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Na bumm! Immer wenn man denkt, man habe im Filmbereich bereits alles gesehen und nichts könne einen mehr überraschen, kommt lustig von der Seite ein Filmchen daher und beweist einem glatt das Gegenteil. Ein wildes, experimentelles In-Your-Face-Exploitation-Drama um die weibliche Monatsblutung, gedreht für etwa fünftausend US-Dollar in und um Kansas City, Missouri? Nein, tatsächlich, so etwas hatten wir noch nicht. Haben wir darauf gewartet? Vermutlich nicht, aber wenn es schon mal da ist, wird es auch geguckt. In J. Douglas Smiths The Period geht es um Sharrie Heiman (Angela Dix), die eines Tages beim entspannten Baden ihre Periode bekommt. Und die wird sie nicht mehr los. Sharrie blutet und blutet und blutet... So viel, wie die blutet, hat sie bestimmt fünfzig Mal mehr Blut in ihrem Körper als jeder andere Mensch. Mindestens. Mal tropft es, mal rinnt es, mal spritzt es aus ihr, was wohl unter anderem darauf zurückzuführen ist, daß das SFX-Team einen mit Kunstblut gefüllten Schlauch zwischen Sharries Beine hält, den Hahn aufdreht und laufen läßt.

Ja, die Spezialeffekte sind sehr durchschaubar, aber was will man für fünftausend Dollar auch schon Großes erwarten? Im weiteren Verlauf der Handlung bekommt Sharrie Probleme mit ihrer Mitbewohnerin Clitoria (Valerie Castro), die schließlich dermaßen eskalieren, daß Clitoria beinahe von Sharries Regel ersäuft wird, woraufhin die sich rächt und ihre Gegnerin mit ihren großen Brüsten abwatscht und zu ersticken versucht. Ähm, ja, genau. Zurückhaltung und Geschmackssicherheit sind nicht die Stärken des Streifens. Die Gynäkologen werden auch mit Blut vollgespritzt, aber die nehmen es eher gelassen. Berufsrisiko. Weniger erfreut sind die Kunststudenten, bei denen Sharrie nackt Modell steht. Auch die brauchen danach eine Dusche, und Sharries Karriere als Nacktmodel ist damit wohl beendet. Und so plätschert The Period dahin wie das Blut aus Sharries Vagina und man denkt bereits, der Streifen wäre ein bizarres One-Trick-Pony, eine einzige, zugegebenermaßen nicht unoriginelle Idee, aufgeblasen auf sage und schreibe einhundertfünf Minuten.

Dem ist nicht so. Denn in der letzten halben Stunde bricht der Film gänzlich mit dem bisherigen Handlungsverlauf, was das Geschehen auf eine neue und mysteriöse Ebene hebt. Das Finale konnte erst einige Monate nach dem Rest gedreht werden, da die Hauptdarstellerin nicht verfügbar war, und vielleicht ist das ja auch mit ein Grund, weshalb dieses so gänzlich anders ist als das zuvor gezeigte. The Period ist das (bislang einzige) Filmbaby von J. Douglas Smith, der hier nicht nur Regie geführt hat, sondern das Ding auch geschrieben, gefilmt, geschnitten und produziert hat. Viel mehr geht da wirklich nicht mehr. Lediglich die disharmonische und dadurch auch recht effektive Musikuntermalung hat er an Onemilliontinytinyjesuses ausgelagert. The Period ist einhundert Prozent Underground und null Prozent Mainstream. Der eckt an, wo er nur kann. Meine Hochachtung vor Smith, der die "Cojones" hatte, seine eigenwillige Vision ohne Rücksicht auf Verluste durchzuziehen, so anstrengend, exzessiv, geschmacklos und chaotisch das Ergebnis mitunter auch ist.

Einige der angerissenen Ideen sind ganz interessant. Wie die Reaktion der Menschen, die mit Sharries Menstruation konfrontiert werden; die reicht von Verachtung über Abscheu bis hin zu Vergötterung. Oder die eingestreute Symbolik, über die man grübeln kann. Was haben die blutgefüllten Eier zu bedeuten, die Sharrie einmal legt? Hübsch surreal ist die Sequenz, in welcher Sharrie anstelle der Vagina einen Mund hat, und der plappert und plappert und hört nicht mehr auf. Sogar die Kunst entdeckt die unaufhörlich menstruierende Frau; mit einem blutigen Abdruck des Geschlechtsteils gibt es schließlich gutes Geld zu verdienen. Was The Period sein will, bleibt indes ein Rätsel. Eine geschmacklose Komödie? Ein exzessives Drama? Eine bluttriefende Satire auf Troma-Art? Oder einfach nur schrille Underground-Exploitation der Exploitation willen? Ich weiß es nicht. Die Autorin Charlotte Roche fordert ja, daß die weibliche Periode endlich als das wahrgenommen wird, was sie ist. Als etwas ganz normal Menschliches. Ob The Period zur gewünschten Enttabuisierung beiträgt, darf bezweifelt werden.

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