Review

Staffel 1

Staffel 1


Muss auf keine schwarze Liste 

"24" hat sein Comeback eher verpatzt, "Homeland" scheint auf dem absteigenden Ast & war Vielen eh zu lahm/realistisch (mir nicht!), "Akte X" hat ebenso versagt wie Jack Bauer & die Absetzung von "Hannibal" nach nur 3 Staffeln ist eine der größeren Schanden der letzten TV-Jahre. Gute Voraussetzungen für einen Mix aus all dem, aus den Schatten zu treten & neue Fans zu gewinnen - Auftritt "The Blacklist". 

In der (etwas zu) langen ersten Staffel (22 Folgen!), werden wir Zeuge, wie eine Spezialeinheit des FBI zwielichtige Unterstützung von einem ihrer meistgesuchten Schwerverbrecher bekommt - Raymond Reddington, außerordentlich gut gespielt von James Spader. Dieser liefert nun nicht nur wichtige Infos zu einzelnen Fällen, sondern sieht sich vor allem der jungen Agentin Elizabeth Keen zugewandt, sodass beide wohl mehr verbinden muss, als man auf den ersten Blick erkennt...

Der Plot klingt interessant & ist extrem zugänglich, erinnert jedoch ziemlich an eine Mischung aus CSI & Hannibal Lecter - nur ohne das Essen von Menschen. Doch bei "Blacklist" stehen Unterhaltung, Tempo & zum Teil so abgedrehte "Fälle der Woche" im Mittelpunkt, dass sogar Kannibalismus nicht aus dem Rahmen der Möglichkeiten fällt. Manche Mörder, Terroristen oder Fälle stechen hervor (The Stewmaker; das spektakuläre Mid-Season-Finale in Doppelfolge), andere wirken schon tausendfach gesehen & wie frisch aus der TV-Thriller-Retorte. Wenn die guten Fälle einher mit der interessanten Backstory rund um Liz & Red gehen, dann fesselt "The Blacklist" ungemein & kann locker als TV-Geheimtipp durchgehen. An Höchstleistungen von "Dexter" oder eben "Hannibal" kommen die oft recht begriffsstutzig & flach dargestellten FBI-Agenten hier jedoch nicht heran. 

Etwas mehr durchgängige Story, weniger "Fall der Woche"-Schema, interessantere Good Guys & vor allem weniger Streckung von Geheimnissen & Enthüllungen über einen so langen Zeitraum, hätten der ersten Staffel gut getan. Denn am Ende steht man gar nicht so viel schlauer da als nach der Pilotfolge - was schade ist. Der Look der Serie ist hochwertig & zum Teil sogar spektakulär, abgesehen von ein paar eher schwachen Effekten aus dem PC. Richtige Showstealer waren die Gaststars & bekannte Gesichter aus der zweiten Reihe Hollywoods, meist als erinnerungswürdige Bad Guys.

Da man schnell merkt, dass auch wichtigere Charakter sterben können & es um etwas geht, bleiben Spannung & Interesse hoch. Während die Hauptdarstellerin Megan Boone nicht immer glaubhaft oder so tough rüberkommt, wie sie es gerne hätte, eher wechselhaft & seltsam gezeichnet, sticht vor allem James Spader bei seinem Comeback nach längerer Abstinenz heraus. Wie charismatisch & vielschichtig er den Conartist & Strippenzieher Reddington darstellt, macht allein schon diese Serie sehenswert. Wer also damit leben kann, das hier in Sachen Anschläge oder Bösewichten oft jede Woche so viel passiert, wie in einer kompletten Staffel "Homeland", der kann sich bedenkenlos & nicht wirklich anspruchsvoll berieseln lassen. 

Fazit: kurzweilige Thriller-Unterhaltung, die mit ihrer unrealistischen & actionlastigen Art entweder punktet oder verschreckt. Trotz ein paar Folgen zu viel bleibe ich allein schon auf Grund des genialen Spader als Raymond "Red" Reddington am Ball. Empfehlung für alle, denen "Homeland" zu langsam war! (7,5/10)

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