Review

Zombie meets Facebook

(Achtung Spoiler)

Eine Internetplattform wie Facebook möchte, dass ihre User öfter vorbeischauen. Dafür entwickeln die Verantwortlichen Updates. Das letzte Update führt allerdings dazu, dass sich im Hirn der User eine Art Tumor entwickelt, der sie in zombieähnliche Monster verwandelt.

Der Zombiefilm ist also in der virtuellen Welt angekommen, in unserer Welt. Wurden früher die Viren noch per Körperkontakt übertragen, geschieht dies in Antisocial via Screen. Platzierte Romero seinen Dawn of the Dead noch in die Konsumgeilheit der 70er-Jahre, so findet Antisocial sein Umfeld in den unendlichen Weiten des "The Social Redroom".

Ein paar Freunde treffen sich zu einer Neujahrsparty und alle sind vernetzt: Laptop oder Handy sind ständige Begleiter - ein Bild, das wir heute aus jeder Fußgängerzone oder Kneipe kennen. Auf der Party treffen erste Meldungen via TV ein, dass sich die Erde kurz vor ihrem Ende befindet - eine Seuche breitet sich rasend schnell aus. Nur langsam kommen die Figuren hinter das Geheimnis der Geschehnisse. Und der Zuschauer kann aufgrund des langsamen Tempos im ersten Teil des Filmes miträtseln und mit den Figuren und deren Geschichten mitfiebern.

Über weite Strecken ist Antisocial ein Kammerspiel der fünf Protagonisten. Ein Pärchen verdrückt sich im Schlafzimmer, ein Singleboy versucht die Party zu genießen, der Gastgeber ist der eher ruhige Typ und ein Mädel, dessen Freund sich von ihr via Laptop getrennt hat, ist schwanger. Das sorgt für allerlei Drama und Spannung zwischen den Figuren, die zwar genretypischen Mustern folgen, aber nie wie klischeebehaftete Abziehbildchen eines Teenieslashers wirken. Über weite Strecken folgt Antisocial den Genreregeln. Das Pärchen, das Poppen möchte, wird von einem der Monster gestört und die beiden beißen natürlich auch als erstes ins Gras. Während die Seuche auch innerhalb des Hauses, in dem gefeiert werden soll, langsam um sich greift, steigt auch das Misstrauen zwischen den Protagonisten. Doch durch die Inszenierung des Regisseurs Cody Calahan bekommt der Film eine ganz besondere Note. Die Figuren wirken nie doof, überzeichnet oder austauschbar. Calahan lässt ihnen genügend Raum, um sich Stück für Stück zu präsentieren und zu entwickeln.

Zum Ende hin nimmt der Film ordentlich Tempo auf. Zwar ist der erste Teil nie langweilig, dennoch habe ich mich über die Steigerung gefreut, genauso über den Blutgehalt, den man dann präsentiert bekommt: Denn gegen Ende wird auch ordentlich gesplattert. Zum Schluss bekommt der Zuschauer auch noch einen kleinen Twist geliefert, der die vermeintliche Lösung des Problems Zombie wieder ins Gegenteil verdreht. Denn das Internet vergisst nichts. Nichts darin stirbt, auch nicht die Kinder, die es selbst geboren hat.

Antisocial ist ein kanadischer Horrorthriller mit Dramaelementen und Gesellschaftskritik. Und er scheint sich vor dem Altmeister des kanadischen Horrorthrillers, David Cronenberg, zu verneigen. In Cronenbergs Videodrome wurde versucht, via Videosignal den Betrachtern des Fernsehschirms einen Tumor ins Hirn zu pflanzen, der sie zu willigen Kämpfern des neuen Fleisches macht. Ähnliches geschieht in Antioscial. Wenn die Opfer erste Halluzinationen (dies geschieht auch in Videodrome) erleiden, sehen sie eine Gruppe Geister, die sie zu willigen Kämpfern für den "Social Redroom" anstiften. So ist Antisocial eine logische Weiterentwicklung des Videodromes, vom Video zur Internetplattform. Auch Cronenberg inszeniert seine Filme über weite Strecken sehr ruhig, taucht das Set immer wieder in kühles Blau, genau wie dies Cody Calahan in Antisocial macht. So wie in Videodrome der Körper entmenschlicht wird, werden die Menschen in Antisocial entkörperlicht. Selbst beim sexy Vorspiel ist das Handy ein wichtiger Bestandteil, die Protagonisten berühren öfter die technischen Spielereien als ihre Freunde. Face-to-Face-Kommunikation findet fast nur noch über Internetcam statt, es sei denn, man ist wie die fünf Protagonisten in ein Haus gesperrt.

Wenn dann das Finale eingeläutet wird, ertönen Synthi-Klangteppiche wie man sie von Howard Shore aus den Cronenbergfilmen kennt. Biegt der Film dann auf die Schlussgerade, ertönt eine die Spannung steigernde Musik wie man sie aus einigen Saw-Filmen kennt. Die Falle des Internets schnappt zu. Es vergisst nichts, auch nicht die Kinder, die es geboren hat.

Fazit:
Antisocial ist ein sehr gut inszenierter Horrorthriller, der über ein angenehmes Erzähltempo verfügt, das im richtigen Moment die Geschwindigkeit wechselt. Die Figuren folgen zwar wie über weite Strecken auch der Film den Genreregeln, wirken aber interessant und nie flach. Die Beziehungen und Interaktion zwischen den Figuren wirken glaubwürdig und die jungen Darsteller überzeugen und der Spannungsbogen verliert nie an Kraft. Dass Cody Calahan die Zombiethematik nun ins Internet verlegt ist nicht genial, aber ein geschickter Schachzug, denn so wirkt der Film nicht wie ein weiterer Aufguss eines in die Jahre gekommen Genres, das nur selten mit wirklich Highlights noch aufwarten kann. Antisocial ist eine angenehme Ausnahme der Zombieplagiate, die uns in der vergangenen Jahren präsentiert wurden. Zum Schluss hin werden auch die Splatterfreunde angenehm bedient und das Ende des Filmes ist sehr gelungen.

7/10

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