit:
„Der Babadook“ beginnt viel versprechend, auch weil er zunächst ein sehr schwieriges Mutter-Kind-Verhältnis thematisiert, das mit dem Erscheinen des titelgebenden Übels auf eine sehr harte Probe gestellt wird. Regisseurin Flint versucht dann, die schaurigen Ereignisse immer stärker zu verdichten, kann sich aber nicht so recht entscheiden, ob der Babadook nun Besitz von der Mutter ergreifen oder sich auch physisch manifestieren soll. So verliert der Film leider mit seinem kruden, überzogenen Showdown zunehmend den Wind in seinen Segeln, opfert die dichte Atmosphäre durch zu übertriebene Schockeffekte und enttäuscht dann auch noch mit einem miesen Abgang.
59 %