Review

Staffel 4 - 6/10

Staffel 4

Wer ist jetzt dein Vater?

Ohne James Spader wäre diese schwarze Liste kurz, er ist nicht zu ersetzen oder vertreten - das wird im vierten Jahr "Blacklist" schmerzhafter denn je klar. In der ersten Hälfte dieser Staffel tritt Raymond Reddington gegen Liz's möglichen russischstämmigen Vater an, in der zweiten Hälfte wird eine von Reddingtons engsten Vertrauten der große Gegenspieler mit saftigen Rachegelüsten. Dazwischen gibt es kaum Fälle, Personen, Widersacher oder Konflikte, die lange im Gedächtnis bleiben. Nicht selten hat man das Gefühl, dass man schon alles gesehen hat und die Serie über den berühmten Hai gesprungen ist. Wäre da nicht Spader als Meisterverbrecher, der selbst in seinen routiniertesten Szenen noch immer zum Besten gehört, was man an Antihelden im TV finden kann...

22 Folgen können lang sein - es verwundert nicht warum viele Serien mittlerweile wesentlich kürzer sind. Doch wenn die Folgen gut geschrieben sind und man mit den Figuren gerne Zeit verbringt, können auch fast zwei Dutzend Episoden locker verfliegen. In diesem Jahr ist das bei "The Blacklist" nicht so. Zu viele Muster werden wiederholt, zu vorhersehbar bleiben Handlungen, zu nervig sind nach vier Jahren (!) noch immer offene Fragen. Und wenn zu den Highlights einer Staffel Mini-Handlungsstränge von Nebenfiguren zählen (z.B. die Chemie zwischen Aram und Samar oder Dembes größer werdende Rolle und seine Fluchtfolge), dann muss man sich um die Hauptstory Gedanken machen.

Zugegeben, es ist natürlich nicht alles mies was langsam anfängt zu müffeln. Mr. Kaplan als "Bösewicht" im letzten Drittel der Staffel ist eine positive Ausnahme im Brei der Antagonisten. Sie hat Power, Charisma, eine verständliche Motivation und eine nachvollziehbare Hintergrundgeschichte (obwohl überraschend konstruiert in einer ansonsten starken Folge "Requiem"). Dagegen verblasst Liz's russischer Möchtegernvater in der ersten Hälfte des Jahres völlig. Sein Abgang kommt plötzlich, unerklärt und einerseits erlösend, andererseits direkt vergessen. Liz und Ressler fallen zumindest nicht negativ auf und Tom taucht für meinen Geschmack oft genug unter. Ihn mochte ich noch nie. In den "Fällen der Woche" sucht man hängen bleibende Highlights leider vergebens - was bei mehr als einem Dutzend an Möglichkeiten extrem ärgerlich und unverständlich erscheint.

Fazit: die Konflikte werden persönlicher, es gibt gegen Ende endlich Auflösungen wichtiger Fragen und James Spader bleibt weiterhin sehenswert - doch ansonsten bietet das vierte Jahr der schwarzen Liste mehr Füllmaterial als spannende Fälle und mehr konstruierte Verbindungen als je zuvor. Wird es Zeit zum Ende zu kommen? Ich tendiere zu ja. Seichte Thrillerunterhaltung ist aber noch immer drin. (6/10)

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