2009 lässt der deutsche Oberst Klein, gespielt von Matthias Brandt, entführte Tanklaster in Kunduz bombardieren, wobei er zahlreiche Zivilisten tötet. Hier werden die Ereignisse geschildert, die der Bombardierung vorausgingen, aber auch der Angriff als solcher.
“Mörderische Entscheidung“ ist ein durch und durch deutsches Afghanistan-Drama, mutlos und trocken. Er spiegelt damit die öffentliche Behandlung des Konflikts, der jahrelang nicht einmal als Krieg benannt werden durfte, bezeichnend wieder. Raymond Ley, der bisher etwa “Eichmanns Ende“ verfilmte, liefert hier einen Film ab, den man letztlich überhaupt nicht gebraucht hätte und dies ist auf drei wesentliche Ursachen zurückzuführen.
“Mörderische Entscheidung“ ist ein Film, dem der Mut fehlt, die Ereignisse wirklich zu bewerten. Klein wird als ein Mann gezeigt, der unter Druck steht, weil die afghanischen Verbündeten die Deutschen für eine Truppe von Feiglingen halten, die nicht hart genug gegen die Taliban vorgehen, als ein Mann, der einige seiner Männer verloren hat und vor einer zunehmend größeren Bedrohungssituation steht. Er zaudert auch bei der Entscheidung, die Tanklaster zu bombardieren, obwohl die Informanten melden, dass es sich bei den Menschen in der Nähe der Laster um Terroristen und Aufständische handelt. Dann entscheidet er sich doch, aber zu einem Statement kommt es letztlich nicht. Das einzige echte Statement der Macher ist vielleicht der Titel des Films. “Mörderische Entscheidung“ ist kein politischer Film, vielmehr ein Dokudrama, das die Ereignisse mehr rekapituliert als kommentiert.
Hier müssen sich die Macher aber die Frage gefallen lassen – und hierbei handelt es sich um den zweiten Fehler – ob man ein solches wirklich gebraucht hätte. Dass in Afghanistan Soldaten sterben, war den Nachrichten oft genug zu entnehmen, im Übrigen auch, wie diese starben. Dass Oberst Klein auf der Grundlage von mehr oder weniger ungesicherten Informationen eine Entscheidung getroffen hat, die zahlreichen Zivilisten das Leben kostete, ebenfalls. Erfährt man hier also etwas Neues? Nein. Die Dokumentation bleibt letztlich recht oberflächlich und allgemein, das macht sie uninteressant.
Darstellerisch gibt es dabei wenig zu bemängeln, Brandt macht seine Sache gut und das gilt auch für den restlichen Cast. Handwerklich dafür gibt es dafür umso mehr zu kritisieren. Wir haben es hier letztlich mit einer Dokumentation zu tun, die nichts Neues liefert, mit einem Drama, das nicht so recht Stellung bezieht, das das Kommentieren anderen überlässt, die mitunter kurz eingeblendet werden. Den Todesstoß versetzt Ley seinem Werk aber mit der sterilen Machart. “Eine mörderische Entscheidung“ ist durchweg distanziert. Obwohl tragische Ereignisse geschildert werden, fehlt jeder Bezug zu den Protagonisten. Das ständige Hin- und Herspringen zwischen den nachgestellten Aussagen Kleins vor dem Kunduz-Ausschuss, den Kommentaren verschiedener Personen sowie dem Verlauf der Ereignisse, der schließlich zum Luftschlag führt, lässt keinerlei Dramaturgie entstehen. Die einzige gute Entscheidung, die der Regisseur trifft, besteht darin, es bei der kurzen Laufzeit zu belassen.
Fazit:
“Eine mörderische Entscheidung“ schildert die Ereignisse vom April 2009 so steril und distanziert, dass kein Bezug zum Geschehen zustande kommt, reiht recht uninspiriert Geschehnisse aneinander, die denjenigen, die sich den Film ansehen, weitestgehend bekannt sein dürften und scheut sich, Stellung zu den Ereignissen zu beziehen. Stattdessen versteckt man sich hinter den Kommentaren anderer. Die Ereignisse werden damit bei 90 Minuten Lauflänge kaum fassbarer als durch einen x-beliebigen Zeitungsartikel. Der Mut zu einer Bewertung, die dann diskutiert werden könnte, fehlt ebenfalls.
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