Ein Boss-Fight mit Folgen
Ein Film mit Kindern - aber alles andere als ein Kinderfilm. Das gibt es heutzutage auch nicht mehr oft. "Ender's Game" hat mich ziemlich kalt erwischt & ich bin eher in der Minderheit derjenigen, die sich dem negativen Tenor hier nicht ganz anschließen können. Klar ist das Buch ergiebiger & cleverer - trotzdem bleibt genug Essenz enthalten, um Wege zu gehen, die zum Nachdenken anregen. Viel mehr noch, als zu unterhalten. Vielleicht liegt es daran, dass der Film nie wirklich viele Fans ernten konnte - schnell werden hier falsche Erwartungen enttäuscht. Es geht um eine Erde bzw. Menschheit, die sich von einem Alienangriff erholt. Dieser wurde vor 50 Jahren zwar abgewehrt, seitdem hat man jedoch Angst vor einem weiteren Schlag der heuschreckanrtigen Außerirdischen. So viel, dass man präventiv plant zum Planeten der Eindringlinge zu fliegen & endgültig für Ruhe zu sorgen. Gewalt erzeugt Gewalt bzw. einen Teufelskreis - man kennt Motive aus Alltag & unsere traurige (Kriegs-)Geschichte.
Man war den neuen Independence Day-Filmen also einige Jahre voraus. Einen besonderen Haken oder Kick, ganz nach Betrachtungsweise, verleihen dem Film seine Protagonisten - zum Großteil Kinder bzw. junge Erwachsene. Die Elite unseres Planeten, die größten Talente, die von Anfang an ausgebildet werden, um den "Krieg" für die Menschheit zu gewinnen. Daran muss man sich erstmal gewöhnen, richtig logisch erscheint es mir nicht, das Schicksal unserer Spezies in die Hände von (wenn auch talentierten) Halbstarken zu legen. Im Endeffekt konnte ich mich damit jedoch anfreunden. Eher weniger mit der Art der Kinder, die sich eher wie mal altkluge, mal unreife Erwachsene verhalten - ganz selten jedoch wirklich menschlich oder sympathisch. Das ist so jedoch zum Großteil gewollt & hängt natürlich mit ihrer Erziehung bzw. dem Military Drill zusammen. Hilft dem Zuschauer jedoch wenig & der Film nimmt einen nur wenig an die Hand, wenn dann an eine sehr (gefühls-)kalte. An steifen, jungen Darstellern oder dümmlichen Dialogen liegt die fehlende Empathie selten - eher an der unterkühlten Atmosphäre & dem ultrascharfen Sci-Fi-Look, vor allem natürlich auf der Ausbildungs-Weltraumstation.
Wirklich actionreich wird es nur sehr gemaßregelt - da ist das Taktiktraining/futuristische Lasertag in Schwerelosigkeit noch am ehesten ein Highlight. Die Stärken des Films, liegen für mich in seiner humanen & etwas ernüchternden Aussage zum Urzustand der Menschen & somit in seinem letzten Drittel, bei dem es schwer wird, es nicht zu spoilern & trotzdem seine Faszination zu erklären. Ich sage nur so viel: in etlichen Simulationen werden der neue "Julius Ceasar" & sein Team an hochbegabten Teenagern, auf den Weltraum-Kampf gegen die Aliens vorbereitet. Und während dessen, merkt man immer wieder durchsickern, dass hier etwas nicht stimmen kann. Ethische Fragen & wer hier eigentlich im Recht ist oder der "Gute", rücken klar in den Vordergrund. Auch wenn man es ganz zum Schluss eindeutig etwas überspannt & selbst mich teilweise verlor. Eine Frage werfe ich noch in den Raum, die schon andeutet in welche Richtung es geht: Wie kommt es, dass in satten 50 Jahren, die scheinbaren Angreifer nicht ein weiteres Zeichen des Angriffs andeuteten?
Fazit: (Sci-Fi) "War Games" trifft auf einen durchwachsenen Teen Club - geht eigene Wege, reißt dabei wie seine Vorlage Mauern ein, verirrt sich dann jedoch etwas am überambitionierten Anspruch an sich selbst. Trotzdem können die Aussagen über Krieg, Gerechtigkeit, Menschheit & Psychologie, erst recht in Kombi mit dem (besseren) Buch, noch lange im Gedächtnis bleiben.