Review

Und ich dachte schon, dass mit "Die Tribute von Panem" der Tiefpunkt der Romanvorlagen erreicht wäre...


Nein, "Ender´s Game" bzw. "Das große Spiel", wurde 1985 von Orson Scott Card niedergeschrieben und 2013 entschied man sich, diesen Stoff in der Form eines Films auf die Menschheit loszulassen. Herauskam ein Science Fiction-Film, der in meinen Augen vom Ansatz her schon totaler Schwachsinn ist, sich wie Kaugummi zieht und zusätzlich noch knapp zwei Stunden lang wie drei Wochen abgelaufener Fleischkäse schmeckt.

Schuld an der Misere ist ganz klar die Geschichte selbst: Der Schrott spielt in der Zukunft. Nachdem eine Alienrasse namens Formics die Erde angegriffen hat, millionen Menschenleben dabei ausgelöscht worden sind, hatte man es einem Piloten zu verdanken, dass die Erde nicht komplett zerstört worden ist.

Die eigentliche Story setzt knapp 50 Jahre nach diesen Geschehnissen ein: Die Menschheit hat noch immer Angst vor einem finalen Angriff dieser Formics, obwohl diese sich in den 50 Jahren nicht mehr blicken gelassen haben. Egal - Ob USA, Putin oder der Mensch selbst: Es zählt nur eins als richtige Lösung: Man muss zum Heimatplaneten dieser Alienrasse fliegen, um sie komplett auszulöschen. Nur so kann man nachts wieder ruhig schlafen und nässt nicht dauernd das Bett zu. Der kleine Haken dabei ist: Es wird "Der Anführer" gesucht, also der Überhoschi überhaupt, der diesen einen einzigen Angriff lenkt und steuert, da es vermutlich nur eine Chance geben wird.

Ich gebe zu, das Ganze hört sich bis jetzt eigentlich immer noch nicht schlecht an, aber was jetzt kommt und danach folgt, löste permanenten Brechreiz in mir aus. Anstatt auf erfahrene Soldaten oder sonstigen erwachsene Menschen zu setzen, sucht man den Chuck Norris unter den Kindern dieser Welt, da (Achtung, jetzt kommt der große Knaller:) diese im Vergleich zu Erwachsenen taktisch "überraschend" und "unkonventionell" handeln. Aha.

So, egal was jetzt noch kommt. "Ender´s Game" hat es bei mir verschissen. Ich kann mich auf vieles ein- und herablassen, aber hier hört es auf. Jetzt kann kommen was will... Und wie es eben bei solchen hoffnungslosen Fällen meistens der Fall ist, es kommt noch schlimmer.

Colonel Hyrum Graff (Harrison Ford) sucht schon seit diesem Angriff vor fünfzig Jahren nach dem geeigneten Kinderkommandanten. Diesen scheint er endlich in Ender Wiggin (Asa Butterfield) gefunden zu haben - zumindest setzt er all seine Hoffnungen in den kleinen unsympathischen Schnösel. Und so begleiten wir Ender durch den Kindergarten der Armee, und können zusehen, wie er in dieser Akademie jeden Gegner, Widersacher in den Simulationen in einem schwerelosen "Kampf-Ei" eliminiert, in dem mit Eis-Pistolen rumgeballert wird. Das Ganze erinnert irgendwie an ein Rollenspiel für Arme, weil ich ehrlich gesagt nicht durchblicke, was die Filmmacher mit diesem "Battle Room" von mir wollen. Jedoch gewinnt Ender jedes Spiel ohne Probleme und steigt so zu älteren (aha, also doch) und erfahrener Kadetten auf, was natürlich auch Neid und Missgunst mit sich bringt. Schließlich hat jeder das Ziel, der Oberguru zu werden. Das bringt ein paar Reibereien mit, die mich jedoch noch am meisten aus meinem Dauerschlaf reißen, da der Rest einfach nur lahm vonstatten geht und wie ich eben erwähnt habe, für mich diese Wargames nicht plausibel über die Bühne laufen. Das einzig Bemerkenswerte an der Sache ist, dass Harrison Ford wie ein Hund mit dem Schwanz wedelt und sich ganz doll auf Leckerli freut, wenn "sein" Ender mal wieder gewonnen hat. Ansonsten spielt Mr. Ford seinen Stiefel ganz solide runter.


Hier und da werden dann noch weitere Kapitel aufgeschlagen, beispielsweise Ender´s Familie, der Love Interest in Form von Abigail Breslin, ein kurz vor dem Amoklauf stehender Rivale, Ben Kingsley als damaliger Held Mazer Rackham, aber all das wird nur angerissen und trägt zu keiner Zeit etwas dazu bei, dass der Film auch nur im Ansatz besser wird. Lediglich als sich in einer fast tödlich verlaufenden Boxerei bei Ender so etwas wie ein Gewissen entfacht, erwacht der Film mal aus seiner Lethargie. Das Gewissen soll, ohne jetzt großartig zu spoilern, auch noch eine große Rolle beim Finale spielen...


So schaut man knapp zwei Stunden einem seelenlosen Brei zu, der zu 95% aus Studioaufnahmen mit CGI-Effekten besteht, bei dem die Schauwerte nur wirklich selten über das gewohnte RTL-Nachmittagsprogramm hinausgehen. Weder die Story, Charaktere noch sonst etwas packt es auch nur ansatzweise, diesem Film etwas Leben einzuhauchen.

Dennoch muss ich gestehen, dass gerade das etwas unerwartete Finale diesen Film vor dem Totalbankrott rettet. Erstens, weil man einen minimalen Brainfuck einbaut und eben zweitens, weil es eben dann doch wieder um die Moral im Menschen geht. Allerdings, wenn man den ganzen Film bierernst nimmt, hilft auch der Schluss mit dem moralischen Hilfeschrei nichts mehr, da dieser ad Absurdum geführt wird. Naja, dennoch hat das Ende mein Gehirn überlistet und in mir Gefühle ausgelöst, dass ich nicht die schlechteste Note vergeben kann.

Ich frag mich nur, wer bei "Ender´s Game" die angepeilte Zielgruppe werden sollte. Es gibt nicht einmal Randgruppen, die mir spontan einfallen würden.


3/10

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