Vor 50 Jahren konnte die Menschheit unter großen Verlusten knapp eine Invasion von insekten-artigen Außerirdischen genannt Formics abwehren und bereitet sich seitdem auf einen erneuten Alien-Angriff vor. Colonel Hyrum Graff, der stets auf der Suche nach passenden Kanditaten auf den Posten als oberster Kommandant einer Raumschiff-Flotte ist und sich den militärischen Nachwuchs bereits im Schul-Alter abgreifft, weil die Kids mental noch nicht festgefahren sind und sich leichter formen lassen, glaubt, in dem jungen Andrew "Ender" Wiggin ein strategisches Genie gefunden zu haben. "Ender" wird prompt rekrutiert und auf eine im Erd-Orbit kreisende Boot-Camp-Station verfrachtet, um sich dort zusammen mit den anderen Kadetten mittels Simulationen und Taktik-Spielen für die anstehende Schlacht mit den Formics fit machen zu lassen... Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, so ist "Ender's Game - Das große Spiel" doch irgendwie ein perfektes Pendant zu Paul Verhoevens "Starship Troopers": Bei beiden Filmen handelt es sich um Roman-Adaptionen, in beiden Filmen wird Krieg gegen insektoide Aliens geführt und beide Filme beantworten die im Raum stehende Frage, ob die wahren bad guys der Story nicht doch die Menschen sind, mehr oder minder deutlich mit "ja". Während ein Paul Verhoeven dem Publikum allerdings seine alptraumhafte Version einer tatsächlich durch und durch faschistischen Gesellschaft hintergründig in Form eines Hurra-Kriegsspektakels angetragen und auf die Art dafür gesorgt hat, dass man der verbreiteten Propaganda im Kino-Sessel selbst auf den Leim gegangen ist, präsentiert sich ein "Ender's Game - Das große Spiel" als eher "softer" Jugendfilm mit Sci-Fi-Anstrich ohne bös-satirsche Spitzen, was seine Botschaft über ein Gros der Laufzeit doch mehr als nur ein wenig problematisch erscheinen lässt... und dass die gelackte Optik einer hochbudgetierten Hollywood-Produktion inklusive F/X-Bombardement einen dazu verleitet, sich von dem Streifen in typischer Hirn-aus-Manier berieseln zu lassen, empfindet man in diesem Fall dann auch - gerade in Hinsicht auf die angepeilte Zielgruppe - als extra-widerlich. Erst der Schluss-Twist, der da einige ethisch-moralische Fragen aufwirft, gibt der Angelegenheit rückblickend betrachtet einen dezent humanistischen Spin und weicht mit einem gewissen kritischen Ton die zuvor klar gezogenen Grenzen militärischer Schwarzweiß-Denke ein wenig auf. Wie schade, dass "X-Men Origins: Wolverine"-Regisseur Gavin Hood aber wohl der falsche Mann für den Job gewesen ist und anders als ein Paul Verhoeven sich die literarische Vorlage nicht zu eigen gemacht, sondern daran mal eher kräftig verhoben hat... und so ist einem wesentlich intelligenteren "dummen" Film wie "Starship Troopers" doch vor "Ender's Game - Das große Spiel" immer noch der Vorzug zu geben. Trotz der Besetzung mit den beiden Alt-Stars Harrison Ford und Ben Kingsley ist die Chose ergo ein ziemlicher Abtörner, wundert mich nicht, dass der hier im Kino hart gefloppt ist...
5/10