Review

Staffel 2

Kacken für Exhibitionisten

In der zweiten Staffel der Netflix-Erfolgsserie über den (erfundenen) Frauenknast in Litchfield, New York, geht es mal wieder rund. Von gefährlichen Fehden über neue Allianzen bis hin zur weiblichen Anatomie ist alles dabei. Es wimmelt nur so von interessanten Schicksalen und starken Faruenfiguren, schrägen Sidekicks und witzigen Details und Insidern... Nur warum bleibt dennoch so wenig bei mir hängen? Warum ziehen sich die meisten Episoden trotzdem wie Kaugummi? Muss das Finale wirklich auf Spielfilmlänge anwachsen? Und warum stellt sich nie wirklich der Binge-Watching-Faktor ein?... Ernüchternde Fragen, auf die ich selbst teilweise keine Antwort habe. Denn ich halte "Orange Is the New Black" für eine enorm relevante, coole, wichtige Serie. "Frauen hinter Gittern" meets "Weeds". Kreativ, top geschrieben, tolerant, freizügig und oft genug überraschend und emotional. Der Funke springt zu mir jedoch einfach nie gänzlich über...

Wenn ich eine Pro- und Contra-Liste erstellen würde, wäre diese recht einseitig hin zum Positiven. Die Ladies spielen klasse, es werden brisante und hoch aktuelle Themen angesprochen und mehr "netflix" kann sich eine Serie kaum anfühlen. Von Restriktionen oder Barrieren keine Spur, der Kreativität wird freien Lauf gelassen. Doch wenn ich einen Punkt ausmachen müsste, warum Staffel 2 vielleicht meine letzte der Serie sein könnte, ist das die Länge der Folgen. Durchschnittlich eine ganze Stunde ist einfach viel zu lang. Obwohl immer etwas passiert und man genug Charaktere hat, zwischen denen die Handlung springen kann, wären 30 Minuten doch wesentlich passender, zügiger, zackiger. Bei 60 Minuten ist immer Füllmaterial dabei, auf das man gerne verzichten mag. Besonders bei den Rückblenden. Außerdem sind es vielleicht ein paar Figuren zu viel, sodass man (außer auf Piper) gerne mal den Fokus verliert. Mehr Konzentration auf das Wesentliche wäre hier wünschenswert. Nicht jede Geschichte ist fesselnd, sorry "Ladies".

Dass etliche Handlungsstränge berechenbar sind und sich die Figuren, mit denen man wirklich mitfiebert und die man von Herzen mag, stark in Grenzen halten, hilft der Seriensucht ebenfalls nicht. Da muss meiner Meinung nach in einer heutzutage derart vielfältigen und überlaufenen Serienlandschaft mehr kommen. Mehr Mut, mehr Esprit, mehr, was auf dem Spiel steht. Wenn es nur bei ein bis drei Figuren wirklich Klick macht, dann soll das vielleicht einfach nichts sein zwischen uns. Wenn man sich jedoch in eine Handvoll oder mehr der Insassinnen verguckt hat bzw. von ihren Schicksalen gefesselt ist, dann kann ich voll und ganz verstehen, warum man die Serie feiert und verschlingt. War bei mir nur leider nie der Fall... Zu den besseren Knastserien, die je über die Mattscheiben flimmerten, würde ich dieses chaotische Treiben dennoch zählen. Allzu viel Konkurrenz gibt es da allerdings auch nicht.

Fazit: Frauen, Feinde, Freunde. Fäuste, Fassaden, Feminismus - "Orange Is The New Black" hält sein Niveau (fast) und bietet weiterhin etliche tolle Figuren, interessante Geschichten und explosive Figurenkonstellationen. Dennoch: ein wenig träge, zäh und redundant wirkt das Ganze leider jetzt schon oft genug, sodass ich nicht weiß, ob ich dran bleibe... (6,5/10)

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