Ach ja, die Zeit der handgeschriebenen Briefe, bei denen lediglich der Adressat vom Inhalt wusste und nicht gleich jeder live vorm Rechner mitbekommt, wer nun grade wen nicht mag und mit Abkürzungen wie ASAP, Gratz oder OMFG nur so um sich geworfen wird. So ist es natürlich löblich, dass Regiedebütant Cody Calahan einem gewissen sozialen Netzwerk den Stinkefinger in Form einer zombieähnlichen Epidemie zeigt, doch in Form eines Belagerungszustandes in nur einem Haus ist das auf Dauer nicht allzu abwechslungsreich.
Silvester irgendwo in Kanada: Kriminologie-Studentin Sam verbringt den Abend bei einer Handvoll Freunden, nachdem ihr Typ per Netzwerk mit ihr Schluss machte. Die anfangs fröhliche Stimmung kippt, als ein Fremder über den Balkon in die Wohnung einzudringen versucht und kurz darauf via Internet von weltweiten Infektionen berichtet wird, welche aggressives Verhalten mit sich bringen. Den Freunden bleibt keine andere Wahl, als die Wohnung zu verbarrikadieren, doch jemand unter ihnen scheint bereits ebenfalls infiziert zu sein...
Es handelt sich nicht um Zombies, denn die Betroffenen weisen keinerlei Heißhunger auf Menschenfleisch auf, obgleich die Artikulation gegen Null tendiert und das Schmerzempfinden offenbar abgeschaltet ist. Nur leider spielt sich das Geschehen in nur wenigen Räumen ab, - da bringen ein paar Schaltungen via Webcam oder Ausschnitte aktueller Nachrichten wenig, zumal die Figuren bis auf Sam eher eindimensional ausfallen.
Immerhin gibt es anfänglich ein paar Überspitzungen hinsichtlich sozialer Vernetzungen und permanenten Datenaustauschs, während Sam treffend von sich gibt: "Privates ist tot".
Kommunikation findet offenbar nur noch auf digitaler Ebene statt, Cyber-Mobbing wird kurz thematisiert und auch das Bloggen völlig irrelevanter Menschen mit noch langweiligeren Beiträgen bekommt ein wenig Fett weg. Dagegen bleibt der Ausbruch der Seuche vergleichsweise harmlos, denn eine Handvoll Amokläufer lassen beileibe keine Epidemie spürbar werden.
Ab und an versucht mal jemand ins Haus einzudringen, wobei sogar einmal die Axt hervorgekramt wird, doch ansonsten erhalten Splatterfans lediglich Messerstiche im Bauch, ein Loch in der Stirn, den Schlag auf einen Kiefer und ein paar angesetzte Schnitte, während die Erklärungen für die Infektion ins Abstruse abgleiten und auch die Gegenwehrmaßnahmen aus medizinischer Sicht völliger Humbug sind. Immerhin zeigen sich bei den ersten Symptomen unter anderem Halluzinationszustände, was ein wenig Abwechslung in die Runde wirft.
Ansonsten vermag die klaustrophobische Atmosphäre nicht allzu häufig zu punkten, denn dazu hätte es weitaus mehr als nur ein paar Nachrichtenbilder und Polizeisirenen vorm Haus der Betroffen benötigt. Zwar erledigen die Darsteller ihre Arbeit ordentlich und auch der Synthie-Score wabert stimmungsvoll und antreibend vor sich hin, doch im Endeffekt hätte man mit der Bedrohung aus dem WWW noch deutlich zynischer und mit mehr Augenzwinkern umgehen müssen, um vom Gesamteindruck einer guten Grundidee in eher wenig origineller Umsetzung abzulenken.
4,5 von 10