Review

Staffel 1

Walter gefällt das!

Lange bevor Überhits wie "Dark" oder "Stranger Things" Netflix zum aktuellen Streamingchampion gemacht haben, startete mit "Orange Is The New Black" eines ihrer ersten exklusiven Aushängeschilder. Mittlerweile geht die Serie dieses Jahr schon in die siebte Staffel - höchste Zeit also, die Frauenknast-Dramödie endlich anzugehen. Es geht um Piper Chapman, die vor fast zehn Jahren mit ihrer damaligen Freundin illegale Drogengeschäfte abgewickelt hat. Dafür kommt die auf den ersten Blick recht langweilige und steife, weiße, mittelalte Amerikanerin in den Knast. Schuldig und einigermaßen reumütig. Und die 13 je ca. einstündigen Folgen der ersten Season handeln von ihren ersten Wochen und Monaten eben dort, mitsamt all der ungewöhnlichen Mitinsassen, der leidenden Beziehung zu ihrem Verlobten und ihrer eigenen Entwicklung und Selbstfindung in dieser Extremsituation...

"Orange Is The New Black" könnte man in etwa als "Hinter Gittern" trifft "Weeds" beschreiben, eine oft wirklich tolle Mischung. Kraftvoll, voller Frauenpower, Figuren und Gesellschaftsschichten, die man nicht allzu oft in Serien sieht, und ein wirklich grandioses Ensemble. Vor allem Nebenfiguren wie Tasty, Crazy Eyes oder Red wachsen einem schnell ans Herz und bringen die gewisse Würze - doch eine Dame herauspicken möchte ich gar nicht, dafür funktioniert das Kollektiv, Rädchen für Rädchen, zu gut. Piper kann nerven, doch ihre Fehler, machen sie auch interessant und vielschichtiger und realistischer. Trotz einiger Klischees wirkt die Serie allgemein recht realistisch und scheut sich nicht auch mal dahin zu gehen, wo es weh tut, wo es nackt wird, wo es düster sein kann. Wer eine klassische Comedystory erwartet, könnte enttäuscht werden. Ich persönlich finde die dramatischen Knackpunkte hier wesentlich bleibender und intensiver. Was die vielen Schmunzler zwischendurch nicht beeinträchtigt. Ganz im Gegenteil.

Das Setting wird durch kurze Rückblenden aufgelockert und den vielen Figuren wird so langsam aber sicher mehr Kontur und Rückgrat gegeben. Bis sie einem gegen Ende der Staffel fast alle etwas bedeuten. Da ist aber noch sehr viel Spielraum für die folgenden Staffeln. Netflix setzt kaum kreative Grenzen, sodass es auch in Sachen Freizügigkeit oder sogar Gewalt manchmal überraschend offensiv zugeht. Gut so. Ob die Folgen wirklich jeweils fast die Stunde voll machen und ob es wirklich dreizehn an der Zahn sein mussten, sei mal dahingestellt. Mir persönlich waren das etwas zu viele Minuten auf der Uhr. Gerade weil "OITNB" bei mir kein Bingewatchingfieber auslösen konnte. Doch wie gesagt: gegen Ende war ich drin und wollte doch zügig mehr... Meine Highlights waren Pipers On-Off-Beziehung zu Alex, ihrer damaligen Partnerin und Chefin, vielleicht der Liebe ihres Lebens, und die vielen kleinen Details und Marotten, die das Leben hinter schwedischen Gardinen seltsam, hart und unvergesslich machen. Es entwickelt sich sogar eine echte Gemeinschaft unter den Frauen, vor allem wenn es drauf ankommt, was mich besonders bewegt hat.

Fazit: cooles Setting, top Darstellerinnen und mutige Themen - "Orange Is The New Black" startet stark, wenn auch nicht komplett ohne Längen oder Fehler. Dennoch: Interesse besteht, genug Figuren gehen einem schleichend nahe und man bleibt gerne weiter am Ball. Die Balance aus Comedy und Drama ist bemerkenswert. Wären die Folgen doch nur etwas zackiger und kürzer... (7,5/10)

P.S.: Wenn möglich im Original gucken!

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