Review

Sozial bekömmlich - für Fans des blutigen Fachs

Das Internet, unsere Smartphones, die PCs & natürlich auch Social Network-Seiten wie Facebook, machen uns zu laufenden Zombies, die das Leben weniger genießen & nur noch für Andere leben - keine neue These, keine gewagte These, keine komplett unwahre These. Und ähnlich wie die dieses Jahr erschienene Stephen-King-Verfilmung "Cell", nur etwas besser, spielt auch "Antisocial" mit diesem Thema - eigentlich sollte eine Houseparty stattfinden, doch unserer partygeilen Clique kommt quasi der Weltuntergang durch wild werdende Infizierte als brutaler Partycrasher dazwischen. Nun wird sich ganz oldschool im Haus verbarrikadiert & gewundert, warum der seltsame Virus sich trotzdem den Weg nach innen zu bahnen scheint...

"Antisocial" wirkt nicht nur oft etwas bemüht, dilettantisch & sehr "Filmschule" & Filmfan - er ist halt das Regiedebüt von Cody Calahan. Man merkt: der Mann muss ein Horrorfan sein, so sehr spielt der Film auf Genreklassiker wie einige Carpenter- & Cronenberg-Filme oder "28 Days Later" an. Diese professionalisierte & mit großen Vorbildern unterstützte Fan-Herangehensweise muss nicht immer etwas Gutes sein - ist es hier aber definitiv. Nicht jeder gebildete Fan ist sofort ein begabter Regisseur, Gucken ist nicht gleich Können, aber "Antisocial" ist für Hass & überharte Kritik einfach zu nice. Vor allem Horrorfans können hier gratis gestreamt, auf YouTube oder günstig erstanden, eigentlich gar nichts falsch machen & einer kommenden Fortsetzung gucke ich eher gespannt als skeptisch entgegen. Dabei kann der moderne, coole Musikvideo-Look samt (etwas zu penetrantem) Synthie-Soundtrack & atmosphärischen Bildern ruhig beibehalten werden.

Sähe so mein erster richtiger Film aus, ich wäre verdammt stolz. Und Cody Calahan sollte es da nicht anders gehen - ich hoffe er findet seinen Weg im Filmbusiness. Manche Bilder aus "Antisocial" sind frisch aus einem Albtraum abgezapft & das Thema einer vom PC infizierten Menscheit bzw. die Kritik am virtuellen Sozialzwang, wird zwar oberflächlich, aber nicht sinnlos behandelt. Die Darsteller, die der Regisseur vielleicht aus seinem Bekanntenkreis gezaubert hat, sind nicht nur durch eine furchtbare deutsche Synchro Müll - auch im Original wirken diese nicht auf dem Niveau des sonstigen Films. Was dieser aus seinem begrenzten Raum, Personal, Budget & der nicht neuen Idee kitzelt, ist ansonsten aller Ehren wert. Kein Gamechanger & auch nur in seinen wenigen Gewaltspitzen hart, dafür ein solides Debüt mit einigen coolen Ideen (Inet-Infos über die Personen zu Beginn; actionreiches offenes Ende; gruselige Visionen) in einem ausgelutschten Genre. 

Fazit: The Social Killbook - ein kleiner, hübscher Indie-Happen aus Kanada, für anspruchslose Horrorfans & alle, die gerade einen (neueren) Gratisfilm auf YouTube suchen, der keine totale Grütze ist!

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