kurz angerissen*
Nicht von der vermeintlichen Nervigkeit des Jungen beirren lassen (die im Übrigen absolut gewollt ist)! Mit dem „Babadook“ erschuf Jennifer Kent eine der unheimlichsten Gruselgestalten seit langer Zeit, obwohl sie sich für die schwarze Gestalt mit Zylinder freimütig auf jahrzehntealte Horrorfilm-Traditionen beruft. Das gesamte Artdesign, vom Bilderbuch bis zur Gestaltung des Hauses, zeigt sich vom expressionistischen deutschen Stummfilm der 20er Jahre und hier insbesondere von „Das Cabinet des Dr. Caligari“ beeinflusst. Kubistische Winkel ermöglichen schwarze Schatten, in denen Gegenstände zum Leben erwachen, Oberflächen erscheinen zweidimensional wie eine Kulisse aus Pappmaché und lassen aufschrecken, wenn sie plötzlich und unerwartet in den dreidimensionalen Raum greifen. Ästhetisch jedenfalls ist „Der Babadook“ schon mal ein Kunstwerk der sukzessiven Verwandlung des spielerischen Grusels ins Bizarre.
Vollends funktionsfähig wird er allerdings durch das Mutter-Kind-Drama. Kent spielt insbesondere in der ersten Filmhälfte herzhaft mit der Möglichkeit, die Mutter könnte aufgrund der traumatischen Ausgangssituation eine psychische Störung davongetragen haben oder der Junge habe sich aufgrund der belastenden Familiensituation ohne väterliche Stütze fehlentwickelt. Es dauert lange, bis sich das Monster überhaupt materialisiert und selbst dann tritt es überwiegend als Silhouette in Erscheinung. Das Spiel des Nichtzeigens weiß die Regisseurin jedenfalls mit Bravour zu spielen, es inspiriert sie gar zu experimentellen Perspektiven, bei der man dem sich entblößenden Babadook über die Schulter sieht und das entsetzte Gesicht des Opfers sieht, was zweifelsfrei eine intensivere Wirkung hinterlässt, als die Spannung mit einem Schwenk auf die Fratze des Babadook zu brechen.
Zu alldem muss das Rad gar nicht neu erfunden werden – es geht um altmodisches Gruselhandwerk, das hier äußerst effizient ausgeführt wird.
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