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Deutschland hat aus gegebenen Gründen ein gespaltenes Verhältnis zu Kriegen und demnach auch ein wenig zu Filmen über den Krieg, obwohl diese eine große historische Tradition besitzen. EINE MÖRDERISCHE ENTSCHEIDUNG beschreibt in der Form eines Doku-Dramas mit internationalen und deutschen Schauspielern die Ereignisse in den Monaten vor der 2009er Bombardierung des Tanklasters nahe Kundus in Afghanistan und seinen verheerenden zivilen Verlusten sowie des Angriffs und seines Nachspiels selbst. Der Beginn von EINE MÖRDERISCHE ENTSCHEIDUNG mit einem furchtbar verbrannten Kind und den nachfolgenden Zeitlupenbildern wirkt aufgesetzt und regelrecht selbstzweckhaft. Diesem emotionalen Beginn wird der Film nicht im Geringsten im weiteren Verlauf gerecht.

EINE MÖRDERISCHE ENTSCHEIDUNG ist in dem Hin- und Herspringen zwischen den Actionszenen und den nachgestellten Aussagen von Oberst Klein im Untersuchungsausschuss "Kundus", der den Befehl zur Bombardierung gegeben hatte, leider etwas trocken, bieder, oberflächlich und sogar trotz des schrecklichen und Leid getränkten Themas recht emotionslos geraten. Regisseur Raymond Ley, der für eine Reihe ähnlicher Filme verantwortlich zeichnet, hat die bewusste Entscheidung getroffen, die Ereignisse auch nicht nur ansatzweise zu kommentieren. Er dokumentiert sie nur und entzieht sich damit jeder Diskussionsfähigkeit, aber auch als Nebeneffekt dem tiefer gehenden Interesses des Zuschauers.

Matthias Brand spielt dabei sogar noch Oberst Klein in all seiner empathischen Unterkühlung einigermaßen interessant und angemessen. So manch ein Dialog unter den Soldaten hingegen wirkt klischeehaft und aufgesetzt. Die ständig eingeblendeten Interview Splitter unterbrechen dabei jegliche dramaturgische Spannung und somit wird man auch nicht einmal dem Aspekt "Drama" wirklich gerecht. Technisch ist alles recht hochwertig gestaltet und an Ausstattung und Budget scheint es EINE MÖRDERISCHE ENTSCHEIDUNG wirklich nicht zu fehlen. Solche historischen Ereignisse nicht zu bewerten ist in anderen Dokumentationen oft eine nachvollziehbare und dramaturgisch richtige Entscheidung.

In EINE MÖRDERISCHE ENTSCHEIDUNG wirkt sie deplaziert und man darf sich nun fragen, worin dann eigentlich noch der Mehrwert dieses Doku-Dramas besteht. Lieber sehe ich dann eine reine Dokumentation oder diskutiere eine eventuelle Bewertung der Macher in aller Ausführlichkeit hinterher, als eine durchwachsene Nachstellung mit all seiner Subjektivität zu konsumieren und nicht weiter zu kommen als zuvor. Zumindest ist EINE MÖRDERISCHE ENTSCHEIDUNG nicht reißerisch geworden und hält sich nüchtern an die kolportierten Fakten, und deswegen kann ich unter den oben genannten Faktoren das Doku-Drama für Interessierte an dem Fall "Kundus" und seinen Hintergründen durchaus empfehlen.

3,5/10 Punkten

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