"Was macht einen guten Anführer aus?"
Die Formics, eine insektoide außerirdische Rasse, greifen die Erde an. Millionen sterben bei dem Angriff, bis Kampfflieger-Pilot Mazer Rackham (Ben Kingsley) mittels eines Kamikaze-Angriffes ihr Mutterschiff zerstört und dabei sämtliche anderen Drohnen ihren Angriff einstellen.
Etwa 50 Jahre später rechnet das Militär mit einem erneuten Angriff der Formics. Um diesem zuvor zu kommen, bildet Colonel Hyrum Graff (Harrison Ford) Kinder zu Strategen aus. Diese gelten für die Aufgabe, einen Angriff auf die Formics zu leiten, geeigneter, da sie zu unkonventionellen Taktiken greifen. In dem Jungen Ender Wiggin (Asa Butterfield) sieht Graff einen geeigneten Anführer, der in der Lage sein soll, eine Gruppe zu leiten. Somit wird Ender gebeten sich auf einer Militärschule in die Erdumlaufbahn einem Training zu unterziehen.
"Ender's Game" basiert auf dem Science-Fiction Roman "Das große Spiel" von Orson Scott Card. Der Roman stellt eine dystopische Zukunft dar, die einen Fokus auf das Militär und auf ein totalitäres Regime legt. Ein wenig erinnert das an Robert A. Heinlein's Roman "Starship Troopers" bzw. dessen Verfilmung von Paul Verhoeven. Nur eben in jugendgerechter Form.
Der Fokus liegt gänzlich auf dem Protagonisten. Recht flott erzählt "Ender's Game" dessen Werdegang von seiner Anwerbung durch das Militär, dem physischen wie auch mentalen Training, psychischem Druckaufbau und finaler, alleiniger Befehlsgewalt. Viele Elemente orientieren sich an Kriegs- und Ausbildungsdramen, wie etwas "Full Metal Jacket". Nur ist die vorhandene angewandte Gewalt niemals übermäßig, eher klinisch rein in den futuristischen Kulissen.
Das Ende kann durchaus überraschen und ordentlich zum Nachdenken anregen. Auch so manches Zitat während des Films. Neben dem Protagonisten kommen sämtliche anderen klischeehaften Figuren allerdings enorm kurz, weswegen ein Zugang unmöglich ist. Und selbst Ender wirkt so kühl und emotionslos, dass sich weder Sympathie noch Empathie bildet. Dies ist ein gewichtiger Faktor, der die Spannung stets nur auf einem mittleren Maße hält.
Audiovisuell macht "Ender's Game" vieles richtig. Die simulierten Weltraumgefechte strotzen vor Details. Hunderte und tausende Raumschiffe liefern sich hitzige Schlachten, tödliche Lichtblitze durchstreifen das All und fette Explosionen bieten das Trefferfeedback. Zur bombastischen Inszenierung gesellen sich treibende, orchestrale Klänge. Die Atmosphäre ist beeindruckend.
Von den Darstellern kann man das nicht behaupten. Asa Butterfield ("Hugo Cabret") ist nicht in der Lage den Film zu halten. Mit ständig gleicher sowie eiserner Mimik gelingt es ihm nicht Emotionen zu erzeugen.
Die Kinderdarsteller sind nicht in der Lage sich nachwirkend zu platzieren. Harrison Ford ("Cowboys & Aliens", "Star Wars"-Reihe) sowie Ben Kingsley ("Schindlers Liste", "Prince of Persia: Der Sand der Zeit") wirken eher gelangweilt anstatt interessiert ihren oberflächlichen Nebenrollen Farbe zu geben.
"Ender's Game" ist in audiovisueller Hinsicht episch. Leider hetzt sich der Film sehr durch seine Handlung, die außer ihrer finalen Wendung keine Überraschungen bereit hält. Der Stil ist kühl, was auch für die Figuren gilt. Die moralischen Ansätze um Authorität und Gewalt erhalten keinerlei Tiefe, ebensowenig die Charaktere. Die Darsteller sind in dieser Hinsicht leider auch nicht bemüht. Somit kann die Verfilmung des Science-Fiction Jugendromans kaum etwas gegen seine Konkurrenz ausrichten.
5 / 10